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 04/2005
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[ Finanzkrise ]
Argentinien setzt sich gegen Anleger durch
Argentinien hat die größte Umschuldung in der Geschichte der internationalen Finanzmärkte durchgesetzt. Anfang des Jahres hatte Präsident Néstor Kirchner den privaten Gläubigern angeboten, ihre Anleihen umzutauschen. Die neuen Anleihen bieten den Anlegern deutlich schlechtere Konditionen: Ihr Nominalwert beträgt nur ein Drittel der Altanleihen, die Laufzeiten sind länger, die Zinsen niedriger. Trotzdem haben drei Viertel der Anleger das Angebot angenommen. Argentinien konnte dadurch eigenen Angaben zufolge seine Auslandsschulden von 190 Milliarden auf 125 Milliarden US-Dollar reduzieren. Die Staatsverschuldung ist mit 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar noch hoch, aber die jährliche Zinslast ist von 10 Milliarden im Jahr 2001 auf 3 Milliarden Dollar gesunken.
Kirchner hatte die Anleger von Anfang an nach dem Motto Wer nicht tauscht, verliert alles unter Druck gesetzt. Experten halten es aber für wahrscheinlich, dass die Regierung noch eine zweite Tauschrunde anbietet, um sich eine günstigere Position in den anstehenden Kreditverhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu verschaffen. Sollte eine solche zweite Runde bessere Konditionen bieten, muss die Regierung den Wert der im ersten Anlauf getauschten Papiere nachträglich anheben. Gibt es keine zweite Runde, dann können die Anleger, die nicht getauscht haben, ihre Forderungen nur noch in langwierigen Gerichtsverfahren einklagen.
Die Verhandlungen mit dem IWF sind wichtig für Argentiniens Stellung auf dem internationalen Finanzmarkt. Die hohe Beteiligung spricht dafür, dass der Fonds die Umschuldung als Erfolg wertet. Sollten sich Argentinien und der IWF jedoch nicht einigen, wird es für das Land schwer, neue private Kreditgeber zu finden wenn überhaupt, dann dürfte das in diesem Fall nur zu sehr schlechten Konditionen gelingen. Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen ist die Bereitschaft Argentiniens, grundlegende Wirtschaftsreformen durchzuführen. Einigung muss auch über die Laufzeiten der argentinischen Schulden beim IWF und über die Vergabe neuer Kredite erzielt werden. Ein wichtiger Punkt ist zudem die Frage nach dem Umgang mit Anlegern, die nicht getauscht haben.
Mit der Umschuldungsaktion hat Argentinien mit Macht seine Vorstellungen entgegen der gängigen Praxis im Umgang mit Finanzkrisen durchgesetzt. Das Land hatte Ende 2001 seine Zahlungsunfähigkeit erklärt und jegliche Zinszahlungen eingestellt. Mitte 2004 beendete Argentinien die Zusammenarbeit mit dem IWF. Finanzexperten halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass das Vorgehen Nachahmer findet. Die Gläubiger seien nun sensibilisiert und ließen sich nicht mehr so leicht überraschen. Uruguay hat sich bereits explizit von Argentiniens Vorgehen distanziert, um Anleger nicht zu verunsichern.
Claudia Isabel Rittel
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