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Editorial
 03/2007
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Alternativlos
Energie steht wieder im Mittelpunkt der Weltpolitik. Sicherheitspolitiker sorgen sich um den Zugang zu Öl und Gas. Wirtschaftsexperten beklagen hohe Rohstoffpreise. Entwicklungspolitiker wissen, dass es ohne Energie kein armutsreduzierendes Wachstum gibt. Und Umweltpolitiker warnen, dass es so wie bisher nicht weitergeht. Denn der Ausstoß des Treibhausgases CO2 ein unvermeidliches Abfallprodukt der Verbrennung fossiler Kraftstoffe heizt das Erdklima buchstäblich an. Dass Handlungsbedarf besteht, ist mittlerweile unumstritten.
Die Handlungsbereitschaft entspricht dem noch längst nicht. Es ist absurd, dass wir immer noch darüber diskutieren, ob es wirtschaftlich zumutbar sei, Flugbenzin zu besteuern gerade so, als belaste der Luftverkehr die Atmosphäre nicht besonders stark. Es ist anachronistisch, dass sich die deutsche Autoindustrie gerade wieder gegen Abgasnormen für ihre im europäischen Vergleich großen Wagen gewehrt hat gerade so, als habe der Transportsektor seine klimapolitischen Reduktionspflichten längst erfüllt (siehe S. 109). Und es deprimiert, dass viele vermeintlich fortgeschrittene Nationen mehr Treibhausgas ausstoßen als je zuvor. Die EU wird wenn überhaupt ihr Kyoto-Reduktionsziel nur dank einmaliger, nicht wiederholbarer Ereignisse in Deutschland und Britannien erreichen. Im Fall der Bundesrepublik ist Erfolg auch ein willkommener Nebeneffekt des unerfreulichen Kollapses der Ostwirtschaft nach der Wiedervereinigung. Und in Britannien geht es um eine Folge des ohnehin beschlossenen Umstiegs von nationalen Kohle- auf Gasvorräte.
Aber immerhin bewegt sich Europa. Umweltkommissar Stavros Dimas hat seine Kollegen auf neue CO2-Normen für Autos festgelegt, wenn auch auf weniger strenge als er wollte. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident Manuel Barroso und viele andere europäische Spitzenpolitiker sprechen sich für konsequentere Politik aus. Sie erkennen den Ernst der Lage. Selbst US-Präsident George Bush räumt ihn nach langem Sträuben endlich ein. Zur Erinnerung: Sein Vater und Vorgänger gleichen Namens mied 1992 den Weltgipfel über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro und teilte mit, der American Way of Life stehe nicht zur Diskussion.
In Wirklichkeit kommt es sehr wohl auf das Modell der reichen Welt an. Es ist ihr Lebensstil, dem die anderen nacheifern. Ohnehin geht, was wir heute als Treibhauseffekt erleben, auf die Rechnung der Industrienationen, die seit vielen Jahrzehnten Klimagifte ausstoßen. Zwar rücken die asiatischen Milliardenstaaten China und Indien in absoluten Zahlen bei den Neuemissionen allmählich auf pro Kopf verbrauchen Inder aber nur grob ein Zehntel und Chinesen nur ein Füntel der in Europa üblichen Energie; und die EU kommt mit rund der Hälfte des US-Niveaus aus.
Aberwitzigerweise setzen manche Experten jetzt wieder auf Atomkraft und die US-Regierung will Indien auf diesem Kurs sogar unterstützen. Diese Technik geht aber auch mit gewaltigen Umweltgefahren einher. Kein Ingenieur kann garantieren, dass radioaktiver Müll wirklich, was nötig ist, über Jahrtausende sicher lagert. Die wachsende Sorge über die Proliferation der militärischen Anwendungsmöglichkeiten verweist zudem auf sicherheitspolitische Risiken, die selbt die zivile Nutzung in sich birgt. Atomanlagen und -transporte können jederzeit zu Zielscheiben verheerender Terroranschläge werden. Nötig sind dezentrale Versorgungssysteme auf der Basis erneuerbarer Quellen und radikal verbesserte Effizienz der Energienutzung. Beides kostet Geld und erfordert Forschung, ist aber machbar. Aus umwelt-, entwicklungs-, wirtschafts- und sicherheitspolitischer Sicht gibt es dazu keine Alternative.
Dr. Hans Dembowski
Chefredakteur E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/
D+C Development and Cooperation
euz.editor@fsd.de
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