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Schuldenmoratorium für Tsunami-Länder


03/2005
 

[ Tsunami ]

Schuldenmoratorium:
Zurückhaltung nicht angebracht

Der Pariser Club, der Zusammenschluss der wichtigsten Gläubigerländer, hat den vom Tsunami geschädigten Ländern unbürokratische Hilfe angeboten. Die Katastrophenländer können eine Stundung ihrer Schuldendienstleistungen erhalten. Das Moratorium würde so lange aufrechterhalten, bis klar ist, wie viel Geld die Länder für den Wiederaufbau brauchen. Das würde ihnen eine wichtige Atempause verschaffen, um die Flutschäden zu beheben. Die Länder in der Katastrophenregion aber lehnen ab oder verhalten sich zögerlich. Warum?

Die Verschuldung beim Pariser Club ist unterschiedlich hoch. Für Sri Lanka spielen die öffentlichen Gläubiger eine wichtige Rolle. Bei Privaten ist das Land hingegen kaum verschuldet. Auch ein Drittel der Verbindlichkeiten Indonesiens entfallen auf den Pariser Club. Diesen beiden Ländern würde das Moratorium wichtigen Spielraum verschaffen. In Thailand hingegen sind ausländische Banken mit Abstand die wichtigsten Gläubiger. Auch in Indien entfällt nur ein geringer Teil – weniger als ein Fünftel – der ohnehin niedrigen Auslandsverschuldung auf den Pariser Club. Dennoch: Schaden würde das Moratorium auch Bangkok und Delhi nicht.

Oder doch? Als Hauptgrund für ihre zögerliche Haltung nennen die betroffenen Länder die Sorge, das Schuldenmoratorium könnte die Anleger auf den internationalen Finanzmärkten verunsichern. Die Schuldnerländer könnten ihren guten Ruf verlieren und ihre Kreditwürdigkeit gefährden. Kreditgeber könnten höhere Zinsen verlangen, im schlimmsten Fall verlöre ein Krisenland den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten.

Das Herdenverhalten auf den internationalen Finanzmärkten macht derartige Szenarien durchaus möglich. Vor allem Indonesien und Thailand haben schlechte Erfahrungen gemacht. Im Verlauf der asiatischen Finanzkrise 1997/98 verlor die indonesische Rupiah gegenüber dem US-Dollar fast 80 Prozent, der thailändische Baht mehr als 50 Prozent. Beide Länder mussten eine Herabstufung ihres Kredit-Ratings bei verschiedenen Agenturen hinnehmen.

Dennoch sind die Befürchtungen der Tsunami-Opfer überzogen. Die Erfahrungen, die andere Länder mit Schuldenmoratorien gemacht haben, zeigen, dass Anleger sich so leicht nicht abschrecken lassen. Russland zum Beispiel stellte 1998 sogar ohne Zustimmung der Gläubiger für drei Monate den Schuldendienst ein und bekam dennoch relativ schnell wieder Zugang zu den internationalen Finanzmärkten – dank guter wirtschaftlicher Daten. Kurzfristig schädigte das Moratorium sicherlich das Vertrauen der Anleger, aber mittelfristig überzeugte sie die gute ökonomische Bilanz Russlands mit Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent seit 1999. Auch der Internationale Währungsfonds zeigt in einer Studie vom November 2004, dass Schuldenerleichterungen allein den Marktzugang nicht behindern.

Es spricht einiges dafür, dass die internationalen Finanzmärkte auch die von der Flutkastrophe betroffenen Länder nicht für ein derartiges Moratorium bestrafen würden. Laut der Entschuldungskampagne erlassjahr.de hält die Ratingagentur Standard & Poor’s eine Zinserhöhung infolge eines Moratoriums für unwahrscheinlich. Die Anleger orientieren sich vor allem an der ökonomischen Lage, der Wirtschaftspolitik und der Verschuldung eines Landes. Und mit Blick auf diese Kriterien schneiden alle Katastrophenländer vergleichsweise gut ab.

Ein anderes Problem ist, dass ein Moratorium die Belastung nur aufschiebt, nicht aber aufhebt. Der indonesische Außenminister Noer Hassan Wirajuda plädiert deshalb für einen Schuldentausch: Indonesische Ausgaben für den Wiederaufbau, insbesondere für armutsreduzierende Maßnahmen, sollten auf die Auslandsschulden angerechnet werden. Dadurch wäre sichergestellt, dass die zusätzlichen Mittel sinnvoll verwendet werden. Die betroffenen Länder würden zudem wirklich entlastet und nicht nur für kurze Zeit verschont. Freilich kommt dieser Vorschlag einem Schuldenerlass nahe – und wird deshalb wohl kaum verwirklicht werden.

Kathrin Berensmann