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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Afrika:
Leiden eines Reporters
Wohlfahrt im Islam:
Einsichten und Ansätz
US-Außenpolitik:
An den Problemen vorbei
Konsum gefährdet unseren Planeten
 04/2004
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Wohlfahrt im Islam:
Einsichten und Ansätze
Für die Armen zu geben ist im Islam eine religiöse Pflicht. Was das für die soziale Sicherung in islamischen Gesellschaften in Afrika bedeutet, untersucht der von Holger Weiss herausgegebene Band. Er betrachtet islamische Wohlfahrtsleistungen sowohl von Regierungen in Afrika als auch von nichtstaatlichen Vereinigungen und Initiativen. Der zweite Aspekt liefert dabei die eindeutig originelleren Einsichten.
Holger Weiss betrachtet zunächst den Diskurs über das obligatorische Almosen (zakat) unter islamischen Gelehrten verschiedener Länder und Epochen. Leider bleibt er auf der Ebene der Theorie. Endre Stiansen schildert, wie der Geltungsbereich des islamischen Rechts im Sudan seit der Unabhängigkeit immer weiter ausgedehnt worden ist auch auf das Wirtschaftsrecht. Er betont, dass damit keines der Probleme des Sudan gelöst wurde.
Das bestätigt der faszinierende Beitrag von Rüdiger Seesemann über soziale Initiativen von zwei Sufi-Führern im Sudan. Er kritisiert, dass es methodisch in die Irre führt, die Haltung zur Wohlfahrt aus theologischen Doktrinen abzuleiten, und geht stattdessen ethnologisch vor. An zwei Beispielen einer Schule für Straßenkinder und einem Hospital zeigt er, dass einige Sufi-Führer neuartige soziale Probleme innovativ angehen. Der Staat versage auf diesem Gebiet völlig und verwende das Geld aus den obligaten Almosen indirekt für den Bürgerkrieg im Südsudan für Verwundete seiner Armee oder Familien von Gefallenen. Interessant ist ein Vergleich mit Ländern wie Algerien und Ägypten: Dort übernehmen islamistische Gruppen Wohlfahrtsaufgaben und gewinnen damit Legitimität. Im Sudan geschieht Ähnliches mit umgekehrten Fronten, denn hier beherrschen die Islamisten den Staat.
Ähnlich spannend liest sich die Analyse der Reform des muslimischen Schulwesens im Senegal. Sie zeigt, dass staatliche Schulen mit ihrem Konzept moderner Bildung die Koranschulen der Marabuts lange nicht verdrängen konnten unter anderem weil die das Bedürfnis nach einer religiös geprägten Sozialisation der Kinder erfüllten und diesen kostenlos eine Art Heim gaben. Erst als das immer schlechter funktionierte, gelang es islamischen Reformern zusammen mit dem Staat, das islamische Schulwesen von innen zu modernisieren.
Solche sozialgeschichtlichen Ansätze werfen Schlaglichter darauf, wie komplexe Strategien der sozialen Sicherung in Gesellschaften entstehen, die nur schwache Staaten besitzen und soziale Umbrüche durchleben. Und der genaue Blick macht deutlich, dass islamische Wohlfahrtsleistungen ein Bestandteil von lebhaften Auseinandersetzung innerhalb islamischer Gesellschaften über richtige gesellschaftliche Werte und Ordnungen sind.
Bernd Ludermann
Holger Weiss (Hg.):
Social Welfare in Muslim Societies in Africa.
Uppsala, Nordic Africa Institute 2002,
188 S., 17,95 Pfund, ISBN 91-7106-481-8
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