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 03/2004
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[ Aquakultur ]
Erfahrungen der Partnerländer nutzen
Alljährlich reitet zum vietnamesischen Neujahrsfest der Schutzgeist Tao Quan auf einem Karpfen zum Himmel. Karpfen spielen in der Tradition vieler südostasiatischer Länder eine bedeutende Rolle. Seit Jahrtausenden werden sie hier gezüchtet, allein in China hält man Millionen in angelegten Teichen. Mittlerweile stammt fast ein Drittel der Fische und Meeresfrüchte, die weltweit verzehrt werden, aus Aquakulturanlagen. In vielen Entwicklungsländern stellen sie eine wichtige Quelle für Devisen dar, bieten viele Arbeitsplätze und tragen maßgeblich zur Versorgung mit Proteinen bei. Die Produktionssysteme reichen vom kleinen Familienbetrieb mit einem Teich auf dem Hinterhof bis hin zu großen Zuchtanlagen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit leistet einen nicht unerheblichen Beitrag zum Aufbau und Betrieb von Aquakulturanlagen in den Partnerländern. Nicht immer jedoch führen die Projekte zum gewünschten Erfolg. Auf einem Workshop des Zentrums für Marine Tropenökologie und der GTZ am 20. Januar in Bremen zogen die Teilnehmer Bilanz und diskutierten aussichtsreiche Ansätze für Aquakulturvorhaben.
Die Branche kämpft insbesondere in Asien mit ökologischen Problemen. In den Küstenbereichen verdrängen große Aquakulturanlagen die artenreichen Mangroven. Aus offenen Netzgehegen gelangen Krankheitserreger ins freie Wasser und gefährden Wildformen oder benachbarte Anlagen. Aus diesem Grund brach in den vergangenen Jahren in Südostasien fast die gesamte Shrimpsindustrie zusammen. Um die Produktivität zu erhöhen, wird in den Anlagen meist von außen zugefüttert eine durch Entwicklungsprojekte geförderte Praxis. Vor allem Binnengewässer werden dadurch häufig überstrapaziert.
Im Blickpunkt des Workshops standen Ansätze, die sowohl die soziokulturellen als auch die ökologischen Bedingungen der Partnerländer berücksichtigen. Die Aufzucht bis zur Marktgröße vollständig auf moderne Kreislauftechnologie umzustellen ist aus ökonomischen Gründen schwierig. Solche Anlagen sind groß und sehr teuer, erfordern hoch spezialisiertes Personal und bieten den herkömmlichen Fischbauern kaum Arbeit. Sinnvoller sind kleinere technische Anlagen für die Aufzucht von Jungfischen, die dann an die Fischbauern abgegeben werden. Auch in anderer Hinsicht muss lokale Expertise in der Aquakultur stärker genutzt werden. So haben sich in vielen Entwicklungsländern Polykulturen über Jahrhunderte bewährt, bei denen Fische mit anderen Kulturformen einen natürlichen Nahrungskreislauf bilden.
Susanne Eickhoff
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