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Beiträge aus der Rubrik InWEnt-Forum
Kommunale Hilfe
Kontrolle ist nötig
 04/2006
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[ Armutsbekämpfung ]
Kontrolle ist nötig
Die Poverty Reduction Strategy Papers sind zu einem zentralen Instrument der Entwicklungspolitik
geworden. Effizientes Monitoring hilft, die nationalen Strategien umzusetzen.
[ Von Barbara Kloss-Quiroga und Sabine Rubel ]
Ich fordere alle politischen Akteure auf, die Armen in die Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut einzubeziehen,
sagt Martha Luleka, Assistentin der Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments. Hört auf die Armen! Nur so
erfahren wir das wahre Ausmaß ihrer Not.
In der Tat war ein typischer Mangel der ersten Generation von Armutsbekämpfungsstrategien, die als
Bedingung für den multilateralen Schuldenerlass aufgestellt werden mussten, die unzureichende Beteiligung
der gesellschaftlichen Akteure. Inzwischen arbeiten viele Entwicklungsländer mit Strategien der zweiten oder
gar der dritten Generation. Uganda etwa hat eine mehr als zehnjährige Erfahrung, solche Konzepte auszuarbeiten
und umzusetzen. Wir haben der Weltbank gezeigt, wie man es macht, sagt Richard Sewakiryanga vom Uganda
Participatory Poverty Assessment Project (UPPAP) des Finanzministeriums in Kampala. Bei den ersten Strategien
haben wir es aber versäumt, die Armen als Betroffene an Planung und Durchführung adäquat zu beteiligen.
Nur wenn die Regierung eine echte Debatte zulässt, umfassend informiert und Akteure wie Parlament und
zivilgesellschaftliche Organisationen in den Prozess einbezieht, lassen sich die notwendigen Schritte partizipativ
erarbeiten. Ohne solche Teilhabe ist es auch nicht möglich, die Implementierung zu überwachen. Klare Zuständigkeiten
sind dafür unabdingbar. Ohne Kontrolle lassen sich weder nationale Prozesse steuern noch die Millenniumsziele (MDGs) erreichen.
Geber und Nehmer stehen vor vier Fragen:
- Was soll erreicht werden?
- Welche Bedingungen und Instrumente sind erforderlich?
- Was ist leistbar?
- Wo liegen die zentralen Herausforderungen?
Armutsbekämpfungsstrategien laufen auf komplexe Interventionen in Bereiche wie Landwirtschaft,
Infrastruktur, Gesundheit und Bildung hinaus. Positive Wechselwirkungen sind ausdrücklich erwünscht.
Monitoring informiert dabei Regierung, Parlament und Bevölkerung über Erfolg und Misserfolg der Aktivitäten.
Mangelhafte Informationen ziehen nämlich oft unzureichende Ergebnisse nach sich. Monitoring kann zudem einen
Lernprozess in Gang setzen, der good practices über Ländergrenzen hinweg vermittelt. Auch die Geber können
Rückschlüsse daraus ziehen.
Monitoring ist aber kein Wert an sich. Es ist nur von Nutzen, wenn Informationen produziert werden, die auf
die Bedürfnisse der jeweiligen Entscheidungsträger abgestimmt sind, folgerte Bernd Schubert, ehemaliger Direktor
des Seminars für ländliche Entwicklung an der Humboldt Universität Berlin, kürzlich am Ende einer InWEnt-Konferenz
über Erfahrungen in der Planung, Umsetzung und Kontrolle von Strategien der Armutsbekämpfung. Es komme darauf an,
Effekte in ihrem Gesamtzusammenhang zu erkennen.
Unmissverständliche Kriterien
Echtes Monitoring hängt von klaren Aktionsplänen und eindeutigen Indikatoren ab. Ohne solche Daten kann die Realität
nicht an strategischen Ansprüchen gemessen werden. Häufig gibt es zwischen Zielformulierung und Aktionsplänen einen
Bruch. Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Einheitlichkeit der Daten sind weitere Voraussetzungen für den Erfolg
von Monitoring. Wenn Daten nicht konsistent erhoben werden, ist das Ergebnis letzlich nicht viel wert.
Brüche prägen aber oft schon die nationale Arbeitsteilung. In Uganda ist das Büro des Premierministers (OPM) für
das Monitoring der Armutsbekämpfungsstrategie zuständig. Die gesamte nationale Entwicklungsplanung aber obliegt
der 2002 durch Parlamentsbeschluss gegründeten Nationalen Planungsbehörde (NPA). Das Finanzministerium
wiederum ist für das Budget verantwortlich. Daraus resultiert ein erheblicher Abstimmungs- und Koordinierungsbedarf.
Andere Länder wollen dezentrale Verwaltungsebenen stärker einbinden. Malawi beispielsweise hatte Monitoring und
Evaluation bislang überwiegend im Ministerium für Planung und Entwicklung angesiedelt. Untere politische Ebenen
blieben wegen mangelnder Kenntnisse außen vor. Die Regierung will durch Fortbildung nun auch die unteren
Verwaltungsebenen in die Lage versetzen, Daten zu erheben, diese aufzubereiten und Schlussfolgerungen zu ziehen.
Das NRO-Bündnis Malawi Economic Justice Network (MEJN) hat seinerseits auf die Herausforderungen im Land
reagiert. Es hat ein unabhängiges Monitoringsystem aufgebaut, das auch die dezentrale Ebenen einschließt. MEJN führt
beispielsweise Budget-Tracking-Studien durch, die die Ausgaben der Regierung nachvollziehen. Service-Delivery-Satisfaction-Surveys
erfragen die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den staatlichen Dienstleistungen. Die Ergebnisse werden der Regierung mitgeteilt
und gehen in den politischen Prozess ein. MEJN achtet auf professionelle Methodik. Nur so lasse sich verhindern, betont ein
Sprecher, dass die Regierung die Ergebnisse anfechtet.
Der neue malawische Masterplan für Monitoring und Evaluation sieht vor, die Daten erhebenden Einheiten in Zukunft besser
zu koordinieren. Die Regierung möchte auch die Aktivitäten der Zivilgesellschaft im nationalen Kontrollsystem berücksichtigen.
Wie weit das System von MEJN einbezogen wird, ist trotzdem noch offen. Einige MEJN-Mitglieder äußern nämlich Skepsis.
Sie betonen, sie wollten ihre Rolle als unabhängige Wachhunde nicht verlieren. Deshalb scheuen sie davor zurück, sich in
amtliche Verfahren einbinden zu lassen.
Experten fordern, dass die Poverty Reduction Strategy Papers rechtskräftige Instrumente mit demokratischer Legitimation
werden. Deshalb ist Einbindung der gewählten Volksvertretungen noch wichtiger als die der Zivilgesellschaft. In Malawi
arbeiten zivilgesellschaftliche Organisationen eng mit Parlamentariern zusammen. Das hat die demokratischen Strukturen
gestärkt. Manche Abgeordnete möchten das Parlament in Zukunft noch stärker in den Monitoringprozess einbringen. Die
Abgeordneten sollten in der Lage sein, die Ergebnisse zu prüfen und den nationalen Haushalt zu kommentieren. Doch dafür
müssten die Volksvertreter zunächst geschult werden.
Umstritten ist, in welchem Maße traditionelle Autoritäten beteiligt werden sollen. Anders als zivilgesellschaftliche Organisationen
verfügen sie nicht über nachgewiesene Fachkompetenz. Und im Gegensatz zu Volksvertretern haben sie keine demokratische Legitimation.
Chiefs sind aber in Ländern, die noch stark von Traditionen geprägt sind, einflussreiche Leute. Viele von ihnen wollen mitreden und zwar
am liebsten im kleinen Kreis mit den administrativ Verantwortlichen. Agnes Musunga vom Ministerium für Finanzen und Nationale Planung
in Sambia räumt ein: Neben zivilgesellschaftlichen Organisationen und Parlament sollten auch traditionelle Führer konsultiert werden.
Auch die Geber müssen ihre Rolle richtig spielen. Sie tragen entscheidend zum Erfolg bei, wenn sie sich auf die nationalen Monitoring-Systeme
einlassen und darauf verzichten, Daten entsprechend ihren eigenen Regeln und Rechenschaftsmethoden einzufordern. Das Bemühen, sich auf
eine gemeinsame Strategie zu einigen, setzt komplexe Abstimmungsprozesse in Gang. Ein positives Beispiel ist Uganda. Hier arbeiten acht Geber
gemeinsam mit der Regierung in der Ugandan Joint Assistance Strategy (UJAS) an der Umsetzung des Armutsreduktionsprogramms.
Die Verantwortlichen in den Zielländern wiederum müssen in die Lage versetzt werden, schnell zu erkennen, ob Maßnahmen und Programme
wirklich der Armutsbekämpfung dienen. Es bringt wenig, wenn beispielsweise Modellfarmen aufgebaut werden, die Hühner- und Schweinezucht
mit Getreideanbau und Gemüsegarten verbinden, wenn den Nachbarfamilien schlicht die Mittel fehlen, dem Vorbild nachzueifern. Es sind immer
wieder ähnliche Dinge, die geprüft werden müssen etwa ob ein Projekt ökologisch nachhaltig ist, ob es betriebswirtschaftlich überleben
kann und ob es beide Geschlechter erreicht. Diese Dinge mögen trivial klingen, für einfache Verwaltungsbeamte in afrikanischen Staaten
sind sie aber leider nicht selbstverständlich. In diesen Angelegenheiten lohnt es sich, auf Fortbildung zu setzen.
Vermittlung von Wissen hilft laut Einschätzung MEJN dabei, in Malawi ein wirksames Budget-Tracking-System zu etablieren. Viel besser
als früher können NRO und Distrikte nun darauf dringen, dass die Regierung Zusagen einhält. InWEnt bietet Seminare an, die solche
Kenntnisse vermitteln. Andererseits setzt InWEnt aber auch darauf, staatliche Instanzen in Sachen Rechnungslegung zu trainieren.
Den internationalen Erfahrungsaustausch fördert die deutsche Weiterbildungsagentur, weil das dabei hilft, Lösungen für das eigene
Land zu finden. Letztlich muss jeder Staat entsprechend seinem institutionellen Gefüge ein eigenes Monitoringsystem entwickeln. Es
gibt keine allgemeingültige Blaupause.
Dr. Barbara Kloss-Quiroga
ist Senior Project Manager in der Abteilung Wirtschaft / Wirtschaftspolitik bei InWEnt.
barbara.kloss-quiroga@inwent.org
Sabine Rubel
ist Senior Project Manager in der Abteilung Good Governance / Nationale Reformpolitik bei InWEnt.
sabine.rubel@inwent.org
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