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03/2003
 

Neue Aufgaben für das InWEnt-Institut für Journalismus

Berichterstattung im Dienste der Demokratie

Von Werner Eggert

Das Internationale Institut für Journalismus von InWEnt wird seine Arbeit in Zukunft deutlich ausweiten. Die Kurse für Journalisten aus aller Welt werden neben dem handwerklichen Können in größerem Maße als bisher auch Inhalte vermitteln. Dazu wird das IIJ verstärkt das Know-how anderer InWEnt-Abteilungen nutzen. Neu sind außerdem ein Lehrgang zu Online-Medien und eine Sommerakademie für Volontäre und Berufseinsteiger.

Meinungs- und Pressefreiheit schafft Transparenz und fördert Partizipation. Damit ist sie ein wichtiges Instrument, demokratische und wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Dieser Erkenntnis wird in der jüngsten entwicklungspolitischen Diskussion wieder große Bedeutung zugemessen. Die Weltbank widmete der Rolle der Medien ein ganzes Kapitel im Weltentwicklungsbericht 2002 und veröffentlichte anschließend den Sonderbericht: „The Right to Tell“. „Pressefreiheit ist der Kern einer gerechten Entwicklung“, schreibt darin Weltbank-Präsident James Wolfensohn. Und Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sagt: „Das Recht auf freie Meinungsäußerung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt werden.“ Diese Meinung teilen auch die Fachleute im BMZ.

Meinungs- und Pressefreiheit hat jedoch funktionsfähige Massenmedien zur Voraussetzung. Das gilt auch in Entwicklungsländern. Und gut ausgebildete Journalistinnen und Journalisten sind wiederum eine Voraussetzung für funktionsfähige Massenmedien. Genau dem fühlt sich das Internationale Institut für Journalismus (IIJ) verpflichtet. Gegründet 1962, ist das Institut unter allen Trainingsstätten dieser Art in Deutschland das älteste. Das IIJ hat klein angefangen, heute ist es eine international bekannte und mit modernster Technik ausgestattete Einrichtung. Im Zentrum der Arbeit steht die Fortbildung von Zeitungs- und Agenturjournalisten: Viele tausend Teilnehmer aus Afrika, Asien und Lateinamerika, in jüngster Zeit auch aus Südosteuropa, haben die Kurse im In- und Ausland besucht. Die Absolventen und Absolventinnen bilden ein starkes Netzwerk: Viele Ehemalige haben Karriere gemacht und sind Chefredakteure geworden, andere haben eigene Zeitungen gegründet, einige sind bis in die Spitzen von Regierungen aufgestiegen.


Wachsende Nachfrage aus Asien und Afrika

Das IIJ ist Teil von InWEnt und wird überwiegend aus BMZ-Mitteln finanziert. Der wachsenden Bedeutung der Medien im Entwicklungsprozess trägt InWEnt dadurch Rechnung, dass das Institut Anfang des Jahres personell aufgestockt wurde. Damit wird die Arbeit der veränderten Medienlandschaft angepasst, erweitert und neu strukturiert. Das IIJ reagiert so auf eine gewachsene Nachfrage aus Asien und Afrika, wo die vielfältige, im Zuge der politischen Umwälzungen der neunziger Jahre entstandene Zeitungslandschaft mit zahlreichen strukturellen Problemen zu kämpfen hat.

In der Vergangenheit wurde viel Wert auf das handwerkliche Training der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gelegt. In Zukunft wird die inhaltliche Fortbildung stärker in den Vordergrund rücken. Den Journalistinnen und Journalisten in vielen Entwicklungsländern mangelt es immer noch an elementaren journalistischen Techniken: Wie schreibe ich einen verständlichen Zeitungsbericht? Wie führe ich ein interessantes Interview? Wie recherchiere ich brisante Informationen? Wie führe ich als Chefredakteur oder Chefredakteurin meine Mitarbeiter? Das IIJ wird die Nachfrage nach diesen Lehrinhalten weiter befriedigen.

Genauso wie an solchen Fähigkeiten mangelt es diesen Journalistinnen und Journalisten auch an inhaltlichem Wissen. In welchem Zusammenhang steht die Nachricht? Was sind die Hintergründe? Und welche Auswirkungen sind zu erwarten? Hier wird das IIJ sein Angebot etwa für Wirtschafts- und Umweltreporter oder sein Angebot an Kursen zur Berichterstattung über HIV/AIDS weiter ausbauen und ergänzen. Organisationen aus einigen Transformations- und Schwellenländern ist dieser Wissenstransfer so wichtig, dass sie als Selbstzahler die Leistungen des IIJ einkaufen.

Journalistinnen und Journalisten ohne Fachausbildung werden beim IIJ zwar nicht zu Ökonomen oder Biologen ausgebildet werden können; sie lernen aber, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten sinnvoll einzuordnen. Nur so werden die informierten Leser die Presse erst nehmen, und weniger gebildete Leser werden nicht in die Irre geführt. Die Fortbildung wird politischer werden und Journalisten für Ziele wie Armutsbekämpfung, Umwelt, Demokratieförderung und Friedenssicherung sensibilisieren.


Vernetzung mit anderen Institutionen

Ein Schlüsselbegriff beim IIJ lautet Vernetzung. Einmal jährlich trifft sich die Leitung des IIJ mit anderen deutschen Akteuren der entwicklungspolitischen Medienarbeit, um neueste Trends zu diskutieren. Ergänzt wird dieses sogenannte Clearing durch einen Clearing-Brief, den das IIJ seit diesem Jahr herausgibt. Bei der inhaltlichen Fortbildung wird sich die Journalistenausbildung stärker mit anderen Bereichen von InWEnt vernetzen:

Entwicklungspolitisches Forum, Gute Regierungsführung, Umwelt und Soziale Entwicklung. Dieses Know-how von InWEnt wird zukünftig in der Journalistenfortbildung nutzbar gemacht. Kurz: Bei InWEnt können Entscheidungsträger aus Entwicklungsländern lernen, wie man gute Entscheidungen trifft. Beim IIJ wiederum lernen Journalisten, wie die Presse die Bevölkerung über diese Entscheidungen informieren und gleichzeitig die Entscheidungsträger kontrollieren kann.

Zusammen mit anderen Bereichen von InWEnt will sich das IIJ auch um Medienthemen kümmern, die über die Fortbildung von Journalisten hinausgehen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel organisierte InWEnt eine viel beachtete und hochrangig mit Chefredakteuren, Managern und führenden Wissenschaftlern besetzte Diskussionsveranstaltung zum Thema „Medien, Konflikt und Terrorismus“ in Köln; im kommenden April geht es um das Thema „Medien und Demokratie“. Neben der Journalistenfortbildung gilt der Meinungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern als wichtiger Baustein einer Strategie zur Qualitätssteigerung in den Medien.

Vernetzen wird sich das IIJ auch mit Journalistenschulen in Deutschland und im europäischen Ausland. Im vergangenen Jahr gründete sich auf Initiative des IIJ ein Netzwerk verschiedener europäischer Einrichtungen, die Journalisten aus Entwicklungsländern fördern. Beteiligt sind neben dem IIJ Fortbildungseinrichtungen aus Dänemark, Großbritannien, Schweden und Spanien. Für das nächste Treffen im September haben sich zusätzlich Belgier, Franzosen, Finnen, Holländer und Norweger angekündigt. Gemeinsam will man Erfahrungen auswerten und zukünftige Programme abstimmen, um deren Effizienz zu erhöhen.

Mit deutschen Journalistenschulen ist eine enge Kooperation beim Aufbau der neuen Multimedia-Fortbildung geplant. Mit der fachlichen Erfahrung, die deutsche Online-Lehrredaktionen gesammelt haben, und der interkulturellen und entwicklungspolitischen Kompetenz des IIJ wird zurzeit ein qualitativ hochwertiges Curriculum entwickelt. Hintergrund dieser Multimedia-Fortbildung ist die durch das Internet angetriebene zunehmende Konvergenz von Print- und audiovisuellen Medien. Schlussendlich wird sie mehr bieten als eine reine Online-Fortbildung, die oftmals nur traditionelle Medien auf das Internet überträgt. Der neue Fortbildungslehrgang reagiert auf starke Nachfrage aus Entwicklungsländern, wo in großem Umfang Online-Redaktionen entstehen. Diese Nachfrage kommt nicht nur von etablierten Medien, sondern auch von Nichtregierungsorganisationen, die das neue Medium für ihre Anliegen nutzen wollen. Mit Hilfe des Internets erhalten Begriffe wie Meinungsfreiheit oder Partizipation gerade in Ländern Afrikas oder Asiens eine neue Relevanz. Einen ersten Workshop zu diesem Thema veranstaltet das IIJ Ende des Jahres im Zusammenhang mit dem UN-Gipfel zur Weltinformationsgesellschaft in Genf.


Sommerakademie für Volontäre

Im Juli feiert ein andere Innovation Premiere: die Sommerakademie. Während sich das IIJ traditionell an Journalistinnen und Journalisten mit mehrjähriger Berufserfahrung richtet, wendet es sich mit der Akademie jetzt an Volontäre und Journalistenschüler. In einem vierwöchigen Kurs lernt der journalistische Nachwuchs grundlegende Konzepte zum Berufsfeld Journalismus kennen: Was haben Macht- und Eigentumsverhältnisse in den Medien mit Pressefreiheit zu tun? Gibt es Grenzen de Pressefreiheit? Wozu brauchen wir eine journalistische Ethik? Welche Verantwortung trage ich als Journalist für faire Berichterstattung? In einem zweiten Teil geht es dann um die entwicklungspolitische Relevanz von Medien und Journalisten. Warum ist es so, dass eine freie Presse wirtschaftliche Entwicklung fördert? Wo ist der Zusammenhang? Stimmt es überhaupt, was Nobelpreisträger Stiglitz behauptet? Kann zum Beispiel Korruption durch freie Berichterstattung eingedämmt werden?

Während der Sommerakademie steht die Reflexion über solche Themen im Vordergrund. Das IIJ erhofft sich davon die nachhaltige Prägung der jungen Teilnehmer im Sinne eines verantwortlichen und kritischen Journalismus. Auch der Weltbankbericht „The Right to Tell“ betont die besondere Bedeutung von ethischen Standards im Journalismus. Zum Beispiel: So wie Medien mit einseitigen und stereotypen Berichten zu Gewalt und Krieg beitragen können, so können sie mit ausgewogenen und hintergründigen Artikeln Verständnis und Frieden schaffen. In nahezu allen Bürgerkriegen des letzten Jahrzehnts konnte man beobachten, wie sich Journalisten für die Zwecke von Kriegstreibern instrumentalisieren ließen. Die Sommerakademie soll sie gegen derartigen Druck widerstandsfähiger machen.

Die insgesamt 25 Teilnehmer kommen aus allen Kontinenten und anders als in anderen Kursen des IIJ können sich auch deutsche und andere europäische Interessenten bewerben. Voraussetzung: bevorstehender Abschluss eine Volontariats oder einer Journalistenschule oder eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Teilnehmer aus dem Norden und dem Süden zusammen bringen - im IIJ nennt man das Vernetzen.



Werner Eggert ist Projektleiter im Internationalen Institut für Journalismus.