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04/2003
 

Non-formale Grundbildung

Partizipation als Erfolgsgeheimnis

Von Bernd Overwien

Gregor Lang-Wojtasik: Bildung für Alle! Bildung für Alle? Zur Theorie non-formaler Primarbildung am Beispiel Bangladesh und Indien. Münster, Lit 2001, 288 S., 39,80 Euro, ISBN 3-8258-5466-3


Grundbildung findet schon lange nicht mehr nur in Schulen statt. Doch hat die Dominanz des formalen Schulwesens bisher den Blick auf Funktionsweise, Erfolge und Misserfolge solcher non-formaler Bildungsansätze getrübt, die in lokalen Gemeinschaften und deren jeweiligen kulturellen Fundamenten verwurzelt sind.

Gregor Lang-Wojtasik bringt Licht in das Dunkel. Im Mittelpunkt seiner Studie steht die Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen in Indien und Bangladesh. Nichtstaatliche Träger setzen dort erfolgreich Ansätze einer nichtschulischen Primarbildung um. Der Autor untersucht die Aktivitäten vor Ort und nimmt die ambitionierten Erfolgskriterien, die die NROs sich selbst gesetzt haben, zum Maßstab seiner mit der notwendigen Vorsicht vorgetragenen Beurteilung. Lang-Wojtasik wirft einen sehr detaillierten Blick auf die Bildungsarbeit der NROs und liefert so ein lebendiges und gut nachvollziehbares Bild von deren Aktivitäten.

Vom Staat toleriert, schaffen die Träger befreiungspädagogisch inspirierte, sehr partizipativ angelegte Lernbedingungen für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Im Unterschied zu gescheiterten Ansätzen ländlicher Bildung aus früheren Jahren sind die von Lang-Wojtasik untersuchten NROs in Indien und Bangladesh sehr erfolgreich, und der große Stellenwert, den Partizipation in ihrer Arbeit hat, könnte den Kern dieses Erfolges ausmachen. Die Curricula orientieren sich daran, ob Lerninhalte praktischen Nutzen für die Schüler haben; auch bei der Vermittlung abstrakterer Inhalte wird auf Praxisbezug geachtet. Dieser Bezug wird dadurch gesichert, dass Gemeinden und Eltern in die Erstellung von Curricula einbezogen werden.

Etwas kurz kommt in der Arbeit von Lang-Wojtasik die Frage, welchen Beitrag non-formale Ansätze leisten können zu einer beschäftigungsorientierten Bildung, die Schülern eine nachschulische berufliche Perspektive bieten will. Was aber eine armutsorientierte Grundbildung betrifft, bietet das Buch einen derart praxisnahen Einblick, dass viele Beispiele schon fast als Rezepte dienen können.