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03/2003
 

Neue Studie zur globalen Wasserkrise

Wasser ist nicht wie Öl: Es gibt keinen Ersatz

Von Johannes Wendt

Vor einer weltweiten Wasserkrise warnen in einer gemeinsamen Studie mit dem Titel „World Water and Food to 2025. Dealing with Scarcity“ das International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington und das International Water Mangement Institute (IWMI) in Colombo. „Wenn Wasser knapp wird, wird auch die Nahrung knapp“, lautet das einprägsame Resumee des Berichts, den der neue Direktor des IFPRI, Joachim von Braun, am 29. Januar in Berlin vorstellte. Anhand mehrerer Szenarien gehen die beiden Institute der Frage nach, wie sich die Versorgung mit Wasser weltweit bis 2025 entwickeln könnte und was unternommen werden müsste, um Krisen zu verhindern.


„Business as usual“ würde bedeuten, dass der Wasserverbrauch weltweit in den nächsten beiden Jahrzehnten um mindestens 50 Prozent zunimmt. Diese Prognose geht von einem Bevölkerungswachstum von zwei Milliarden in diesem Zeitraum aus, berücksichtigt aber nicht die Erderwärmung, die ebenfalls den Konkurrenzkampf um das Wasser anheizen dürfte. Wenn die zusätzliche Menge Wasser, die zur Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung nötig ist, der Landwirtschaft entzogen wird, geht die Nahrungsmittelproduktion bis 2025 um 350 Millionen Tonnen pro Jahr zurück – um mehr als die jährliche Getreideernte der USA. Die Preise für Weizen, Mais und Reis würden sich mehr als verdoppeln, sagte von Braun, und damit unbezahlbar für die Armen werden. Hunger, Krankheiten und Umweltzerstörungen nähmen weltweit zu.

„Wasser ist anders als Öl“, sagte von Braun. „Es gibt keinen Ersatz.“ Schon jetzt, so die Studie von IFPRI und IWMI, sterben jährlich drei Millionen Kinder, weil sie keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Unbedenkliches Wasser, so von Braun, sei in vielen Ländern ein Privileg der Reichen, die – um dieses Privileg zu sichern – zugleich ihren politischen Einfluss geltend machten, dass Wasserleitungen nicht in verarmten Regionen verlegt werden.

Dem „Business-as-usual“-Szenario stellt die Studie ein Nachhaltigkeits-Szenario entgegen, das kurz- und langfristige Reformen voraussetzt, zunächst vor allem in der Politik. Denn es sei eine politische Aufgabe, so von Braun, für eine kostenlose, zumindest jedoch sehr billige Grundversorgung mit Wasser zu sorgen: bis zu 50 Liter pro Kopf und Tag, davon 10 Liter Trinkwasser. Wer mehr als diese Menge verbrauche, solle deutlich mehr dafür bezahlen. Nötig seien zudem gezielte Investitionen in eine wassersparende Landwirtschaft, zum Beispiel in die Züchtung dürreresistenter Pflanzen.