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Bildungshaushalte verantwortlich managen


03/2005
 

[ Neuer InWEnt-Schwerpunkt ]

Bildungshaushalte verantwortlich managen

[ Von Christoph Hansert ]

Eine verbesserte Kompetenz der Manager und Fachkräfte der mittleren Ebene und die Einführung intelligenter Kontrollmechnismen sind zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Dezentralisierung im Bildungsbereich. Das ist das Ergebnis einer Tagung, die Weltbank und Research Triangle Institute (RTI) Mitte Januar in Washington durchführten. InWEnt sieht sich durch die Ergebnisse der Konferenz daher bestärkt, sein innovatives Fortbildungs- und Dialogangebot an der Schnittstelle von Bildung, Haushaltsmanagement und Dezentralisierung weiter auszubauen.

Aufgrund der „Fast Track Initiative“ der Weltbank und der wichtigsten internationalen Geber zur Durchsetzung des Menschenrechts auf Grundbildung für alle („Education for All“) nimmt der Anteil der direkten Unterstützung für die Bildungshaushalte in den Entwicklungsländern im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gegenwärtig zu. Größte Herausforderung dabei ist es, sicherzustellen, dass die zusätzlichen Mittel auch tatsächlich zu einem umfangreicheren und besseren Bildungsangebot führen. Das soll durch kontinuierliches Monitoring seitens der Geber erfolgen. Gleichzeitig wollen die Geber Einflussmöglichkeiten der Nutzer – Eltern und Schüler – erhöhen. Dazu müssen die Entscheidungsmöglichkeiten näher zu ihnen verlagert werden.

Die Übertragung der Bildungshaushalte auf Provinzen und Schulen erscheint auf den ersten Blick als geeigneter Mechanismus, um Kompetenz und Verantwortlichkeit der zuständigen Experten und Verwaltungsfachleute vor Ort zu stärken. Unter welchen Bedingungen dies zu einem besseren Bildungsangebot führt, war die zentrale Frage der Konferenz „Bildungsfinanzierung und Dezentralisierung“ in Washington, D.C.

Neue empirische Studien zeigen, dass die Verlagerung von Haushaltsverantwortung auf die mittleren Ebenen zu Fehlinvestitionen und weiterer Bürokratie führen kann. In einigen Ländern brachte die direkte Zuweisung von Mitteln an die Schulen nach einer einfachen Verteilungsformel mit verhältnismäßig großem Entscheidungsspielraum für die Schulleiter bessere Ergebnisse. Die Zentralregierung hat oft das Problem, eine solche Formel gerecht für das ganze Land mit seinen regionalen Besonderheiten festzulegen. Vorgestellt und diskutiert wurden unter anderem die Beispiele China, Chile, Rumänien und Vereinigte Staaten.

Beispiele aus weiteren Ländern zeigten auf, dass die Dezentralisierung von Bildungsetats besonders dort zu Erfolgen führt, wo gleichzeitig die „Accountability“ der mittleren Ebene gestärkt wird. In Uganda wurden so mit einer Pressekampagne Eltern und Schulleiter über Mittelzuweisungen an die Distrikte informiert. Indonesien richtete eine unabhängige Kontrollgruppe im Bildungsministerium zum Monitoring des Mittelflusses durch die dezentralen Einheiten ein. Im brasilianischen Bundesstaat Paraná wurden Eltern und ihre gewählten Vertreter systematisch in die Messung der Schulqualität (durch School Reporting Cards) und in die Entscheidungsfindung auf bundesstaatlicher Ebene einbezogen.

Einig waren sich die Tagungsteilnehmer, dass die jeweils nationalen Entscheidungsträger unterschiedliche Dezentralisierungsmodelle und ihre finanziellen Auswirkungen rechtzeitig systematisch kennen lernen sollten. Dezentralisierung im Bildungssektor sollte erst dann erfolgen, wenn ein grundlegender Konsens der wichtigsten Interessengruppen über die budgetären Konsequenzen zustande gekommen ist.

InWEnt hat mit einer Gruppe internationaler Partner, unter anderen dem Fortbildungsinstitut der Weltbank (WBI), eine Zusammenarbeit zur Förderung des Managements von Bildungshaushalten vereinbart. Ein erster mehrteiliger Kurs für hochrangige Führungskräfte des südlichen Afrika findet gegenwärtig statt. Vertreter von Bildungsministerien lernen gemeinsam mit ihren Kollegen aus Finanzministerien und Distriktmanagern. Nationale Programme sind für Mosambik und Malawi geplant. Um eine „EZ aus einem Guss“ zu erreichen, ist die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der KfW Entwicklungspolitik (KfW) besonders eng. Die Konzeptentwicklung erfolgt in Abstimmung mit dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Die Trainingskurse werden gemeinsam mit dem Internationalen Institut für Bildungsplanung der UNESCO (IIEP), der Arbeitsgruppe für Finanzen und Bildung der Vereinigung für Bildung und Entwicklung in Afrika (ADEA-WGFE) und der Witwatersrand-Universität in Johannesburg (Südafrika) durchgeführt. Fachpartner in Deutschland ist das hessische Kultusministerium. Mit dem WBI sind gemeinsame internationale Policy-Veranstaltungen geplant.




Christoph Hansert
ist Projektleiter bei InWEnt in der Abteilung Bildung.
christoph.hansert@inwent.org




Informationen zur Weltbank-Konferenz:
https://register.rti.org/EducationFinance/index.cfm

Informationen zum InWEnt-Schwerpunkt:
http://www.inwent.org/themen_reg/themen/soz_entw/bildungssek/index.de.shtml