Beiträge aus der Rubrik
Fakten + Tendenzen


Afrikanische Kirchen tun sich mit AIDS-Prävention schwer

Somalias Hoffnung auf Frieden

BMZ: An Dynamik in Afrika anknüpfen

Internationale Entwicklungshilfe steigt

„Der Gebrauchtgüterhandel muss Regeln haben“

Austrian Development Agency gegründet

Fachgespräch: Armutsbekämpfung forcieren

Fortbildung für Evaluatoren

40. Ausbildungskurs des DIE


03/2004
 

[ Evangelische Entwicklungskonferenz ]

Afrikanische Kirchen tun sich mit AIDS-Prävention schwer

Mutava Musyimi, der Generalsekretär des nationalen Kirchenrates in Kenia, räumt in Sachen AIDS Versäumnisse ein. Die afrikanischen Kirchen hätten sich dieser Herausforderung noch nicht genügend gestellt, obwohl sie durchaus den Druck von Schwesterorganisationen, etwa aus Deutschland, spürten. Geld aus den Geberländern könne das Problem nicht lösen, die Afrikaner müssten ihre eigenen Wege finden, die Krise zu meistern, „die allein unsere Krise ist“. Das gelte, so Musyimi, für Kenia ebenso wie für andere afrikanische Länder.

Was geschehen soll, bleibt vage. Die Kirchen müssten sich gegen die Stigmatisierung von Patienten einsetzen, war Musyimis einzige konkrete Aussage zur künftigen AIDS-Strategie, als er am 28. Januar in Haus Villigst als Gastredner bei der 2. Entwicklungspolitischen Konferenz der evangelischen Kirche und ihrer Werke auftrat. Musyimi verband die Immunschwäche nicht mit Themen wie Familienplanung oder Geschlechtergleichstellung. Freundlich lächelnd merkte er nur an, auch in Deutschland entspreche das Verhältnis von Mann und Frau wohl nicht immer der offiziell beteuerten Gleichberechtigung – das verrate ihm die Spannung im Plenum, wenn es um Genderthemen gehe.

Viele christliche Organisationen tun sich im Umgang mit Fragen der Familien- und Sexualmoral schwer. Für afrikanische Kirchen mit ihrer Missionstradition gilt das erst recht. Es komme aber, befand eine Arbeitsgruppe am zweiten Konferenztag, in Sachen AIDS auf „Machtfragen“ bis „in die Sexualethik hinein“ an. Appelle zur Kurskorrektur sollten künftig an die Gemeindebasis in Afrika und nicht nur an die Bischöfe gerichtet werden.
Das Beispiel Kenia belegt dabei aus Sicht von Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst, dass die Kirchen eine solide Grundlage bieten, um zivilgesellschaftlichen Einfluss zu nehmen. So hat etwa der kenianische Kirchenrat eine Schlüsselrolle dabei gespielt, die korrupte Misswirtschaft des früheren Präsidenten Daniel arap Moi zu beenden. Vertreter der evangelischen Kirche in Deutschland setzen denn auch auf NEPAD, die multilateral angelegte New Partnership for African Development. Zwar sei dies bislang noch ein „elitäres Konzept“. Durch Aufklärung und Capacity Building könne es aber für den Aufbau von gerechten Regierungsstrukturen genutzt werden.

Wesentliche Aufgaben sehen die evangelischen Entwicklungspolitiker für sich auch als Moderatoren bei der friedlichen Lösung gewaltsamer Konflikte oder in der Katastrophenhilfe. Der jährliche Gedankenaustausch der Kirchen und Werke soll 2005 auf der nächsten Entwicklungspolitischen Konferenz fortgesetzt werden. (dem)