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UNDP: Optionen für effiziente globale Politik

Hungerkrisen: Afrikas vernachlässigte Bauern

Zusammenstöße in Zivilisationen


03/2006
 

Kommentar

Afrikas vernachlässigte Bauern

Von Niger über Mosambik und Malawi nach Kenia und Somalia – die Nachrichten über Hungersnöte in Afrika reißen nicht ab. Dürren, schlechte Ernten und Bevölkerungsdruck sind die üblichen Erklärungen. Aber diese Faktoren verstärken nur eine tiefer liegende Krise der afrikanischen Landwirtschaft, die in der falschen Agrarpolitik der afrikanischen Regierungen und der Geberländer wurzelt.


[ Von Göran Djurfeldt, Hans Holmén und Magnus Jirström ]

Und wieder wird Afrika von einer Dürre heimgesucht. Das Bild vom Skelett einer toten Kuh im nördlichen Kenia dient den internationalen Medien dazu, die Agrarkrise in Subsahara-Afrika zu veranschaulichen. Um die tiefer gehenden Ursachen zu verstehen, müssen wir jedoch über die Wetterzyklen hinausblicken. In unserem Buch „African Food Crisis: Lessons from the Asian Green Revolution“ argumentieren wir, dass die afrikanische Landwirtschaft in einer tiefen ökonomischen und politischen Krise steckt, die nicht vorrangig klimatische, ökologische oder demografische Ursachen hat.

Afrika hat sein Potenzial für extensives landwirtschaftliches Wachstum in den letzten zwei Generationen weitgehend erschöpft. Es gibt kaum noch unerschlossenes kultivierbares Land; die Übernutzung des vorhandenen Kulturlandes ist die Folge. Die afrikanischen Bauern hatten jedoch zu keiner Zeit die Ressourcen, ihre Anbaumethoden den neuen Umständen anzupassen – mit dem Ergebnis, dass den Böden die Nährstoffe entzogen werden und die Erträge sinken.

Im Vergleich zu Asien wird deutlich, dass die afrikanischen Bauern von ihren eigenen Regierungen im Stich gelassen wurden – und indirekt auch von den Gebern der OECD-Länder. Die Grüne Revolution in Asien war ein staatlich gesteuertes Projekt, um Hungersnöte zu verhindern und die Abhängigkeit von Importen und Nahrungsmittelhilfe zu verringern. Das ist auch gelungen

Doch anders als die Reformen in den sozialistischen Ländern und China vor 1978 war die Grüne Revolution auch marktorientiert. Und im Gegensatz zur Behauptung vieler Kritiker gründete sie auf Kleinbauern. Der asiatische Reisanbau wurde und wird von Kleinbauern und Familienbetrieben dominiert.

In Subsahara-Afrika gibt es keine solche staatlich gesteuerte und zugleich marktorientierte landwirtschaftliche Entwicklung, die sich auf Kleinbauern stützt. Die meisten afrikanischen Regierungen haben es aufgegeben, die Landwirtschaft zu größerer Unabhängigkeit in der Nahrungsmittelproduktion zu führen. Nigeria und teilweise Äthiopien sind interessante aktuelle Ausnahmen.

Die Geber, angeführt von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, haben den afrikanischen Regierungen Reformen aufgedrückt, die nicht einmal nationale Märkte hervorgebracht haben, nicht zuletzt weil es an Investitionen in die Infrastruktur mangelte. Die Märkte sind höchst unbeständig und haben meistens nur lokale Reichweite. Die meisten Bauern, die Grundnahrungsmittel anbauen, sind nur schwach in Märkte eingebunden.

Natürlich kontrollieren Regierungen nicht das Wetter. Aber die Vernachlässigung der Kleinbauern über Jahrzehnte führt nun zur bitteren Ernte einer unzureichenden einheimischen Produktion, nur schwach wachsender Erträge und einer zunehmenden Abhängigkeit von Importen und Nahrungsmittelhilfe. Die landwirtschaftliche Krise verstärkt zudem die generelle Krise der afrikanischen Wirtschaft. Und wahrscheinlich befeuert sie auch die schwelenden oder schon flammenden Konflikte auf dem Kontinent.

Afrika kann aufgrund unterschiedlicher agrar-ökologischer Bedingungen die asiatische Grüne Revolution nicht eins zu eins übernehmen. Aber der Kontinent hat das Potenzial für eine größere Unabhängigkeit bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Während die asiatischen Regierungen durch geopolitische Bedingungen ermutigt wurden, am Ziel der Eigenversorgung festzuhalten, ist es für afrikanische Regierungen heute leider bequemer, es gar nicht erst zu versuchen. Aus ihrer Sicht ist es viel leichter, Grundnahrungsmittel auf dem Weltmarkt einzukaufen, der mit subventionierten Billiggütern aus den OECD-Ländern überschwemmt ist, als die eigenen Bauern zu befähigen, ihre Arbeit zu machen.



Göran Djurfeldt
ist Professor an der Fakultät für Soziologie der Universität Lund.
Goran.Djurfeldt@soc.lu.se

Hans Holmén
ist außerordentlicher Professor an der Fakultät für Geografie der Universität Linköping.
Hanho@tema.liu.se

Magnus Jirström
ist Dozent an der Fakultät für Soziale und Ökonomische Geografie der Universität Lund.
Magnus.Jirstrom@msm.lu.se