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Kulturdialog:
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Hürden auf dem Weg
zur Weltkultur


Demokratiereport Medien


04/2006
 

Kulturdialog: West-östlicher Diwan


Institut für Auslandsbeziehungen (Hg.):
Der Westen und die islamische Welt.
Eine muslimische Position.

Stuttgart, IFA 2004, 92 Seiten, Versionen in Deutsch, Englisch und Arabisch können kostenlos heruntergeladen werden unter
http://cms.ifa.de/info/dossiers/euro-islam/forum/islamreport/

Seit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen ist Huntingtons Prognose vom „Clash of Civilisations“ erneut in aller Munde. Die Hypothese, dass nach dem Ende des Ost-West-Konflikts die Frontlinien nicht mehr zwischen Staaten mit divergierenden politisch-ideologischen oder wirtschaftlichen Interessen verlaufen, son- dern zwischen Zivilisationen, die sich nicht miteinander vertragen, scheint aktueller denn je.

Einen Beitrag zur Verständigung zwischen Orient und Okzident will dagegen der im Rahmen des Europäisch-Islamischen Kulturdialogs entstandene Text von fünf Wissenschaftlern und Publizisten aus ägypten, Palästina, Syrien, Bosnien-Herzegowina und Malaysia liefern – eine „muslimische Perspektive auf die Beziehungen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen“ unter dem Eindruck des 11. September 2001. Die Autoren treten dem vermeintlichen Antagonismus zweier Welten entgegen. Hier wie dort nehme der Trend zu, sich über historisch gewachsene kulturelle und religiöse Konzepte neu zu definieren.

Das Ergebnis der Selbstverständigung ist eine komplexe und in sich widersprüchliche Gemengelage. Einfache Antworten auf die Frage, ob sich die Politik der Religion bedient oder ob religiösen Kräften die Infiltration staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen gelungen ist, um diesen ihren Willen aufzuzwingen, haben auch die Verfasser nicht parat. Sicher ist aus ihrer Sicht nur: Es hilft nicht weiter, wenn arabische Muslime lange Betrachtungen über den Niedergang Arabiens seit den Kreuzzügen anstellen, um am Ende Demokratiedefizite, verfehlte Wirtschaftspolitik, Unterentwicklung, Analphabetismus, überbevölkerung, Bildungsmisere und Frauenfeindlichkeit auf die Beherrschung durch den Westen zurückzuführen. Zu Recht erinnern die Autoren an den im UN-Auftrag von arabischen Wissenschaftlern veröffentlichten „Arab Human Development Report“, der innerarabische Faktoren für den Stillstand nennt, die ernst genommen sein wollen.

Bedauerlicherweise kehrt der Grundton des Selbstmitleids in den Kommentaren zum israelisch-palästinensischen Konflikt zurück. Wenn die Autoren von einer „westlichen Voreingenommenheit“ zugunsten Israels sprechen, dann haben sie die deutschen und europäischen Stimmungsumschwünge in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten übersehen. Der „Sonderstatus“ Israels ist längst politischem Unverständnis gewichen. Das Recht des palästinensischen Volkes auf nationale Unabhängigkeit ist seit langem unstrittig.

Noch fehlt ein interreligiöser Dialog, der diesen Namen verdient. Dazu gehören selbstkritische Bestandsaufnahmen hier wie dort, ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und der Verzicht auf das übliche Repertoire polemischer Anklagen. Zu wünschen ist, dass der Europäisch-Islamische Kulturdialog die begonnene Arbeit verstärkt fortsetzen kann. Die Entwicklung einer „islamischen Moderne“ in der Türkei zeigt, dass die angebliche Unversöhnlichkeit des Islam gegenüber Demokratiemodellen eine Kopfgeburt ist.

Reiner Bernstein