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04/2005
 

[ Gentechnik ]

Debatte um Bt-Baumwolle in Indien geht weiter

Die indische Regulierungsbehörde für Gentechnik (GEAC) hat im März sechs neue gentechnisch veränderte Baumwollsorten zugelassen. Das wird dem Streit über den Nutzen der so genannten Bt-Baumwolle neue Nahrung geben. Ein Forscherteam um den Agrarökonomen Matin Qaim von der Universität Hohenheim hat zu dieser Frage neue Ergebnisse vorgelegt: In der ersten kommerziellen Anbausaison nach der Freigabe von drei Bt-Baumwollsorten durch die GEAC im Jahre 2002 haben die Bauern insgesamt Gewinne erzielt, heißt es in der Studie. Es habe aber erhebliche regionale Unterschiede gegeben: In Andhra Pradesh hätten die Bauern Verluste gemacht. Gentechnik-Kritiker zweifeln die Ergebnisse an: Suman Sahai, die Leiterin der Organisation Gene Campaign in Delhi, sagt, es gebe eine Fülle von Studien, die belegten, dass der Anbau nicht nur in Andhra Pradesh, sondern auch in anderen Bundesstaaten ein Reinfall war.

Das Team um Qaim hatte 2003 Farmer in den Bundesstaaten Maharashtra, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh befragt, welche Ergebnisse sie mit der insektenresistenten Baumwolle des Herstellers Mahyco erzielt haben. Mahyco ist eine Tochter des US-Konzerns Monsanto, dem Weltmarktführer für genveränderte Nutzpflanzen, der die Rechte an der Bt-Technik hat. Im landesweiten Durchschnitt habe sich der Anbau der Bt-Baumwolle rentiert, argumentieren die Forscher: Die Bauern hätten deutlich weniger Insektizide sprühen müssen und im Vergleich mit nicht-genveränderten Sorten um 34 Prozent höhere Erträge erzielt. Zwar sei das Bt-Saatgut mehr als drei Mal so teuer wie das für herkömmliche Sorten, doch die höheren Ernteerträge hätten die Gewinne der Bauern unterm Strich um zwei Drittel erhöht.

Nur in Andhra Pradesh habe die Bt-Baumwolle den Bauern Verluste beschert. Laut Qaim und seinen Kollegen liegt das zum einen daran, dass in Andhra Pradesh die Bauern mehr Insektizide sprühen als in anderen Bundesstaaten. Dadurch seien die Ernteverluste bei herkömmlicher Baumwolle und damit auch der Vorteil der insektenresistenten Sorten kleiner. Zum anderen seien viele der in Andhra Pradesh befragten Bauern von einer Dürre betroffen gewesen, und die 2002 für den Anbau zugelassenen drei Bt-Baumwollsorten seien nicht sehr widerstandsfähig gegen Wasserknappheit. „Grundsätzlich muss immer dann mit negativen Auswirkungen, die sich auf das Erbmaterial zurückführen lassen, gerechnet werden, wenn herkömmliche Hybride besser angepasst sind an lokale biologische und nicht-biologische Stressfaktoren als das Erbmaterial, in das das Bt-Gen eingebaut wurde“, heißt es in dem Papier.

Laut der Gentechnik-Kritikerin Suman Sahai war dieser Effekt, dass lokale nicht-genveränderte Sorten bessere Ergebnisse brachten als die Mahyco-Baumwolle, freilich nicht nur in Andhra Pradesh, sondern in allen Bundesstaaten zu beobachten, in denen 2002/2003 Bt-Baumwolle gepflanzt wurde. Das hätten nicht nur Studien von zivilgesellschaftlichen Organisationen, sondern auch staatliche Untersuchungen ergeben. So stellt das Landwirtschaftsministerium von Karnataka fest, die Bt-Baumwolle habe höhere Erträge gebracht, dafür aber niedrigere Marktpreise erzielt – wenn überhaupt Gewinne mit der Bt-Baumwolle erzielt worden seien, dann nur sehr kleine. Die Regierung von Maharashtra kam zu ähnlichen Ergebnissen, während es im Bericht des Landwirtschaftsministeriums von Gujarat heißt, Bt-Baumwolle habe den Bauern große Verluste beschert. Laut Sahai gilt das nicht nur für die erste Anbausaison: „Die Monsanto-Baumwolle hat keine guten Ergebnisse gebracht, weder in Andhra noch anderswo – außer im ersten Anbaujahr im bewässerten Baumwollgürtel in Tamil Nadu.“

Sahai schließt nicht aus, dass auch in Indien mit genveränderter Baumwolle reiche Ernte eingefahren werden kann. So habe eine im April 2004 neu zugelassene Bt-Sorte des Herstellers Rasi Seed in ihrer ersten Saison gute Ergebnisse erzielt. Dieser Befund der Gentechnik-Kritikerin stützt freilich die zentrale Schlussfolgerung der Befürworter: Qaim und sein Team plädieren dafür, in Indien die Zulassungsverfahren für neue Bt-Sorten zu beschleunigen, so dass stets insektenresistente Versionen der jeweils neuesten und besten Hybride erhältlich sind. Ihr Fazit: „Eine hinreichend große Auswahl an modifizierten Sorten, die unterschiedlichen Bedingungen angepasst sind, ist wichtig, um den agronomischen und den ökonomischen Nutzen genveränderter Nutzpflanzen zu maximieren.“

Tillmann Elliesen




Weitere Informationen:
http://www.genecampaign.org