Beiträge aus der Rubrik
Fakten + Tendenzen


Werner-Schuster-Haus

Ohne Arbeit

Wasser ist nicht wie Öl: Es gibt keinen Ersatz

Ein Jahr Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“

Einen Richtungswechsel

Der neue Dachverband wir die europäischen NROs stärken

US-Regierung: Neues Geld für die AIDS-Bekämpfung

Gerechter Agrarhandel in weiter Ferne


03/2003
 

Interview mit Elke Rusteberg

Der neue Dachverband wir die europäischen NROs stärken

Ende Januar haben mehr als eintausend entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen (NROs) aus achtzehn europäischen Ländern einen neuen Dachverband gegründet, die Confederation for Coordination of Relief and Development NGOs (CONCORD). Gleichzeitig wurde die bisherige NRO-Vertretung in Brüssel, das 1975 eingerichtete Liaison Committee entwicklungspolitischer NROs (CLONG), aufgelöst. Zwischen der EU-Kommission und CLONG war es 2001 zu einem heftigen Streit über Finanzierungsfragen gekommen, der die Arbeit von CLONG zeitweise vollständig lahmgelegt hatte. Fragen an Elke Rusteberg, die für die Kindernothilfe arbeitet und künftig die deutschen NROs im CONCORD-Vorstand vertritt.


Frau Rusteberg, der Streit zwischen EU-Kommission und CLONG schien bereinigt. Warum dennoch die Gründung eines neuen Dachverbands?

Vorrangiges Ziel war es, die Position der europäischen NROs als legitime Partner der Kommission zu stärken. Das Liaison Committee war von der Kommission eingerichtet und voll finanziert worden. CONCORD dagegen wurde von den nationalen NRO-Verbänden und Netzwerken selbst gegründet; die Mitglieder werden sich deshalb stärker mit ihrem Dachverband identifizieren und wirksamer ihre Interessen vertreten können.


Das große Problem von CLONG war die finanzielle Abhängigkeit von der Kommission. Woher bekommt CONCORD seine Mittel?

Ganz unabhängig von Zuschüssen der Kommission wird auch CONCORD nicht arbeiten können. Im Vergleich zu CLONG wird CONCORD jedoch viel kleinere Jahresbudgets haben. In 2003 soll die Kommission 75 Prozent beisteuern; in den nächsten fünf bis sechs Jahren soll dieser Anteil dann auf 50 Prozent reduziert werden. Der Rest muss aus den Mitgliedsbeiträgen kommen.


Was sind die drängendsten Aufgabe für CONCORD?

Durch Lobbyarbeit das Thema Entwicklungszusammenarbeit wieder nach oben auf die europäische Tagesordnung bringen und die Finanzierung von NRO-Projekten durch die Kommission sichern.


Das Verhältnis zwischen EU-Kommission und NROs hat sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert. Welche Perspektive sehen Sie?

Die Kommission hat nichts grundsätzlich gegen NROs, nur über ihre Aufgaben gibt es unterschiedliche Ansichten. Nicht so lieb sind Kommissar Poul Nielson Organisationen, die ihr Initiativrecht für eigenen Projekte wahrnehmen oder gar politische Forderungen stellen. Sympathischer sind ihm solche NROs, die sich in die policy der Kommission einordnen und eher wie Durchführungsorginsationen mit der EU zusammenarbeiten.


Wie soll CONCORD damit umgehen?

Wir müssen der Kommission zeigen, dass unabhängige Nichtregierungsorganisationen mit ihren Partnern im Süden gute Projekte machen und dass es sich im Interesse des gemeinsamen Ziels der Armutsbekämpfung lohnt, diese Arbeit zu unterstützen.

Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.