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03/2005
 

[ Finanzsektor ]

Wachstumsmotor Mikrokredit

Neun von zehn Mikrofinanzeinrichtungen weltweit arbeiten nicht kommerziell, sondern werden öffentlich subventioniert. Für Helen Alexander, die Geschäftsführerin der ProCredit AG, steht damit auch die Nachhaltigkeit der von diesen Institutionen finanzierten Investitionen in Frage. Denn entwicklungspolitischer Erfolg setze kommerziellen Erfolg voraus: Nur wirtschaftlich erfolgreiche Kunden könnten Arbeitsplätze für andere schaffen. ProCredit, ein Netzwerk von derzeit 18 gewinnorientiert arbeitenden Mikrokreditbanken vor allem in Osteuropa und Lateinamerika, konzentriere sich deshalb nicht auf Frauen oder besondere soziale Gruppen, sagte Alexander auf einem von der KfW Entwicklungsbank organisierten Fachgespräch Ende Januar in Berlin. Die Zielgruppe von ProCredit seien ganz allgemein unternehmerisch talentierte Menschen. Die KfW ist einer der Anteilseigner von ProCredit.

Auch Eva Terberger von der Universität Heidelberg vertrat die Ansicht, Kleinkredite seien keine soziale Maßnahme, sondern müssten Wachstum bewirken. Längerfristig müssten Mikrofinanzinstitutionen in Entwicklungsländern in einer stabilen Struktur sich selbst tragender Banken aufgehen. Die Politik muss dafür die geeigneten Rahmenbedingungen setzen. Wo es keinen rechtlichen Rahmen gebe, der Sparen begünstige, könne auch keine Kreditkultur entstehen, sagte Sylvia Wisniwski von der Bankakademie. Und wo es keine Kredite gebe, gewöhnten sich die Menschen an Subventionen – soweit sie Zugang zu ihnen haben.

In Aserbaidschan zum Beispiel werde fast alles bar bezahlt, weil es kein Vertrauen in Banken gibt, berichtete Thomas Engelhardt, Manager der Micro-Finance Bank in der Hauptstadt Baku. Das Land hat acht Millionen Einwohner, aber nur einen eine Milliarde Euro schweren Finanzsektor – soviel setzen die Banken allein in einer deutschen Kleinstadt um. Engelhardt betonte die Vorbildrolle für seine unter anderem von Weltbank und KfW getragene Bank: Beim ersten Kredit fragten die Empfänger oft noch, an wen sie das Bestechungsgeld dafür zahlen sollen. Heimische Banken könnten von seiner Bank lernen, wie man die Kreditwürdigkeit von persönlich nicht bekannten Kunden prüft.

Gerd van Maanen von der kirchlichen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit verteidigte den karitativen Ansatz seiner Einrichtung. Bei Oikocredit erwerben die Genossenschaftsmitglieder aus den reichen Ländern Anteile, aus denen Kleinkredite in Entwicklungsländern finanziert werden. Weil Oikocredit nicht gewinnorientiert arbeitet, erhalten die Mitglieder maximal zwei Prozent Dividende auf ihre Anteile. Helen Alexander von ProCredit gab zu bedenken, langfristig sei der kommerzielle Ansatz effizienter.

Sabine Grund