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04/2003 |
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PPP in der Arbeit von InWEnt
Globale Bildung für nachhaltige Entwicklung
Von Dieter Reuter
Die PPP-Fazilität des BMZ gibt es seit 1999, aber bei InWEnt bzw. deren Vorgängerorganisation CDG wurde schon seit Jahrzehnten eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft gepflegt, vorwiegend im Bereich der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften. Daher liegt es nahe, dass sich hier eine eigene Philosophie für diesen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit entwickelt hat, aus der Dieter Reuter Forderungen an die Politik ableitet.
Die im Jahre 2002 gegründete Organisation Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt), entstanden durch die Zusammenführung der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) und der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG), engagiert sich im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit vorwiegend im Bereich der Weiterbildung und Personalentwicklung. Jährlich nehmen rund 35 000 Fortbildungsteilnehmer aus aller Welt an InWEnt-Trainings- und Dialogveranstaltungen teil. Mit ihrem Engagement für Qualifizierung ist InWEnt nicht nur im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) tätig, sondern arbeitet auch mit der Wirtschaft zusammen: Gut ausgebildete Mitarbeiter sind die Voraussetzung für hohen Qualitätsstandard und für Wettbewerbsfähigkeit. Für InWEnt ist die Diskussion über die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft daher nichts Neues. Die CDG, eine ihrer Vorgängerinstitutionen, verstand sich (mit ihren über 1000 Mitgliedern, vorwiegend Institutionen, Unternehmen und Einzelpersonen aus der Wirtschaft) immer schon als eine Public-Private Partnership, auch bevor der Begriff geprägt wurde.
Entsprechend diesem Selbstverständnis haben CDG / DSE und nun INWENT in ihrer konkreten Arbeit Kooperationen mit der Wirtschaft in unterschiedlichen Ausprägungen zu einem Kennzeichen ihres Programms gemacht. Dabei legen wir Wert darauf, dass nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern gleichermaßen die Wirtschaft in unseren Partnerländern in die Programmarbeit einbezogen wird. Zahlreiche Projekte werden gemeinsam mit Partnern aus der lokalen Wirtschaft Unternehmen, Verbände, wirtschaftsnahe Fortbildungsinstitutionen durchgeführt; deutsche Unternehmen sind Lernort für Teilnehmer aus Entwicklungsländern und das Know-how der Wirtschaft fließt in Planung und Durchführung der Programme ein. Gleichzeitig führen wir Programme im Auftrag der Wirtschaft durch und erbringen Serviceleistungen für die Wirtschaft, z. B. Beratung bei der Beteiligung von Unternehmen an internationalen Bildungsprogrammen.
Die Diskussion über Kooperation mit der Wirtschaft
Allerdings hatte die Diskussion über PPP in der Entwicklungszusammenarbeit, so wie sie in den letzten Jahren geführt wurde, einen anderen Schwerpunkt. Es ging dabei vor allem um gezielte joint ventures auf Programmebene. Entwicklungspolitische Institutionen und Unternehmen sollen gemeinsam Entwicklungsprojekte identifizieren und gestalten. Unternehmerische Vorhaben sollen so ausgestaltet werden, dass sie auch zu entwicklungspolitischen Zielen beitragen, und umgekehrt sollen genuin entwicklungspolitische Maßnahmen so konzipiert werden, dass Unternehmen es wirtschaftlich sinnvoll finden, sich daran zu beteiligen. An dieser Diskussion hat sich auch InWEnt beteiligt. Dabei haben von Anfang an vier Grundpositionen unsere Haltung geprägt:
1. Die Wirtschaft nicht für die EZ instrumentalisieren.
PPP wird häufig interpretiert als Versuch, die Wirtschaft in die Interessen und Ziele der EZ einzubeziehen. Eine solche Zielsetzung ist jedoch unrealistisch; die Wirtschaft hat es nicht nötig, sich für die EZ instrumentalisieren zu lassen. Schließlich entsprang die deutsche PPP-Diskussion nicht etwa der Unfähigkeit von Wirtschaftsunternehmen, in Entwicklungs- und Schwellenländern Geld zu verdienen, sondern den Problemen der öffentlichen Entwicklungshilfe, angesichts schwindender Finanzmittel allein noch signifikante Ergebnisse zu erzielen. Daher ist es die Entwicklungszusammenarbeit, die sich auf die Unternehmen zubewegen und öffnen muss für die Frage, welche Interessen die Wirtschaft hat.
2. Die privatwirtschaftliche Interessenlage akzeptieren.
Unternehmen gehen nicht aus entwicklungspolitischen Motiven eine Public-Private Partnership ein, zumindest nicht in erster Linie. Unternehmen sind gewinnorientiert. Akzeptiert wird dies in der EZ oft nur in dem Sinne, dass es bedauerlicherweise nicht zu ändern ist. Die unternehmerische Gewinnorientierung stattdessen als Potential für nachhaltige Entwicklung zu begreifen, ist aber eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den PPP-Ansatz zum Erfolg zu bringen.
3. Synergiepotentiale im Kerngeschäft identifizieren.
PPP-Programme haben vielfach die Tendenz, neben der eigentlichen Programmarbeit der Durchführungsorganisationen herzulaufen, vor allem dann, wenn sie aus einer eigenen Haushaltslinie finanziert werden. Synergiepotentiale zu nutzen heißt aber im Gegensatz dazu, PPP-Arbeit an die normale Arbeit anzubinden und den Aufbau eines Portfolios von Sonderprojekten zu vermeiden. Nur ein solches mainstreaming von PPP kann die enormen Potentiale einer Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit wirklich nutzen. Dies setzt allerdings eine neue Art der Konzeption von Programmen und Projekten voraus: Sie können nicht mehr allein nach klassischer entwicklungspolitischer Logik konzipiert werden, sondern müssen die Wirtschaft und zwar sowohl die deutsche wie die einheimische als Partner von Anfang an mitdenken.
4. Partnerschaft statt Antragsverfahren.
Nach unserer Erfahrung in der Kooperation mit den Unternehmen ist es wichtig, dass wir diese nicht in lange Warteschleifen von Antrags- und Prüfungsverfahren schicken, sondern ihnen klare, transparente, unbürokratische und vor allem rasche Kooperationsmechanismen anbieten. Partnerschaft endet, und Bürokratie beginnt immer da, wo Anträge ausgefüllt werden müssen: Bei InWEnt gibt es keine Anträge für Unternehmen mit PPP-Interessen Vorschläge nehmen wir gerne auf formlose Art entgegen. Wenn umgekehrt wir die Initiative ergreifen und einem Unternehmen eine PPP-Maßnahme vorschlagen, möchten auch wird nur ungern einen Antrag stellen.
Ausrichtung auf das Konzept nachhaltigen Wirtschaftens
Seit Beginn der PPP-Diskussion werden sehr unterschiedliche Vorschläge für die Gestaltung derartiger Maßnahmen an uns herangetragen. Um mit unseren begrenzten Mitteln einen signifikanten Beitrag erbringen zu können, orientieren wir uns auch bei unseren PPP-Aktivitäten an unserer zentralen thematischen Ausrichtung Training for sustainable development. PPP-Maßnahmen sollen daher Beiträge zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Form des Wirtschaftens erbringen. Wir konzentrieren unsere PPP-Maßnahmen auf diejenigen Teile der Wirtschaft, die in diesem Sinne engagiert sind. Wir beteiligen uns an PPP-Maßnahmen, die aus Sicht der Wirtschaft unterschiedliche Funktionen haben können:
- Vorbereitung und Absicherung von Investitionen: Deutsche Projektentwickler und deutsche Hersteller von Windkraftanlagen haben großes Interesse an Investitionen in Brasilien oder Argentinien. Sie benötigen hierfür u. a. brasilianische Experten für die Inbetriebnahme, den Betrieb und die Wartung von Windparks. Auch für Projektierung und Produktion wichtiger Systemkomponenten, die zunehmend in Brasilien gefertigt werden, werden brasilianische Experten benötigt. Bereits 1999 begann daher ein umfangreiches gemeinsames Projekt der damaligen CDG und deutscher Windkraftanlagenhersteller; allein im Jahre 2001 wurden mehr als 20 Maßnahmen mit über 600 Teilnehmern durchgeführt. Die Projektaktivitäten reichten von Trainingsseminaren zum Transfer geeigneten Technologiewissens bis hin zu Konferenzen und Dialogmaßnahmen, beispielsweise zu Themen wie Finanzierung oder Planung von Windparks Heute werden bei Vorbereitung und Betrieb von Windprojekten von InNWEnt fortgebildete Experten in verantwortlicher Position eingesetzt. Die im Fortbildungsprojekt entwickelten Kurse sollen in Eigenregie lokaler Universitäten weiter angeboten werden.
- Markterschließung und Unterstützung von Exportvorhaben: Das Dessauer Unternehmen Diehl & Schwiercz Wasser-, Gas- und Umwelttechnik GmbH hat eine neue Trinkwasseraufbereitungs-Technologie entwickelt. Sie wurde mit Erfolg in Südafrika getestet, und der Hersteller plant die Produkteinführung auf diesem Markt. In Südafrika haben zwölf Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In der südafrikanischen Firma Tikologo fand Diehl & Schwiercz einen Partner zum Vertrieb der Anlage. Gemeinsam mit InWEnt hat die deutsche Firma ein Fortbildungsprogramm entwickelt, das die südafrikanischen Partner auf diese Aufgabe vorbereitet. Das Training in Deutschland und Südafrika versetzt Tikologo in die Lage, die Technologie als selbständiger Service-Provider zu vermarkten, Bedienpersonal einzuweisen, Wartung und Reparaturen zu übernehmen, Wasseranalysen vorzunehmen und die Verfahrenstechnik zu optimieren.
- Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit: Qualität und Produktivität müssen stimmen, wenn Firmen und ihre Produkte im globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben sollen. Dies gilt für das einzelne Unternehmen, aber auch für die ganze Zulieferkette. Daher nutzen wir in unserem Projekt Produktivitätsnetzwerk für KMUs im südlichen Afrika (ProNet) die Fortbildungsmöglichkeiten eines deutschen Automobilherstellers, um gezielt Klein- und Mittelunternehmen der Region wettbewerbsfähig zu machen: Das Unternehmen investiert in Qualität und Ausbau seiner Zulieferkette, gleichzeitig wird durch die Stärkung kleiner Betriebe ein Beitrag zu mehr Beschäftigung und Einkommensmöglichkeiten geschaffen.
- Marktzugang sichern durch Umwelt- und Sozialstandards: Die Einhaltung internationaler Umwelt- und Sozialstandards ist für große Unternehmen schon längst kein Luxus mehr; sie bilden eine Zugangsvoraussetzung für die großen internationalen Märkte. Anders ist die Lage noch in vielen Entwicklungsländern. Hier sehen häufig nationale Industrieverbände oder Einrichtungen des Außenhandels als erste die Notwendigkeit, die internationale Wettbewerbsfähigkeit auch durch die Erfüllung derartiger Normen abzusichern. Dieses wirtschaftliche Interesse deckt sich mit dem politischen Interesse der Entwicklungszusammenarbeit an einer unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten nachhaltigen Entwicklung. Unter diesem Aspekt kooperiert InWEnt mit der deutsch-peruanischen Außenhandelskammer (Camperal) und der Exportfördereinrichtung Asociación de Exportadores (ADEX) in einem Projekt zu Sozialstandards und sozialer Verantwortung von Unternehmen in Peru. Lokale Unternehmen in ausgewählten Produktbereichen werden durch Sensibilisierung und den Transfer von Know-how im Bereich Sozialer Managementsysteme dabei unterstützt, die in Europa geforderten Sozialstandards in ihren Unternehmen einzuführen oder eigene Codes of Conduct für unternehmerische Sozialverantwortung zu entwickeln.
PPP ist mehr als nur Kofinanzierung
Das Engagement von InWEnt geht in den oben beschriebenen Maßnahmen weit über eine reine Ko-Finanzierung hinaus. Wir entwickeln gemeinsam mit den Partnern aus der Wirtschaft Ziele, Inhalte und Gestaltung von Fortbildungsmaßnahmen und sichern über diese intensive Kooperation in der Planungsphase die Kompatibilität der Zielsetzungen des jeweiligen privaten Partners mit unseren entwicklungspolitischen Orientierungen. Über den finanziellen Aspekt der Kooperation hinaus profitieren unsere privaten Partner so auch von unserem regionalen und sektoralen Know-how und unserer langjährigen Erfahrung mit der Gestaltung von Fortbildung. InWEnt führt Fortbildungsprojekte gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft durch, wenn sie
- mit den entwicklungspolitischen Zielsetzungen des BMZ übereinstimmen;
- die Ziele des Projekts durch Fortbildung erreichbar sind;
- die Zielgruppe des Projekts unserem Mandat (Führungs- und Nachwuchsführungskräfte) entspricht;
- der private Partner in der Lage ist, den eigenen Finanzierungsbeitrag zu erbringen.
Vom Experimentierfeld zum Paradigmenwechsel?
Die Diskussion um PPP in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurde von Beginn an mit hohen Ansprüchen geführt. PPP sollte keins der vielen Modethemen werden, sondern zu einer gänzlich neuen Ausrichtung entwicklungspolitischen Handelns führen. Die Realität der Umsetzung bleibt bis heute hinter solchen Ansprüchen zurück. Folgende Punkte erscheinen mir zentral für eine stärkere Verankerung von PPP in der täglichen Praxis:
- Die derzeit noch vorherrschende Umsetzung des PPP-Gedankens auf der Ebene von Einzelprojekten birgt die Gefahr in sich, dass PPP sich zu einem eigenen Projekttyp der EZ entwickelt, ohne den Charakter einer strategischen Neuorientierung zu erlangen. Die Wirtschaft muss umfassender in die Arbeit der entwicklungspolitischen Institutionen einbezogen werden dazu ist sehr viel Flexibilität erforderlich; PPP darf nicht beschränkt bleiben auf ein einziges Modell, wie z. B. das der PPP-Fazilität des BMZ.
- Auch die Wirtschaft in den Partnerländern muss einbezogen werden. PPP darf nicht einseitig auf die Unterstützung ausländischer Direktinvestitionen orientiert bleiben; lokalen Investoren sind die gleichen Handlungschancen einzuräumen sonst führt PPP zu weiteren Wettbewerbsverzerrungen zwischen Nord und Süd. Die Einbeziehung der lokalen Wirtschaft wird PPP auch in den least developed countries zu einem interessanten Modell machen, denn diese Länder haben an den ausländischen Direktinvestitionen bisher keinen nennenswerten Anteil.
- Die Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit müssen ihr Selbstverständnis weiter verändern; sie sehen sich im Kontext PPP heute noch zu stark als antragsbearbeitende Institutionen. Sie sollten sich künftig stärker als Moderator von privatem Engagement in Entwicklungsländern begreifen.
- Moderation privaten Engagements bedeutet auch, gemeinsam mit der Wirtschaft und durchaus auch im kritischen Dialog Einfluss auf die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns zu nehmen. Dieser Aspekt ist in der deutschen PPP-Diskussion, im Gegensatz zur internationalen, teilweise ausgeblendet.
- Der Anspruch nach weitergehender Einbeziehung der Wirtschaft steht tendenziell im Widerspruch zur derzeitigen Fokussierung der deutschen EZ auf eine fest definierte Gruppe von Ländern und auf einen bis drei Schwerpunktsektoren pro Land. Gerade Projekte in unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessanten Ländern können daher heute oft nicht realisiert werden. Hier sollte PPP-Vorhaben eine größere Flexibilität eingeräumt werden.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist ein Thema, dessen Chancen bisher nur ansatzweise in die Praxis umgesetzt werden konnten. Kreativität, das Wissen und die finanziellen Ressourcen der Wirtschaft können nicht nur für entwicklungspolitische Ziele im engeren Sinne genutzt werden. Die Wirtschaft ist Akteur in allen Belangen der Gestaltung globaler Rahmenbedingungen; dies zeigt nicht zuletzt die Global Compact Initiative der Vereinten Nationen. Internationale Personalentwicklung gehört zu den originären Anliegen der Wirtschaft; Einbeziehung der Wirtschaft in globale Bildungspolitik für nachhaltige Entwicklung dies ist und bleibt daher ein zentrales Thema für InWEnt.
Dr. Dieter Reuter Reuter ist Abteilungsleiter 4.5 (Produktion und Technologie) und PPP-Beauftragter bei der InWEnt gGmbH in Köln. dieter.reuter@inwent.org
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