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 04/2004
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[ Jeffrey Sachs über die Millenniumsziele ]
Entwicklungshilfe verdoppeln!
Im Jahr 2005 wird ein Drittel der Frist verstrichen sein, in der die Armut weltweit um die Hälfte reduziert werden soll. Für US-Ökonom Jeffrey Sachs bietet das kommende Jahr die letzte Gelegenheit für einen Durchbruch; denn seit Verkündung der Millenniumsziele hat die Armut in vielen Ländern nicht ab-, sondern zugenommen. Sachs hat in seiner Funktion als Sonderberater von UN-Generalsekretär Kofi Annan kürzlich in mehreren afrikanischen Staaten die Möglichkeiten für eine Verwirklichung der Entwicklungsziele geprüft. Sein Ergebnis: Viele Länder wie Kenia, Äthiopien, Senegal und Ghana sind trotz funktionierender Verwaltung und detaillierter Pläne zur Armutsbekämpfung nicht in der Lage, der Armutsfalle zu entkommen. Die Gesundheitsversorgung sei vielerorts katastrophal, landwirtschaftliche Flächen seien ausgelaugt, Mangel herrsche überall.
Auf einer von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) veranstalteten Podiumsdiskussion Anfang März in Berlin forderte Sachs, der G8-Gipfel 2005 in London müsse die Verdoppelung der Entwicklungshilfe beschließen. Die Geber müssten ihr altes Versprechen einlösen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens an die Entwicklungsländer abzutreten. Andere Möglichkeiten gibt es nicht. Besonders heftig attackierte Sachs die USA. Unter der Administration von Präsident George W. Bush seien nicht nur die Rüstungsausgaben überdimensional gewachsen, sondern zugleich enorme Steuervergünstigungen verabschiedet worden. Die 400 reichsten Amerikaner verfügten über ein jährliches Einkommen von 69 Milliarden Dollar mehr als die Wirtschaftsleistung von fünf afrikanischen Nationen zusammen.
Der Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA), K.Y. Amoako, räumte ein, dass sich auch die afrikanischen Staaten bewegen und zuverlässige Rahmenbedingungen für eine effiziente Verwendung der Hilfe schaffen müssten. Unter den gegenwärtigen Umständen würden von Ausnahmen abgesehen die Millenniumsziele in Afrika verfehlt. AIDS und Malaria breiteten sich aus. Das tötet unsere Gesellschaft.
Und damit werde die Wiege der Menschheit zerstört, ergänzte der Botschafter Sambias. Im Einklang mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus Algerien, Mosambik, Südafrika und Äthiopien hielt er der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und den G8-Staaten vor, mit echter Hilfe zu geizen und nur zu fördern, was nichts koste good governance, zum Beispiel. Heuchlerisch und zynisch sei dieser Ansatz nach dem Motto: Wir können helfen, haben aber kein Geld. Sachs assistierte mit dem Aufruf zu einer zielgetriebenen Entwicklungsstrategie, die sich am wirklichen Bedarf und nicht an der vorgeblich knappen Haushaltslage in den Geberländern orientiere.
Johannes Wendt
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