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Analysen und Berichte


Nutzen und Schaden von grüner Gentechnik im Einzelfall abwägen

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03/2004
 

[ Nuffield Council on Bioethics ]

Nutzen und Schaden von grüner Gentechnik im Einzelfall abwägen

Für ihre Gegner ist Gentechnik in der Landwirtschaft Teufelszeug. Sie berge ungeahnte ökologische und gesundheitliche Risiken und bringe Bauern weltweit in Abhängigkeit einiger weniger Saatguthersteller. Befürworter sehen in der gentechnischen Verbesserung von Nutzpflanzen einen Weg aus der Armut und letztlich die einzige Chance, genug Nahrungsmittel für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren. Eine Studie des britischen Nuffield Council on Bioethics plädiert dafür, diese abstrakte Ebene der Debatte zu verlassen und fallweise zu prüfen, ob Gentechnik in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer von Nutzen ist.

Es sei richtig, dass weltweit genug Nahrung produziert werde und Hunger vor allem der ungerechten Verteilung von Nahrungsmitteln sowie fehlender Kaufkraft geschuldet sei. Doch müssten gleichzeitig mit der Bekämpfung des Verteilungsproblems die Möglichkeiten der Bauern verbessert werden, auf ihrem Land höhere Erträge zu erzielen, um sich und andere aus eigener Kraft zu ernähren. Wenn die Gentechnik dazu einen Beitrag leisten könne und die Abwägung mit alternativen Maßnahmen zu ihren Gunsten ausfalle, dann dürfe dieser Weg nicht versperrt werden. Der britische Nuffield Council on Bioethics wird von zwei privaten Stiftungen und dem öffentlichen Medical Research Council getragen und berät die Politik in ethischen Fragen der Biologie und der Medizin.

In acht Fallstudien fragt die Studie nach Potenzial und Risiken der grünen Gentechnik für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Schädlingsresistente Bt-Baumwolle beispielsweise habe in China und Südafrika zu teilweise deutlichen Ertragssteigerungen geführt. In der südafrikanischen Provinz KwaZulu/Natal, wo die durchschnittliche Farmgröße bei 1,7 Hektar liege, sei der Anteil der Bauern, die auf genveränderte Baumwolle umgestiegen seien, von 1999 bis 2002 von 12 Prozent auf geschätzte 95 Prozent gestiegen. Problematisch an der Bt-Baumwolle sei, dass 90 Prozent der Patente für gentechnische Veränderungen bei nur einem Unternehmen liegen – dem US-Konzern Monsanto. Zudem gebe es Hinweise, dass die Resistenz gegen Baumwollschädlinge zu einer Zunahme von anderen Schädlingen führe, die dann ihrerseits durch verstärkten Pestizideinsatz bekämpft werden müssten.

Am Beispiel herbizidresistenter Sojabohnen illustriert die Studie die Notwendigkeit einer fallweisen Abwägung von Kosten und Nutzen. Herbizidresistenz macht die Unkrautbeseitigung von Hand überflüssig. Das kann von Nachteil sein, wenn dadurch dringend benötigte Arbeitsplätze verlorengehen. Dieser Effekt kann dort jedoch wünschenswert sein, wo die Landwirtschaft wie im südlichen Afrika aufgrund von AIDS zunehmend unter Arbeitskräftemangel leidet. Die von Gentechnik-Kritikern beschworene Gefahr einer Verunreinigung nicht genveränderter Pflanzen durch Pollenflug müsse in so genannten „Diversitätszentren“ besonders ernst genommen werden, in Regionen also, in denen eine Vielzahl von Sorten einer Pflanze kultiviert werde wie in Mexiko (Mais) oder in Indien (Baumwolle).
Eine wesentliche Voraussetzung für eine entwicklungsfördernde Anwendung grüner Gentechnik sieht der Nuffield Council in einer effektiven Kontrolle und Regulierung. Nutzen und Risiken müssten vor der Einführung genveränderter Nutzpflanzen sorgfältig geprüft werden. Nach der Genehmigung müsse gewährleistet sein, dass Bauern Saatgut zu fairen Preisen erwerben können und Zugang zu Beratung haben. Freilich mangele es in den meisten Entwicklungsländern an staatlichen Institutionen, die das leisten können, stellt die Studie fest. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit müsse beim Aufbau entsprechender Stellen helfen. Den Entwicklungsländern rät die Studie, stärker auf regionaler Ebene zu kooperieren, zum Beispiel Ergebnisse von Umweltverträglichkeitsprüfungen auszutauschen. An die Unternehmen der Biotechnologiebranche, die in Entwicklungsländern aktiv sind, appelliert der Nuffield Council, Kleinbauern in die Pflanzenzüchtung einzubeziehen, um ihre Bedürfnisse und Präferenzen berücksichtigen zu können. (ell)





Die Studie steht im Internet: www.nuffieldbioethics.org/gmcrops/latestnews.asp