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04/2006
 

[ Lateinamerika ]

Weltbank für aktive Armutsbekämpfung

Lateinamerika hat in den letzten zwanzig Jahren im Kampf gegen die Armut praktisch keine Fortschritte gemacht. Laut einem neuen Bericht der Weltbank stagniert der Anteil der Armen, die von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben, auf dem Kontinent seit 1980 bei gut 20 Prozent.

Lateinamerika, so der Bericht, befindet sich in einem Teufelskreis: Das Wachstum sei zu niedrig, um die Armut zu reduzieren. Die Armut und die tiefe Kluft zwischen reicher und armer Bevölkerung wiederum verhinderten ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Es genüge daher nicht, die makroökonomischen Rahmenbedingungen zu verbessern und auf mehr Wachstum zu hoffen. „,Wachstumsfördernde Armutsbekämpfung‘ ist vielleicht genauso wichtig wie das eher traditionelle Bemühen um ,armutsreduzierendes Wachstum‘“, heißt es in dem Bericht.

Die so genannte „Konvergenz-These“, nach der die Kluft zwischen armen und reichen Ländern durch die unsichtbare Hand des Marktes langfristig geschlossen wird, finde in Lateinamerika keine Bestätigung: In den frühen 1960er Jahren habe das lateinamerikanische Durchschnittseinkommen knapp ein Drittel des Durchschnittseinkommens in einem OECD-Land betragen. Heute liege es bei weniger als einem Fünftel. Wer in einem Land wie Brasilien oder Peru in eine arme Familie geboren wird, der bleibt mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit als in einem OECD-Land auch den Rest seines Lebens arm.

Durch Armut, so der Bericht, werde wertvolles Wachstumspotenzial vergeudet. Der Bericht empfiehlt neben staatlichen Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur auch Zahlungen an die Armen, die an die Nutzung von Bildungsangeboten oder von Gesundheitsdiensten gebunden sind. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Armen in Lateinamerika sich gegen Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit versichern können.

Das Geld fŸr solche Programme könne zum einen durch eine effizientere Steuererhebung gewonnen werden. Zum anderen müssten die Regierungen staatliche Finanzleistungen umschichten: Von Subventionen für Pensionen, Hochschulstudien, Benzin und Strom, wie sie der Staat in vielen lateinamerikanischen Ländern zahlt, profitieren vor allem die Bessergestellten. „Der Staat muss in einen Akteur umgewandelt werden, der Chancengleichheit fördert und effiziente Umverteilung betreibt. Das ist die größte Herausforderung, der sich Lateinamerika gegenübersieht, um Wachstum zu stimulieren und gleichzeitig Ungleichheit und Armut zu reduzieren.“

(ell)