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Kolumbien: Frieden kann man lernen

Frühwarnsysteme: Technik allein nutzt wenig

III. Frühwarnkonferenz: Vom Konzept zum Handel


03/2006
 

[ Frühwarnsysteme ]

Ohne Organisation nutzt die beste Technik nichts

Vom 27. bis 29. März treffen sich mehr als 400 Experten aus aller Welt in Bonn zur Dritten Internationalen Frühwarnkonferenz (EWC III). Viele Naturkatastrophen zeichnen sich heute bereits im Voraus ab. Satelliten und Messstationen liefern rund um den Globus ständig Hinweise auf drohende Gefahren. Unzureichende Strukturen verhindern aber oft, dass gefährdete Menschen rechtzeitig gewarnt werden.


[ Von Dirk Asendorpf und Christina Kamlage ]

Weltweit nehmen die Schäden bei Naturkatastrophen zu. Noch nie mussten Versicherungen so viel auszahlen wie 2005. Bei den Opfern geht die Kluft zwischen armen und reichen Ländern stetig auseinander. Sterben in einem Industrieland bei einer Katastrophe im Schnitt 22 Menschen, sind es in Entwicklungsländern 1052. Unnötigerweise. „Technisch ist inzwischen vieles möglich“, sagt der Geoinformatiker Peter Zeil von der Universität Salzburg. Er ist in mehreren Entwicklungsländern am Aufbau von Frühwarnsystemen beteiligt. „Häufig hapert es bei der Weitergabe und Umsetzung der Informationen.“ Nicht technische, sondern Planungs- und Strukturprobleme stehen wirkungsvollen Frühwarnsystemen im Weg. Die Capacity Building Programme von InWEnt setzen hier an.
Viele Naturereignisse werden zur Katastrophe, weil die Menschen vor Ort nicht ausreichend vorbereitet sind. Orkanböen verursachen in einem Villenviertel kaum Schäden, eine Barackensiedlung können sie komplett zerstören. Und eine Dürre kann sich leicht zur Katastrophe auswachsen, wo die Landwirtschaft bereits durch Krieg schwer geschädigt ist. Experten unterscheiden vier Elemente eines effektiven Frühwarnsystems.

Unentbehrliche Grundlage sind detaillierte Kenntnisse der möglichen Gefahren in der jeweiligen Region: Wie hoch stieg die Jahrhundertflut? An welchen Hängen drohen Erdrutsche? Geoinformationssysteme erfassen solche Daten und ermöglichen die Auswertung. Der zweite Schritt besteht im Aufbau geeigneter Überwachungssysteme. Das können einfache Pegel ebenso sein, aber auch komplexe seismologische Sensoren. Wichtig ist, dass sie nicht nur die richtigen Parameter messen, sondern schnell und rechtzeitig vor Gefahren warnen. Die Folgen eines Erdbebens etwa lassen sich mindern, wenn sofort Gas- und Strom abgeschaltet werden. „Frühwarnung sollte wie eine Ampel funktionieren, die von Grün auf Gelb schaltet“, sagt Zeil.

Der dritte Aspekt ist die Vorbereitung. Gelangt die Warnung an die zuständigen Stellen und die betroffenen Menschen? Wissen sie, was zu tun ist? Eine voreilig angeordnete Evakuierung kann größeren Schaden anrichten als ein Naturereignis, das dann weniger gravierend ausfällt als befürchtet.
All das funktioniert nicht ohne den vierten Aspekt, geeignete Institutionen und Regeln. Politische Unterstützung ist dafür nötig, Ausbildung, Weiterbildung und Training. Personal- und Organisationsentwicklung ist deshalb ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik im Bereich Frühwarnsysteme.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit will auch die Kooperation mit den Medien verbessern. Vor, während und nach einer Katastrophe spielen sie eine wesentliche Rolle bei der Information der Bevölkerung. Der Tsunami vom Dezember 2004 hat die Notwendigkeit globaler Frühwarnsysteme ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Seebeben sind jedoch nur eine Art von Naturgefahr, die erfasst werden sollte. Vulkanausbrüche, Erdbeben und Überschwemmungen spielen eine gleich wichtige Rolle.

Deutschland unterstützt in Zentralamerika, Afghanistan und dem südlichen Afrika den Aufbau von Frühwarnsystemen im Rahmen seines Aktionsprogramms zur Erreichung der Millenniumsziele. Die Aktivitäten sind eingebettet in die United Nations International Strategy for Disaster Reduction (ISDR). Garantierte Sicherheit bieten aber auch die besten Frühwarnsysteme nicht.

Das zeigte „Katrina“. Der Wirbelsturm löste im vergangenen Jahr die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe aus, die die Welt je erlebt hat. Geschätzter Schaden: 200 Milliarden Dollar. Drei Jahre davor hatte die Lokalzeitung von New Orleans, „Times Picayune“, das Szenario en detail beschrieben. „Die Frage ist nicht, ob es so kommt“, hieß es damals, „sondern nur wann.“ Dass es am Morgen des 29. August passieren würde, war seit Tagen vorhergesagt worden. Trotzdem endete die Evakuierung im Chaos, brachen die Deiche. Über Notpläne und einen besseren Küstenschutz war zwar geredet worden, für die Umsetzung fehlte dann aber das Geld.



Dr. Dirk Asendorpf
arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist.
Asendorpf@t-online.de


Dr. Christina Kamlage
ist Projektleiterin in der InWEnt-Abteilung „Umwelt, Energie und Wasser“.
christina.kamlage@inwent.org