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E-Learning mit traditionellen Lehr- und Lernmethoden

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04/2005
 

[ Berufliche Bildung ]

E-Learning mit traditionellen Lehr- und Lernmethoden

Wie sich moderne Methoden mit traditionellen Formen des Lernens verbinden lassen, zeigt eine erfolgreiche ägyptisch-deutsche Kooperation. Ägypten will das Projekt nach dem Ende der Pilotphase fortsetzen und ausdehnen. Zudem soll es inhaltlich weiterentwickelt und auf unterschiedliche Zielgruppen ausdifferenziert werden.


[ Von Martina Müller-Norouzi und Uwe Wieckenberg ]

E-Learning kann sein Potenzial besonders dort ausschöpfen, wo theoretische Inhalte vermittelt werden. Sein Nachteil ist, dass es berufliche Fertigkeiten nur unzureichend oder gar nicht praktisch erfahrbar machen kann. Deshalb ist gerade in der beruflichen Bildung die Verbindung von traditionellen (face-to-face) mit modernen Vermittlungsmethoden (E-Learning) wichtig. Nur mit diesem „blended learning“ lassen sich sowohl theoretische als auch praktische Inhalte zeitnah und effektiv transferieren. Das sind zentrale Erkenntnisse einer ägyptisch-deutschen Pilotmaßnahme im Bereich der beruflichen Bildung, die nun zu Ende gegangen ist.

Ägypten zählt 3,8 Millionen Internetnutzer (Angabe des Ministeriums für Kommunikation und Informationstechnik). Das Land hat sich mit der ausdrücklichen Unterstützung seiner Regierung eine im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten gute Basis zum Ausbau und zur Weiterentwicklung des Zugangs und der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien geschaffen. Momentan werden die daraus resultierenden technischen Möglichkeiten allerdings noch nicht ausreichend genutzt.

Nach dem Ende der Pilotphase wird deshalb gemeinsam mit den ägyptischen Partnern darüber nachgedacht, wie sich der Stellenwert von E-Learning in der beruflichen Bildung vergrößern lässt. InWEnt plant, ergänzend zur bisherigen Basisschulung spezielle Themen für unterschiedliche Zielgruppen im Rahmen von Fortbildungen anzubieten. Darauf aufbauend soll weiterführendes Management-Wissen vermittelt werden. Ein regelmäßig stattfindendes Symposium zu „E-Learning Management in Technical Vocational Education and Training (TVET) Processes“ könnte zusätzlich allen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern Gelegenheit zum Austausch und zur Weiterentwicklung geben.

„E-Learning is not the overall solution for the problems of education and vocational training, but E-Learning will definitely be a relevant instrument and media for education and training in the knowledge society of the future.” Mit diesen Worten hatte eine InWEnt-Konferenz über „E-Learning Management in TVET Processes” im Juli 2004 in Kairo die Möglichkeiten des neuen Mediums umrissen. Doch welche neuen Wege der Wissensvermittlung und des Wissensaustausches lassen sich beschreiten? Aufbauend auf die langjährige Zusammenarbeit mit den für die berufliche Bildung zuständigen ägyptischen Partnern aus dem Industrie- und Erziehungsministerium und den dort angesiedelten Berufsbildungsprojekten der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) entwickelte InWEnt ein bedarfsorientiertes Programm. Es verbindet moderne, auf E-Learning basierende Formen mit traditionellen Methoden von Lehren und Lernen in der beruflichen Bildung.

Der Auftaktveranstaltung folgte ein Fortbildungsprogramm, das zwei Präsenz-Seminare mit einem sechswöchigen Online-Kurs auf der InWEnt-Lernplattform Global Campus 21 kombinierte. An dieser Fortbildung nahmen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener ägyptischer Ministerien und privater Firmen teil.

Die Vorstellungen der Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer über E-Learning gingen zunächst in entgegengesetzte Richtungen: Zum einen herrschte eine große Euphorie bezüglich der Möglichkeiten der neuen Lehr- und Lernform („you can replace anything with E-Learning“). Zum anderen existierte große Skepsis für den Bereich der beruflichen Bildung, da hier die persönliche Interaktion zwischen Ausbilder und Lernenden als unumgänglich für den Erwerb von Fertigkeiten angesehen wurde („how can you train skills through the internet?“).

Einige ägyptische Partner hatten bereits erste Erfahrungen mit Formen von E-Learning gemacht, die das in Ägypten vorherrschende Lehrparadigma (Frontalunterricht) aufgriffen und synchrone Vermittlungsmethoden bevorzugten. Dadurch beschränkte sich E-Learning oftmals auf die zeitgleiche Übertragung eines Lehrvortrages über Intranet oder Internet, ohne dass ausreichende Interaktionsmöglichkeiten zwischen Lehrenden und Lernenden bestanden.


Kommunikation und Interaktion wichtig

Das von InWEnt konzipierte Programm orientierte sich dagegen auch in der Online-Phase an den didaktischen Prinzipien der Teilnehmer- und Handlungsorientierung. So wurde der Kommunikation und Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden sowie zwischen den Lernenden untereinander ein hoher Stellenwert eingeräumt. Das war für viele Kursteilnehmer ungewohnt, stieß bei den meisten aber auf äußerst positive Reaktionen. Der Fokus liegt bei dieser Form des E-Learning auf der Ungleichzeitigkeit von Kommunikation und Interaktion. Das erlaubt größere Möglichkeiten der Selbststeuerung des Lernprozesses („anyplace and anytime“). Den Teilnehmenden konnte damit ein übertragbares Modell präsentiert werden, das E-Learning mit traditionellen Lehrsituationen der beruflichen Bildung verbindet und die Vielfalt sowie die Vor- und Nachteile von E-Learning veranschaulicht.

Der „Arab Human Development Report“ hatte 2003 eine wachsende Wissenskluft zwischen den Industrienationen und den arabischen Ländern konstatiert. Deren Ursachen sah er nicht zuletzt in verschiedenen Zugangsbarrieren zu modernen Informationstechnologien. Um die drohende Abkoppelung dieser Länder von den weltweiten technologischen und ökonomischen Entwicklungen zu verhindern, forderte der Bericht den Aufbau einer Wissensgesellschaft in den arabischen Ländern.





Martina Müller-Norouzi
arbeitet in der Abteilung „Technologiekooperation, Systementwicklung und Management in der Beruflichen Bildung“ von InWEnt. Als Projektmanagerin organisiert sie unter anderem Programme mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Nahen Osten und Nordafrika.
martina.mueller-norouzi@inwent.org

Uwe Wieckenberg
ist Berater und Trainer für E-Learning und Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung und arbeitet als Dozent für InWEnt.
wieckenberg@bildungstransfer.de