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Neues von InWent


Erste Erfolge bei der Qualifizierung

Der Weg zur arabischen Wissensgesellschaft


03/2004
 

[ Fortbildung von Beratern für Kleinunternehmen ]

Erste Erfolge bei der Qualifizierung

[ Von Bernhard Adam und Katharina Graf ] Die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in den Ländern des südlichen Afrika ist für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region von herausragender Bedeutung. Trotz ihres hohen Stellenwertes für effektive und nachhaltige Strategien zur Bekämpfung der Armut wird die Entwicklung von KMU in der Praxis durch zahlreiche interne und externe Faktoren erschwert.

Förderinstitutionen wie Industrie und Handelskammern, die Dienstleistungen für kleine und mittlere Betriebe anbieten, verfügen meist nicht über die geeigneten Instrumente und lassen in vielen Fällen eine Marktorientierung vermissen.

Die Firmen selbst wiederum können auf ein qualifiziertes Dienstleistungsangebot nicht zugreifen und entwickeln dementsprechend auch keine signifikante Nachfrage. Auf der anderen Seite hat die Diskussion um „best practices“ in den vergangenen Jahren die Bedeutung von markt- bzw. nachfrageorientierten Dienstleistungen für die KMU-Förderung in den Vordergrund gestellt.

Angesichts eines sich grundsätzlich verändernden Verhaltens der Geberorganisationen und der öffentlichen Hand soll die Entwicklung in Dienstleistungsorganisationen mit dem Streben nach Kostendeckung und finanziell-organisatorischer Unabhängigkeit gefördert werden.

InWEnt will durch entsprechend hochwertige Leistungen eine Nachfrage zu Marktpreisen zu befriedigen versuchen. Dieser Strategie gehört nach Ansicht von Experten mittelfristig die Zukunft. Jedoch kann die Nachhaltigkeit solcher Institutionen nur mit attraktiven Produkten und effizienten, unternehmensähnlichen Organisationsformen verwirklicht werden.
Trainingskonzept PROCESS

Seit 1993 entwickelt InWEnt (früher Carl Duisberg Gesellschaft) im südlichen Afrika unter dem Namen PROCESS („Promotion of Consultancy of Entrepreneurs in Southern African States“) ein Set von Trainingsmaßnahmen, das auf die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in KMU-Förderorganisationen ausgerichtet ist. Die Seminare von PROCESS vermitteln ein breites Grundlagenwissen im Bereich der Unternehmensberatung speziell für KMU.

Sie behandeln in einem ersten theoretischen Teil operative und strategische Analyseinstrumente ebenso wie typische Probleme der Unternehmensberatung. Im zweiten, praktisch ausgerichteten Kursteil beraten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reale Firmen. Alle Beratungsschritte führen sie eigenständig durch. Abschließend arbeiten sie einen Bericht und Handlungsvorschläge aus.

Beides wird den Führungskräften des Unternehmens professionell präsentiert. Neben den vergleichsweise anspruchsvollen fachlichen Inhalten sind es vor allem die kompetenz- und handlungsorientierte Methode der Wissensvermittlung sowie die Arbeit mit real existierenden Unternehmen während der Trainingskurse, die den Kurs für die Teilnehmer attraktiv machen.


PROCESS in Mosambik

Die Professionalisierung von KMU-Beratern in Mosambik gestaltet sich – auch im Vergleich zu den Nachbarstaaten, die der „Southern African Development Community“ (SADC) angehören – besonders schwierig. Viele mosambikanische Privatbetriebe bestehen aufgrund der politischen Situation der Vergangenheit seit maximal zehn Jahren. Der KMU-Sektor ist daher nur schwach ausgebildet. Hinzu kommt, dass die meisten Unternehmensberater, die Dienstleistungen für KMU anbieten könnten, eher für internationale Finanzierungsinstitutionen arbeiten, da sich in diesem Bereich höhere Einnahmen erzielen lassen. Die eigentliche Zielgruppe von PROCESS – Mitarbeiter von KMU-Förderinstitutionen – ist daher nur sehr schwach vorhanden.

Mehrere Ereignisse der jüngeren Vergangenheit unterstützen die Entwicklung des KMU-Sektors und der dazugehörigen Beratungsleistungen. Ein wesentlicher Faktor ist die seit dem Jahr 2000 Aluminium produzierende Fabrik MOZAL. Sie ist derzeit das größte Projekt eines ausländischen Investors im Land. Seit Beginn der Produktion versucht MOZAL weitgehend mit lokalen Zulieferfirmen zu arbeiten. Das konfrontiert das Unternehmen immer wieder mit den relativ niedrigen Qualitätsstandards der mosambikanischen Firmen.

Um die Zusammenarbeit zwischen MOZAL und lokalen Firmen zu verbessern, hat die Weltbank das „MOZAL Linkage Program“ gestartet. Es soll die örtlichen KMU auf die Anforderungen internationaler Standards vorbereiten. Ziel ist es, die Unterstützung der lokalen Unternehmen mittelfristig auch von lokalen Beratern durchführen zu lassen. Experten erhoffen sich davon eine größere Nachhaltigkeit.

Bei der KMU-Förderung decken sich die Ziele von InWEnt und die entwicklungspolitischen Interessen der Weltbank weitgehend. Die beiden Institutionen haben deshalb eine konkrete Zusammenarbeit von InWEnt mit der Weltbank-Tochter „International Finance Corporation“ (IFC) und dessen afrikanischem KMU-Förderprogramm APDF („African Development Programme Facility“) beschlossen.

Das vereinbarte Kooperationsprojekt umfasst die Durchführung eines PROCESS-Programms zur Stärkung des KMU-Sektors. Das Programm bietet die Möglichkeit, mit vereinten Kräften KMU-Berater auszubilden und so einen substantiellen Beitrag zur Unterstützung der lokalen KMU zu leisten. Die Anreize für KMU-Berater sind gegeben: Die Nachfrage nach Beratungsleistungen für KMU ist zumindest durch die Firmen gesichert, die die Anforderungen der Zusammenarbeit mit MOZAL erfüllen wollen.

Seit Juli 2003 wird gemeinsam durch IFC/ APDF und die deutsche Regierung das Projekt PROCESS in Mosambik finanziert. In Erweiterung von PROCESS-Aktivitäten, wie sie InWEnt in den benachbarten SADC-Staaten durchführt, ist in dem Trainingsprogramm in Mosambik die Betreuung der KMU-Berater nach den Seminaren integraler Bestandteil des Kurses. InWEnt richtet dazu einen „Helpdesk“ ein, der Anlaufstelle für lokale Berater ist. Weiterer Schwerpunkt der Arbeit: Die Stärkung des Marktes für KMU-Beratung. Sie soll die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen erhöhen.


Privatuniversität und PricewaterhouseCoopers als Partner

Projektpartner in Mosambik sind zwei private Universitäten, das „Instituto Superior de Ciências e Tecnologia de Moçambique” (ISCTEM) in Maputo und die „Universidade Católica de Moçambique” (UCM) in Beira, sowie die lokale Niederlassung von PricewaterhouseCoopers. Die schwierige Ausgangssituation in Mosambik machte es erforderlich, starke Partner für PROCESS zu finden, die durch ihren Bekanntheitsgrad und ihre Reputation das Vertrauen der Unternehmer und der Berater genießen.

In der jetzigen Konstellation sind die Universitäten (in zwei verschiedenen Städten) für die Trainingskurse zuständig; PricewaterhouseCoopers betreut den Helpdesk und stellt Räumlichkeiten für das Projektbüro zur Verfügung. Das langfristige Interesse der Partner zielt auf die Fortsetzung der Trainingsaktivitäten auch nach dem Ende der Projektlaufzeit und sichert somit die Nachhaltigkeit der Maßnahmen.

Die Erfahrung der ersten Monate mit PROCESS in Mosambik zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Weltbankgruppe und InWEnt einerseits sowie die Arbeit mit den Partneruniversitäten und PricewaterhouseCoopers andererseits, eine vielversprechende Basis für Projektaktivitäten bilden. Obwohl die Situation für Klein- und mittelständische Unternehmen und dem zugehörigen Beratungssektor schwierig ist, sind Unternehmer und Berater interessiert an den Trainingskursen und offen für Diskussionen über KMU-Beratung generell.

Auch wenn abzuwarten bleibt, wie sehr der Markt für KMU-Beratung in Zukunft wachsen wird, erste Erfolge lassen sich bereits erkennen. So meldete ein PROCESS-Trainingsteilnehmer enthusiastisch: „As a direct result of our workshop I landed myself some consultancy work with our ,dummy course client‘. Right now a signed contract lies on my desk, and I begin working on one of the recommendations we made them in just a few weeks’ time. Already, they have indicated to me that after this project, they would want me to move on to the other recommendations. Thanks for your expert tutorship and guidance, things are happening!“







Katharina Graf
ist Projektkoordinatorin in Mosambik
für GFA-Management GmbH,
process@virconn.com

Bernhard Adam
ist Projektleiter in der Abteilung „Zukunftsfähige Marktwirtschaft“ von InWEnt,
bernhard.adam@inwent.org