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 04/2006
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[ Entwicklungsfinanzierung ]
Steuer auf Flugtickets gewinnt Anhänger
Elf Länder, darunter die Elfenbeinküste, Jordanien, Luxemburg, Mauritius, Norwegen und Zypern, haben auf einer Konferenz Ende
Februar in Paris angekündigt, möglichst bald eine Steuer auf Flugtickets zu erheben. In Frankreich wird der Fiskus die Steuer bereits ab
Juli 2006 einziehen. Brasilien und Chile arbeiten an entsprechenden Gesetzen. Auf dem Pariser Treffen, zu dem der französische Staatspräsident
Jacques Chirac eingeladen hatte, diskutierten die Vertreter von 93 Staaten und einer Vielzahl nichtstaatlicher Organisationen zwei Tage lang über
mögliche neue Quellen zur Steigerung der internationalen Entwicklungshilfe.
Das Geld aus einer Flugticketsteuer soll in einen neuen Fonds für dringend benötigte Medikamente fließen, den die UN-Generalversammlung im
Sommer einrichten soll. Britannien sagte zu, die Einnahmen aus einer bereits bestehenden Ticketsteuer teilweise in den neuen Fonds
umzuleiten. Die Konferenz richtete zudem eine Pilotgruppe aus 40 Ländern ein, in der die Diskussion über neue Formen
der Entwicklungsfinanzierung weiter vorangetrieben werden soll. In der Abschlusserklärung der Konferenz heißt es, die Teilnehmer seien überzeugt
davon, dass die Millenniumsziele ohne substanzielle und langfristig stabile zusätzliche Ressourcen nicht erreicht werden können.
Nichtstaatliche Gruppen zeigten sich insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen des Treffens. Sie wiesen aber darauf hin, dass das Aufkommen
einer Ticketsteuer zu gering sei, um bestehende Lücken in der Entwicklungsfinanzierung zu schließen. Peter Wahl von Attac Deutschland sagte,
nötig sei weiterhin eine Steuer auf Devisengeschäfte (Tobin-Steuer). Da liegt das große Geld, da muss man es
holen. Wahl wies die Kritik aus Politik und Luftfahrtindustrie zurück, eine Flugticketsteuer sei wirtschaftlich schädlich. Frankreich will für
innereuropäische Flüge einen Euro und für Langstreckenflüge in der Economy-Klasse vier Euro erheben. Selbst Billigflieger stecken das
klaglos weg, sagte Wahl.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hingegen hatte sich in einem Zeitungsinterview vor der Pariser Konferenz skeptisch geäußert: Einen
Schnellschuss werde es nicht geben. Sein Vorgänger und Parteifreund, Hans Eichel, hatte sich zuletzt fr eine solche Abgabe ausgesprochen.
Auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, ebenfalls Sozialdemokratin, befürwortet eine Flugticketsteuer. In Paris dankte sie den
Ländern, die sich dafür entschieden haben: Sie haben für das Konzept globaler Abgaben zur Finanzierung globaler Aufgaben endlich
die Tür aufgestoßen.
(ell)
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