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25 Jahre Zeitschrift „Peripherie“

Empowering women through capacity building

Südafrikas neue Elite

Deutsches Übersee-Institut. Neue Publikationen


03/2006
 

Gender:
Lehren aus Bangladesch

Ashish Bose:
Women’s empowerment through capacity building.
Enduring efforts in Bangladesh. Delhi: Samskriti, and Dhaka: Gonoprokashani,
2004, 186 pages,
$ 15.00, ISBN 984-8233-39-3

Es ist gleichermaßen wahrscheinlich, Zafrullah Chowdhury bei Konferenzen der kritischen NGO medico international, der staatlichen Durchführungsorganisation InWEnt oder der Novartis-Stiftung des gleichnamigen Schweizer Pharmariesen reden zu hören. Der Arzt aus Bangladesch ist in westeuropäischen Entwicklungskreisen ein gefragter Experte – mit gutem Grund, wie das Buch von Ashish Bose zeigt.

Chowdhury gehörte zu jenen einflussreichen Fachleuten, die während des Unabhängigkeitskrieges 1971 oder kurz danach nach Bangladesch zurückkehrten. Zunächst behandelte er Freiheitskämpfer in einem Krankenhaus auf der indischen Seite der Grenze. Heute versorgt seine Organisation Gonoshasthaya Kendra (auf Bengali heißt das „Gesundheitszentrum der Menschen“) immer noch viele Menschen medizinisch, sie engagiert sich aber auch auf anderen Feldern. So versucht die unter dem Kürzel GK bekannte NGO, die Stellung der Frauen zu stärken. Dazu engagiert sie sich vor allem im Bildungsbereich. GK hat aber auch Arbeitsplätze geschaffen, beispielsweise in seiner Pharmaherstellung oder in einem gemeinsam mit der Grameen Bank gestarteten Textilbetrieb.

Für Chowdhury bedeutet Gesundheitsversorgung mehr als nur den Zugang zu einem ausgebildeten Arzt, der Tabletten verschreibt oder Spritzen gibt. Solche Leistungen bleiben den Armen auf dem Land normalerweise verwehrt. Sie brauchen nicht nur Hilfe bei Krankheit oder Verletzungen. Sie müssen auch wissen, wie sie gesund bleiben und was sie bei Krankheit tun können. Vor allem aber brauchen sie eine verlässliche Basis, um ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften.

Schon früh setzte GK Paramedics ein, um die Dörfer zu versorgen. Die Organisation vermittelte diesen Frauen medizinische Grundkenntnisse und andere Fähigkeiten. Fahrradfahren etwa war etwas, was Frauen in Bangladesch einfach nicht taten. Es war aber nötig, sollten die Sanitäterinnen nicht nur die Kranken im eigenen Dorf, sondern auch in der Umgebung versorgen. Im selben Maße wie die Organisation wuchs, lehrte sie immer mehr Frauen immer mehr Fertigkeiten, die für sie nach traditionellen Geschlechterrollen überhaupt nicht in Frage kamen.

Ashish Boses Buch – er hat es gemeinsam mit anderen Autoren verfasst – arbeitet schön die Philosophie von GK heraus. Fünfzig Biografieskizzen von Frauen, die für GK arbeiten, zeigen, in welchem Ausmaß die Organisation traditionelle Ideen über angemessenes weibliches Verhalten in Frage gestellt und verändert hat. Gern hätten Leser aber erfahren, wie GK seine Arbeit finanziert. Das Buch wäre noch interessanter geworden, griffe es dieses Thema auf.

Hans Dembowski