Beiträge aus dem
Schwerpunkt


Bilanz der ersten Jahre

Umweltschutz in Thailand

Globale Bildung für nachhaltige Entwicklung

DEG als größter Finanzier


04/2003
 

Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft

DEG als größter Finanzier

Von Rolf Gerber

Rund 40 % der Mittel aus der PPP-Fazilität der Bundesregierung werden über die DEG vergeben. Gefördert werden Vorhaben, die über die unternehmerische Zielsetzung hinaus einen entwicklungspolitischen Mehrwert haben, vor allem im Bereich Technologietransfer und Ausbildung.

Die private Wirtschaft ist heute die treibende Kraft für den ökonomischen und sozialen Fortschritt in Entwicklungs- und Reformländern. Ausländische Direktinvestitionen in diese Länder übersteigen die öffentliche Entwicklungshilfe bei weitem (allerdings konzentriert auf eine sehr geringe Anzahl von Schwellenländern und mit neuerdings stark sinkender Tendenz). Auch deutsche Unternehmen haben sich daran zunehmend beteiligt: Waren es Anfang der 1960er Jahre knapp unter 1 Mrd. Euro, die deutsche Unternehmer in Entwicklungsländern investiert hatten, so sind es heute 49 Mrd. Euro. Hinzu kommen noch knapp 32 Mrd. Euro, die in die so genannten Reformländer (also die des ehemaligen Ostblocks) geflossen sind.

Deutlich wird auch, dass zwischen Privatwirtschaft und Entwicklungshilfe Synergien bestehen, die der Entwicklung dienen und gleichzeitig wirtschaftliche Innovationskräfte freisetzen. Um das Potenzial privater Investitionen in diesen Ländern stärker im Interesse der Entwicklung vor Ort zu nutzen, hat das BMZ 1999 das Public-Private-Partnership-Programm (PPP-Programm) initiiert. Public-Private Partnerships gibt es heute in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Sie bündeln öffentliche und private Mittel, um gemeinsame Projekte zu realisieren: Projekte, von denen beide Seiten profitieren. In der Entwicklungszusammenarbeit heißt dies: bessere Investitionsbedingungen für Unternehmen, bessere Perspektiven für die Menschen vor Ort.

Das PPP-Programm des BMZ trägt bis zu 50 % der Kosten (maximal 200 000 Euro) für Vorhaben vor allem in den Bereichen Umweltschutz, Aus- und Weiterbildung sowie Pilot- und Demonstrationsanlagen. Den Rest der Kosten müssen die Unternehmen selbst tragen, und sie realisieren die Vorhaben in eigener Verantwortung. Die Beteiligung an dem Programm ist unabhängig von der Größe der Unternehmen und ihrer Branche. Seit 2002 können sich auch Unternehmen aus anderen westeuropäischen Staaten an dem Programm beteiligen. Es spielt keine Rolle, ob das Unternehmen eine Investition in einem Entwicklungsland erst plant oder bereits seit längerem vor Ort engagiert ist.

Die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Reformländern zu fördern, ist seit 40 Jahren der entwicklungspolitische Auftrag der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft). Als eines der größten europäischen Institute zur Entwicklungsfinanzierung hat sie rund 1050 Unternehmen in 120 Entwicklungs- und Reformländern mitfinanziert. Dafür stellte die DEG 5 Mrd. Euro bereit und mobilisierte so 30 Mrd. Euro durch ihre Investitionspartner. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Umgang mit den Chancen und Risiken einer Investition in Entwicklungs- und Reformländern ist die DEG an der Umsetzung des PPP-Programms beteiligt, konkret an der Finanzierung investitionsvorbereitender und -begleitender Projekte deutscher Unternehmen. Rund 40 % der Mittel aus der PPP-Fazilität der Bundesregierung werden über die DEG vergeben. Seit 1999 hat die DEG mehr als 230 solcher Projekte verwirklicht. Allein in 2002 beteiligte sie sich an 52 Public-Private Partnerships und stellte hierfür rund 8,3 Mio. Euro zur Verfügung.

Die Bandbreite der von der DEG im Rahmen des PPP-Programms geförderten Vorhaben ist groß. Bisher kofinanzierte sie vor allem Projekte im Bereich Technologietransfer (Errichtung von Pilot- und Referenzanlagen, Einführung neuer Verfahren, Anpassung von Technologien an lokale Gegebenheiten etc.) sowie Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Zwei Drittel dieser Projekte leisteten einen Beitrag zum Umweltschutz.


Chancen für beide Seiten

Das Konzept der PPP geht davon aus, dass Industrie und Wirtschaft für die ökologischen und sozialen Verhältnisse an ihren Standorten und in ihren Betrieben die Verantwortung tragen. Es muss daher von ihnen erwartet werden, dass sie sich im Rahmen ihrer weltweiten Investitions- und Geschäftstätigkeit stärker für Umwelt- und Sozialfragen engagieren. Von diesem Engagement würden sie letztlich auch selbst profitieren – nur wer vor Ort ein umwelt- und sozialverträgliches Arbeitsumfeld schafft, kann auf Dauer gute Geschäfte machen. Wenn deutsche Unternehmen in Sachen Umwelt, Ausbildung und Arbeitsplatzsicherheit investieren wollen, können sie auf Unterstützung der DEG zählen. Dafür einige Beispiele:

Besseres Arbeitsklima: Eine sozialverträgliche und umweltfreundliche Umgebung für seine Mitarbeiter realisierte das Textilunternehmen Gütermann AG in Mexiko. Mit PPP-Mitteln wurde eine Klimatisierung der Produktionshallen eingebaut. Durch die Reduzierung der Temperatur und die erhöhte Luftfeuchtigkeit in der Spinnerei wurden die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter wesentlich verbessert, die gesundheitliche Gefährdung verringert. Die elektrostatische Aufladung feiner Partikel bei der Produktion wurde vermindert und so die Gefahr von Allergien vermindert. Solche Maßnahmen tragen zur Motivation der Mitarbeiter und zu ihrer Identifizierung mit der Firma bei. Da die Kältemaschine mit Solarenergie betrieben wurde, war außerdem eine Verringerung der Schadstoffemissionen die Folge, und die Einschränkung des Verbrauchs öffentlicher Energie führte dazu, dass die Anschaffungskosten sich in kurzer Zeit amortisierten. Gütermann führt diese umweltfreundlichen, richtungweisenden Innovationen im Rahmen von Workshops mexikanischen Unternehmen vor, um zur Nachahmung anzuregen.

Schutz der Umwelt: Die Einbindung lokaler Universitäten und Forschungsstellen in die PPP-Projekte führt zu einem verbreiterten Technologie- und Knowhow-Transfer. Ein Beispiel dafür ist die Bioforschung auf der chinesischen Insel Hainan. Das junge Münchner Unternehmen Bicoll arbeitet mit dem Hainan Normal College in der Medikamentenforschung zusammen. Forscher und Studenten helfen beim Aufbau einer Naturstoffbank. Sie sammeln und bestimmen seltene Pflanzen, deren Wirkstoffstruktur für die Medikamentenentwicklung identifiziert wird. Inhaltsstoffe, die sich für die Pharmaindustrie als wertvoll herausstellen, können dann von Bicoll an Hand der Leitstruktur synthetisch hergestellt werden. Dies verhindert ein Abernten von seltenen Heilpflanzen bei der Medikamentenherstellung. Das Projekt trägt damit zum Erhalt der Biodiversität in China bei und sensibilisiert Industrie und Öffentlichkeit für den Schutz der Natur. Die Privatisierung der biotechnologischen und pharmazeutischen Forschung in China hilft außerdem, die nationalen Forschungsdefizite zu überwinden.

Schaffung von Arbeitsplätzen: Im Nordosten Brasiliens, nahe Belém, werden jetzt aus den Fasern der Kokosnussschale Autoteile gefertigt. Die Idee für das Projekt stammt aus dem Programm „Armut und Umwelt in Amazonien“, das ein an der Universität von Belém lehrender deutscher Soziologe und einige Mercedes-Benz-Manager vor zehn Jahren initiierten. Eine der Ideen war es, die Schalen der Kokosnuss weiterzuverwerten. Daraus hervorgegangen ist Poematec, eine von Mercedes-Benz do Brasil finanzierte Produktionsfirma, in der aus Fasern der Kokosnussschale Sitze, Kopfstützen, Sonnenblenden und Rückenlehnen für Autos hergestellt werden. Es ist die modernste Verarbeitungsstätte für Naturfasern in ganz Lateinamerika. Die Kleinbauern der Region liefern den acht Verarbeitungsanlagen monatlich bis zu 100 Tonnen Kokosfasern zu. Insgesamt wurden so 550 Arbeitsplätze geschaffen. Künftig sollen außerdem Baumschulen angelegt werden, um die Kleinbauern mit Setzlingen verschiedener Pflanzen zu versorgen. Damit soll der Mischanbau gefördert, der Regenwald geschützt werden.


Am Anfang steht die privatwirtschaftliche Initiative

Am Anfang einer Public-Private Partnership steht die Entscheidung eines Unternehmens in einem Entwicklungsland zu investieren bzw. bereits existierende Tochtergesellschaften oder Joint Ventures zu erweitern oder zu modernisieren. Im Sinne einer Partnerschaft wird diese Unternehmensentscheidung mit einer entwicklungswichtigen Projektidee verknüpft. Die öffentlichen PPP-Mittel dienen der Finanzierung der Mehrkosten, die durch den entwicklungspolitischen Mehrwert des Vorhabens entstehen. Durch den gemeinsamen Einsatz öffentlicher und privater Mittel können so entwicklungspolitische Wirkungen erzielt werden, die allein aus öffentlichen Mitteln nicht darstellbar wären, an denen allein ein Privatunternehmen aber auch nicht interessiert wäre.

Die DEG nimmt die Ideen und Initiativen der Unternehmen auf und unterstützt sie bei der Entwicklung eines soliden Projektkonzeptes. Eine kurze Skizze des geplanten Vorhabens bildet die Basis für ein erstes Gespräch, in dem das Konzept und seine Umsetzung konkretisiert werden. Bei der Antragstellung richtet sich die DEG nach den vom BMZ vorgegebenen Kriterien. Die Antragstellung ist einfach. Auf drei bis fünf Seiten muss neben der Kurzbeschreibung des Projektes und einer Projektplanungsübersicht mit Zeitplan und Kalkulation auch dargestellt werden, wie durch das Projekt das Unternehmen und die Menschen vor Ort profitieren. Auf Basis dieses Antrages wird dann über die PPP-Fähigkeit des Projektes entschieden. Die Auszahlung erfolgt auf Raten: die erste in der Regel nach Projektbeginn, die zweite aufgrund eines Zwischenberichtes nach der Hälfte der Laufzeit, die dritte nach Vorlage des Abschlussberichts mit der Kostenabrechnung. Die Realisierung des Vorhabens liegt in der Verantwortung des Unternehmens, jedoch bietet die DEG umfassende Beratung in jeder Phase des Projektes.


Projektbeispiel

Solartechnik zur Trocknung asiatischer Früchte

Rote Chilis so weit das Auge reicht. Überall in den Dörfern Asiens trocknen auf sauber gefegten Lehmböden die scharfen Mini-Paprikas unter der tropischen Sonne. Nicht nur Chilis, auch andere Gewürze und Früchte werden traditionell unter freiem Himmel haltbar gemacht. Doch auf dem Weltmarkt ist hohe Qualität gefragt, und die Anforderungen an Hygiene sind hoch. Die Gewürzmüller GmbH aus Stuttgart testet im Norden Thailands den Anbau neuer Chilisorten. Seit mehr als 100 Jahren ist die Firma im Gewürzhandel tätig. Aus Thailand importiert sie neben Chili Zitronengras, Pfeffer und Ingwer. Mit Hilfe der von der Firma Innotech entwickelten Solartechnik wird Chili jetzt schonend weiterverarbeitet, hohe Qualität gesichert und Energie gespart.

In der Pilotanlage werden unter einem Solardach mit integrierten Luftkollektoren die Chilis gewaschen, geschnitten, getrocknet und verpackt. Der gesamte Verarbeitungsprozess ist in einer Anlage integriert. Dank der neuen Technik aus Deutschland können die Bauern in der Region künftig mehr Chili anbauen und zu höheren Preisen verkaufen – eine lukrative und wichtige Ergänzung zum Reisanbau, mit dem sie den Lebensunterhalt ihrer Familien kaum bestreiten können.

Auch in Vietnam ist die von der Innotech GmbH entwickelte Solartechnik im Test. In der Provinz Bac Giang, einer bedeutenden Anbauregion nordöstlich von Hanoi, will eine Erzeugergenossenschaft ihre Anbaufläche für Lychees verdoppeln. Das Problem: Lychees können nur in ausgereiftem Zustand innerhalb von etwa drei Wochen geerntet werden. Bei der traditionellen Trocknung durch Rauchgase kommt es zu einer Schadstoffbelastung der Früchte, die weit über den in Europa zulässigen Grenzwerten liegt. Eine Lösung hierfür bietet der als Demonstrationsanlage bei der Erzeugergenosschenschaft errichtete solare Tunneltrockner. Darüber hinaus werden die lokalen Mitarbeiter in die neue Technik eingeführt. Das deutsche Unternehmen aus dem Stuttgarter Raum entwickelte für Hersteller, die für ausländische Abnehmer produzieren, auch eine größere Anlage. Der sogenannte Hordentrockner ist ein geschlossenes Schrank-Kammersystem mit 50 oder mehr Fächern. Das gleichmäßige schonende Trocknen wird durch überströmende Heißluft gewährleistet. Auf dem Dach installierte Solarkollektoren, kombiniert mit einer aus Biogas betriebenen Zusatzheizung, erzeugen umweltschonend die Energie für das Projekt.

Sollte auch diese zweite Demonstrationsanlage, die bei einer Kooperative in der Provinz Can Tho im Mekong-Delta aufgestellt wurde, den erwarteten Zuspruch finden, plant Innotech einzelne Komponenten des Hordentrockners wie Rahmen und Ventilatoren in Vietnam herzustellen. Nur noch die technisch anspruchsvollen Kollektoren und Antriebe müssten dann aus Deutschland importiert werden.


Programminformation

Die Partner vor Ort:
PPP-Mittel können von westeuropäischen Unternehmen oder deren Beteiligungsgesellschaften im Partnerland in Anspruch genommen werden. Vorausgesetzt werden eine mindestens 25%ige Beteiligung des Unternehmens und seine starke Stellung im Management.

Die Projekte:
Es werden Pilotprojekte und -anlagen, Ausbildungsmaßnahmen über den eigenen Bedarf hinaus (z. B. betriebliche Ausbildung, Qualifizierung von Zulieferern oder Mitarbeitern) sowie umwelt- und sozialorientierte Projekte mitfinanziert.

Der Beitrag zum Erfolg:
Die DEG übernimmt bis zu 50 % der Gesamtkosten, in der Regel nicht mehr als 200 000 Euro pro Projekt und die umfassende Beratung in jeder Projektphase. Das Unternehmen muss sich mindestens in Höhe des öffentlichen Beitrags an den Kosten beteiligen und das Vorhaben in eigener Verantwortung realisieren.

Der Ort des Geschehens:
In Entwicklungsländern sowie in Südosteuropa, im Kaukasus, in Zentralasien und in den Transformationsländern.

Die Kriterien:
Das Projekt leistet einen Beitrag zur Entwicklung des Partnerlandes. Es würde ohne öffentlichen Beitrag nicht realisiert, gehört nicht unmittelbar zum Kerngeschäft des Unternehmens und ist nicht gesetzlich gefordert.


DEG
Abt. Programmfinanzierung
Belvederestr. 40, 50 933 Köln
Telefon: 02 21/ 49 86 - 476
Telefax: 02 21 / 49 86 176
E-mail: ppp@deginvest.de




Rolf Gerber ist Leiter der Abteilung Programmfinanzierung der DEG. gr@deginvest.de