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 03/2006
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[ Weltbank ]
Gegenwind für Wolfowitz
Ein dreiviertel Jahr nach seinem Amtsantritt stößt Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz offenbar auf wachsenden Unmut innerhalb der Bank. Die Weltbank-Mitarbeitervertretung (World Bank Staff Association) wirft dem früheren stellvertretenden US-Verteidigungsminister vor, er konsultiere nur unzureichend seine Mitarbeiter und überdehne bankinterne Regeln für Personalentscheidungen.
Vor allem die Ernennung von Suzanne Rich Folsom, einer langjährigen engen Vertrauten von Wolfowitz, zur neuen Direktorin der internen Antikorruptionsabteilung (Department for Institutional Integrity) sorgte Ende Januar für Ärger. In einer E-Mail-Botschaft an alle Bankangestellten monierte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Alison Cave, zwar habe der Präsident eine gewisse Entscheidungsfreiheit, doch eine derart wichtige Position müsse in transparenter Weise besetzt werden. Cave kritisierte außerdem, dass Rich Folsom weiterhin Beraterin von Wolfowitz bleiben soll. Eine solche Doppelrolle werfe Fragen nach der Unabhängigkeit und der Objektivität der neuen Abteilungsleiterin auf. Um als Institution wirksam zu sein, müssen wir uns selbst an die Empfehlungen halten, die wir anderen geben. Das gilt vor allem für die Führungsebenen der Institution.
Wolfowitz verteidigte auf einer Mitarbeiterversammlung Anfang Februar die Ernennung von Rich Folsom. Die US-Amerikanerin war noch von Wolfowitz Vorgänger James Wolfensohn zur Bank geholt worden und hatte den Auftrag, die Beziehungen der Weltbank zu republikanischen Abgeordneten im US-Kongress zu verbessern.
Auch die Berufung von Kevin Kellems, eines anderen Wolfowitz-Vertrauten mit republikanischer Parteizugehörigkeit, zum neuen Strategiedirektor in der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten (Department for External Affairs) sorgte für Unruhe. So erhielt die Antikorruptionsabteilung auf der dafür eingerichteten Hotline Ende Januar eine anonyme Beschwerde, bei der Ernennung Kellems seien bankinterne Regeln mit Blick auf Bezahlung und Vertragsdauer missachtet worden. Vertraute von Wolfowitz kommentierten die Vorwürfe mit dem Hinweis darauf, Führungswechsel in der Weltbank hätten auch in der Vergangenheit immer wieder zu Reibungen geführt.
Unterdessen haben bei einer im Herbst 2005 durchgeführten Befragung nur 48 Prozent der Weltbank-Mitarbeiter angegeben, für sie sei nachvollziehbar, in welche Richtung die Bank sich bewege. Bei der letzten Befragung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, hatten noch 67 Prozent mit Ja auf diese Frage geantwortet. Der Anteil derer, die meinen, die Bank habe sich in den vergangenen 12 Monaten zum Besseren entwickelt, schrumpfte von 35 auf 19 Prozent. 55 Prozent der Befragten gaben an, Wolfowitz Rede auf der Weltbank-Jahrestagung im Herbst 2005 gelesen zu haben. Davon äußerten sich 96 Prozent zustimmend zu der darin skizzierten künftigen Weltbank-Politik. (ell)
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