| |
Beiträge aus der Rubrik Monitor
Weltbank: Gegenwind für Wolfowitz
10. Bremer Solidaritätspreis
Peacekeeper unter Korruptionsverdacht
Sudan: zerrissen und vernachlässigt
USA reformieren Entwicklungshilfe
Afghanistan: Neue Hilfe, alte Kritik
USA für neue IWF-Stimmrechte
Gute Noten für GTZ-Projekte
 03/2006
|
|
[ Sudan ]
Innerlich zerrissen, von außen vernachlässigt
Im Süden herrscht ein zerbrechlicher Frieden, die Lage im Osten ist gespannt und im Westen des Landes, in Darfur, tobt ein Krieg, der nach Schätzungen in den letzten drei Jahren bis zu 200 000 Tote gefordert hat. Doch die Konflikte in Sudan dürfen nach Ansicht von Pekka Haavisto nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Auf einer Podiumsdiskussion Mitte Februar in Berlin, veranstaltet von der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, sagte der EU-Sonderbeauftragte für Sudan, in Darfur sehe man sich vom nationalen Reichtum und vom politischen Einfluss ausgeschlossen und wehre sich dagegen. Im Westen Sudans begehre eine vernachlässigte Region auf, die ihren Anteil am Reichtum des Landes verlange, besonders angesichts der erheblichen Öleinnahmen. Wenn der Frieden im Süden scheitere, dann hätten auch die Rebellen in Darfur keinen Anreiz mehr zu verhandeln. Haavisto wünscht sich ein gemeinsames Vorgehen von Europäischer Union und China, um eine weitere Eskalation des Konflikts bis hin zu einem Krieg mit dem Tschad zu verhindern.
Auch für Gerhart Baum, bis 2003 UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte in Sudan, hängen die Entwicklungen im Süden und im Westen des Landes miteinander zusammen: Die Eskalation in Darfur sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen, aber alle hätten nur auf den Nord-Süd-Friedensprozess geschaut, um den sich nach Ansicht von Baum vor allem die USA verdient gemacht haben. Baum mahnte mehr internationales Engagement in Darfur an. Einziger Erfolgsmaßstab sei, ob es den Menschen dort besser gehe, und das sei trotz vieler Bemühungen nicht der Fall. Die Flüchtlinge könnten immer noch nicht zurückkehren. Zu deren Schutz sollte auch die Bundesregierung Soldaten anbieten, findet Baum.
Marina Peter vom ökumenischen Netzwerk Sudan Focal Point wies in Berlin auf innersudanesische Spannungen hin: Zwischen den einzelnen Regionen mangele es an Vertrauen, sagte sie. Es müsse deutlich gemacht werden, dass unterm Strich alle von Frieden im Land profitieren würden. Deutsches Engagement sei in der Region willkommen, so Peter, da es wenig von Eigeninteressen geleitet sei. Gernot Erler, Staatsminister im Auswärtigen Amt, betonte aus Sicht der Bundesregierung, die internationale Gemeinschaft dürfe sich aus Südsudan nicht zurückziehen, nur weil es nun ein Friedensabkommen gebe. Vielmehr müsse dessen Umsetzung gesichert werden. Allerdings müsse die sudanesische Regierung dies aus Öleinnahmen finanzieren, der Einsatz westlicher Steuergelder sei angesichts des potenziellen Reichtums des Landes kaum noch zu rechtfertigen.
Sabine Grund
|