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Haiti ohne Perspektive
 04/2005
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Haiti ohne Perspektive
Ein Jahr nach dem Sturz von Jean-Bertrand Aristide wartet Haiti noch immer auf die zugesagten Hilfsgelder für Wiederaufbau und Entwicklung. Nach Angaben des Leiters der UN-Mission in Haiti, Juan Gabriele Valdés, ist bislang höchstens ein Zehntel der auf einer Geberkonferenz im Sommer 2004 zugesagten 1,4 Milliarden Dollar angekommen. Regierungschef Gérard Latortue hatte jüngst die EU, die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank kritisiert, weil diese ihre Zusagen nicht eingelöst hätten.
Doch auch die Arbeit der provisorischen Regierung steht in der Kritik: Es gebe keine nationale Strategie, keine Koordination und Planung zwischen den Ministerien, monieren internationale Aufbauhelfer. Laut Amnesty International (AI) droht das Land in Chaos und Anarchie zu versinken. Polizei und illegale Bewaffnete töteten auf offener Straße, heißt es in einer AI-Stellungnahme. Frühere Militärs und Anhänger Aristides kontrollierten weite Teile des Landes. Die Übergangsregierung und die UN-Mission haben es versäumt, die Gruppen zu entwaffnen, klagt Jérôme Cholet, Haiti-Experte von Amnesty International.
Für den 13. November sind Präsidenten- und Parlamentswahlen in dem Inselstaat angesetzt. Doch wie unter diesen Bedingungen eine Demokratisierung erfolgen soll, ist unklar. Ein ernstzunehmender Wahlkampf sei unmöglich, solange Meinungen nicht geäußert werden können und politische Konflikte mit Waffengewalt geklärt werden, urteilt Cholet. (orb)
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