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Bücher und Medien


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04/2003
 

Informativ und bodennah

Kleinstlandwirtschaft: Nahrung aus dem Niemandsland

Von Barbara Rocksloh-Papendieck

Elisabeth Meyer-Renschhausen, Renate Müller, Petra Becker: Die Gärten der Frauen. Zur sozialen Bedeutung von Kleinstlandwirtschaft in Stadt und Land weltweit. Herbolzheim, Centaurus 2002, 323 S., 20,40 Euro, ISBN 3-8255-0338-0


Im Juli 2000 diskutierten auf einer Konferenz in Berlin mehr als hundert Gärtner und Gärtnerinnen sowie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen über die Perspektiven von Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land. Das vorliegende Buch enthält 24 Beiträge von dieser Konferenz, sieben davon beschäftigen sich mit der Dritten Welt, drei mit Osteuropa, die anderen mit Westeuropa, den Vereinigten Staaten, Japan und länderübergreifenden Themen. Sie alle haben zum Ziel, die Kleinlandwirtschaft weltweit stärker ins Blickfeld zu rücken.

Gartenbau und Kleinstlandwirtschaft sind auf der ganzen Welt eng mit der Hauswirtschaft verknüpft, dem traditionellen Zuständigkeitsbereich der Frau, und dienen vornehmlich der Deckung des Eigenbedarfs der ärmsten Bevölkerung, wie Untersuchungen in afrikanischen Städten belegen. In Krisenzeiten gewinnen beide schlagartig an Bedeutung. Mit ungemeinem Fleiß betreiben Frauen die Gemüse- und Getreidefelder im Niemandsland an Straßen- und Wegerändern, an Flussufern oder entlang von Eisenbahngleisen. So rasch solche Gärten entstehen, so schnell verschwinden sie auch wieder durch willkürliche Eingriffe des Staates oder die Umwandlung von Brachland in Bauland.

Detailgenau beschreibt Rita Schäfer Ökonomie und Funktion von traditionellen Hausgärten in Simbabwe. Frauen haben hier vergleichsweise einfachen Zugang zu Land; auf Initiative des simbabwischen Frauenministeriums und mit Unterstützung europäischer Geber entstanden viele Gemeinschaftsgärten. Doch laut Schäfer haben dorfinterne Hierarchien dazu geführt, dass letztlich nur eine kleine Schicht besser gestellter Frauen von den neuen Anbauflächen profitiert hat, während sozial benachteiligte und marginalisierte Frauen das Nachsehen hatten.

Dass Garten- und Kleinstlandwirtschaft in Osteuropa eine lange Tradition haben, geht aus dem Beitrag von Nigel Swain hervor. Auch zu sozialistischen Zeiten betrieben die Landbewohner ihre private Landwirtschaft in der einen oder anderen Form. Ohne die Produktion in der häuslichen Landwirtschaft, so Swain, hätte die zentralistische Planwirtschaft gar nicht funktioniert. Ihr Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung sei erheblich gewesen, weshalb sie beispielsweise in der DDR ab Ende der siebziger Jahre durch staatliche Aufkaufstellen bewusst gefördert worden sei. Allerdings habe es mit Blick auf die staatliche Akzeptanz privater Parzellen und Nutzgärten große Unterschiede zwischen den Ländern Osteuropas gegeben. In der DDR blieb die häusliche Gartenwirtschaft auch nach der Wende vor allem unter älteren Dorfbewohnern und Vorruheständlern verbreitet.

Die Beiträge des Bandes sind vielfältig, informativ – und bodennah. Wer selbst schon mal in einem Garten gearbeitet hat (und wer hat das nicht?), glaubt bei der Lektüre manchmal selbst zwischen den Beeten zu stehen.