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Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
Millenniumprojekt: Privatsektor hat eine Schlüsselfunktion
MDGs: Nötig ist PPP in großem Stil
E-Learning mit traditionellen Lehr- und Lernmethoden
Ch@t der Welten bildet nachhaltig
 04/2005
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[ UN-Millenniumprojekt ]
Der private Sektor hat eine Schlüsselfunktion
Die Millenniumentwicklungsziele zu erreichen gilt vor allem als öffentliche Aufgabe. Den möglichen Beitrag des Privatsektors dazu diskutierte ein internationaler Politikdialog des Entwicklungspolitischen Forums von InWEnt im Februar in Berlin. An ihm nahm auch der Leiter des UN-Millenniumprojekts, Jeffrey Sachs, teil. Im Gespräch mit E+Z/D+C erläutert Sachs, wie private Unternehmen helfen können, Armut zu reduzieren.
[ Interview mit Jeffrey Sachs ]
Professor Sachs, Wirtschaftswachstum zugunsten der Armen pro-poo growth ist eines der Modethemen in der Debatte über die Rolle des Privatsektors bei der Erreichung der Millennium Development Goals (MDGs). Wie muss Wachstum aussehen, damit es den Armen nutzt?
Wirtschaftswachstum ist ein zentraler Faktor, um die Armut zu bekämpfen. Nachhaltiges, langfristiges Wachstum ist nötig, um Menschen aus der Armut zu befreien und Staaten zu befähigen, alle Millenniumentwicklungsziele zu erreichen. Allerdings reicht eine Politik, die freie Märkte fördert, für langfristiges Wachstum allein kaum aus. Die Armen brauchen Voraussetzungen, die ihre Leistungspotenziale fördern. Deshalb sind Investitionen in die Gesundheitsversorgung, Bildung, die Bekämpfung von Krankheiten, Umweltschutz nicht nur soziale Nettigkeiten, sondern Kernstrategien für eine langfristig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Nur wenn in die nicht-ökonomischen Millenniumsziele investiert wird, wird es möglich sein, auch das ökonomische Millenniumsziel zu erreichen: die Einkommensarmut zu verringern.
In vielen armen Ländern besonders Afrikas wächst die große Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen überhaupt nicht. Sie kommen mit dem, was sie erwirtschaften, gerade so über die Runden. Was muss getan werden, um diese Unternehmen voranzubringen, damit sie wachsen und Arbeitsplätze schaffen können?
In Ländern, in denen es nur eine unzureichende Basisinfrastruktur gibt und in denen eine große Zahl von Menschen keinen Zugang zu Bildung hat oder an chronischen Krankheiten leidet, ist es sehr schwer, Unternehmen profitabel zu gestalten. Oft sind die Märkte so klein, dass sich niedrigere Produktionskosten durch größere Stückzahlen kaum erreichen lassen. Im südlichen Afrika herrschen darüber hinaus ungünstige agroökologische Voraussetzungen (Krankheiten, unregelmäßige Niederschläge etc.), die für den größten privaten Sektor der Region die kleinbäuerliche Landwirtschaft ein enormes Problem darstellen. Keine dieser Herausforderungen ist unüberwindbar. Aber alle erfordern materielle Investitionen. Öffentliche Investitionen in die grundlegende Infrastruktur, soziale Dienste und die regionale Integration können das Wachstum des privaten Sektors in Afrika fördern, besonders den Übergang von der Subsistenzwirtschaft zur kommerziellen Landwirtschaft und von informellen städtischen Dienstleistungen zum Export von Waren und Dienstleistungen aus den städtischen Gebieten. Das ist auch eine Lehre aus Ostasien. Größere Investitionen in die Bevölkerung, Umwelt und materielle Infrastruktur haben dort den Grundstein für langfristiges Wachstum gelegt. Zusätzlich zu öffentlichen Investitionen müssen die Länder natürlich auch weiterhin das Politikumfeld verbessern.
Wie kann erreicht werden, dass ausländische Direktinvestitionen zu Entwicklung und einer Verringerung der Armut beitragen?
Ausländische Direktinvestitionen sind entscheidend für wirtschaftliches Wachstum. Sie erreichen aber nur diejenigen Entwicklungsländer, die eine adäquate Basis bei Infrastruktur und Humankapital besitzen. So gehen im Augenblick weniger als fünf Prozent der nicht in den Erdölsektor fließenden Auslandsdirektinvestitionen ins südliche Afrika. Die Länder müssen nicht nur die notwendigen makroökonomischen Bedingungen herstellen, damit der Privatsektor wachsen kann, sie müssen auch ein Mindestmaß an materieller Infrastruktur und Humankapital (Gesundheit der Beschäftigten und Bildung) garantieren. Darüber hinaus sollten einkommensschwache Länder vorübergehend Anreize für ausländische Investoren schaffen, um die Entstehung neuer, nichttraditioneller exportorientierter Sektoren zu erleichtern. Deshalb empfiehlt das UN-Millenniumprojekt spezifische Aktionen (Einrichten von Freien Exportzonen, Steueranreize etc.), um verantwortungsvolle ausländische Investitionen in einkommensschwachen Ländern anzuregen, die bislang noch keine solchen Zuflüsse in größerem Umfang erhalten haben.
Unter welchen Bedingungen können Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft zur Armutsbekämpfung beitragen?
Einige grundlegende Dienstleistungen müssen öffentlich finanziert werden (beispielsweise die Elementarschulbildung, wissenschaftliche Forschung und Basisgesundheitsversorgung). Aber in vielen Fällen kann der Privatsektor ein Hauptpartner für die Einrichtung und Bereitstellung von wichtiger Infrastruktur und Diensten sein. Wir sehen jeden Tag, dass Privatunternehmen ganz hervorragend effizient und angemessen Dienste anbieten und Infrastruktur bereitstellen. Das Problem in armen Ländern ist, dass die arme Bevölkerung einfach nicht das Geld hat, um für Grundbedürfnisse wie ausreichend Energie, sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen zu zahlen. Auf der anderen Seite sind diese notwendige Voraussetzungen für ein produktives Leben. Private Unternehmen werden diese Dienstleistungen unter den gegebenen Umständen nicht von allein bereitstellen. Öffentlich-private Partnerschaften können eine effektive Strategie darstellen, um wichtige soziale Dienste anzubieten. Dabei fördert die öffentliche Finanzierung (besonders Subventionen für die arme Bevölkerung) die Bereitstellung von lebensnotwendigen Dienstleistungen durch private Unternehmen.
Ihr Bericht erwähnt die Bedeutung von privaten Spenden für die Entwicklungsfinanzierung. Wäre es nicht besser, die Steuersätze für Spitzenverdiener zu erhöhen, um öffentliche Dienste zu finanzieren statt von der Großzügigkeit einzelner Unternehmer abhängig zu bleiben?
Zu den wichtigsten Feststellungen des Millenniumprojektes gehört, dass die einheimischen Ressourcen in einkommensschwachen Ländern nicht ausreichen, um jene Investitionen zu tätigen, die zum Erreichen der Millenniumsziele nötig sind. Die Mittel sind einfach nicht vorhanden. Daran würde auch ein effektiveres nationales Steuersystem nichts ändern. Internationale Privatspenden leisten einen wertvollen Beitrag zur weltweiten Entwicklung, aber sie machen nur einen sehr bescheidenen Teil der weltweiten Netto-Entwicklungshilfe aus. Und, was noch wichtiger ist, sie finanzieren im allgemeinen nicht die Bereitstellung öffentlicher Dienste in einkommensschwachen Ländern. Hauptquelle externer Finanzmittel zum Erreichen der Millenniumsziele auf nationaler Ebene bleiben die offiziellen staatlichen Entwicklungsgelder. Unsere Ergebnisse zeigen, dass 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes der reichen Länder genügend Geldmittel bereitstellen würden, um die MDGs zu erreichen. Aus diesem Grund rufen wir alle reichen Länder auf, die Entwicklungsausgaben bis zum Jahr 2015 auf 0,7 Prozent ihres BSP zu erhöhen. Wir hoffen, dass Deutschland schon bald dem Beispiel Belgiens, Finnlands, Frankreichs, Irlands, Spaniens und Britanniens folgen wird, die sich jüngst auf einen Zeitplan zum Erreichen dieses Ziels verpflichtet haben. Die Länder schließen sich damit Dänemark, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Schweden an, die dieses Ziel schon vor langer Zeit erreichten.
Sind Sie mit der Unterstützung durch multinationale Unternehmen zufrieden?
Es sind viele große multinationale Unternehmen an mich herangetreten, die mehr machen wollen, damit die Millenniumsziele erreicht werden. Im Augenblick untersuchen wir verschiedene Möglichkeiten, wie wir ihre Expertise und Energie nutzbar machen können. Es ist bemerkenswert, wieviel Enthusiasmus und Hilfsbereitschaft es im privaten Sektor gibt. Die größte Herausforderung ist, die richtige Schnittstelle zu finden, die es diesen Firmen ermöglicht, mit Regierungen, der Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen zusammen zu arbeiten. Ich ermutige jedes multinationale Unternehmen, das mehr tun möchte, Kontakt zum Millenniumprojekt aufzunehmen. Die Mitwirkung der Privatunternehmen an den Millenniumszielen ist entscheidend, um eine gesunde und sichere Welt zu schaffen und sie wirkt sich hervorragend auf die langfristige Moral und das Ansehen von sozial verantwortlich handelnden Firmen aus.
Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.
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