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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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 05/2005
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[ Entwicklungsfinanzierung ]
Weltbank: Verfall des Dollars gefährdet Schwellenländer
Die Gruppe der Entwicklungsländer verzeichnete im vergangenen Jahr mit gut sechseinhalb Prozent ihr stärkstes Wirtschaftswachstum in über dreißig Jahren. Die größten Zuwachsraten erzielten Ost- und Südasien mit über acht beziehungsweise knapp sieben Prozent. Das Wachstum in Lateinamerika stieg von weniger als zwei Prozent in 2003 auf knapp sechs Prozent. Subsahara-Afrika verzeichnete knapp vier Prozent Wachstum und damit nur die Hälfte des Zuwachses, der nach Ansicht von Ökonomen notwendig wäre, um bis zum Jahr 2015 die Armut zu halbieren. Die derzeit größte Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung vor allem in den Schwellenländern sieht die Weltbank in einem weiter sinkenden Dollarkurs. Besonders ein abrupter Kurssturz mit der Folge deutlicher Zinssteigerungen in den USA könnte den Kapitalzufluss in die Schwellenländer erheblich reduzieren, warnt die Bank in ihrem diesjährigen Bericht zur Entwicklungsfinanzierung (Global Development Finance 2005).
Eine Abwertung der US-Währung reduziert zum einen den Wert der vor allem in Dollar gehaltenen Währungsreserven der Entwicklungsländer, die in den letzten fünf Jahren dramatisch gestiegen sind. Allein in den Jahren 2003 und 2004 häuften die armen Länder 670 Milliarden Dollar an und erhöhten ihre Reserven um 70 Prozent auf über 1,5 Billionen Dollar. Davon entfallen zwar fast 40 Prozent auf China und weitere 47 Prozent auf andere Länder mit mittlerem Einkommen. Doch auch die Niedrigeinkommensländer steigerten ihre Währungsreserven deutlich (siehe Grafik).
Zum anderen könnte ein anhaltender Kurssturz des Dollars vor allem, wenn er an Geschwindigkeit zunimmt zu einer Anhebung der Leitzinsen durch die US-Notenbank führen mit der Folge schrumpfender privater Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer. Ein starker Anstieg der Zinsen für Schwellenländeranleihen infolge eines solchen Rückgangs und eine Abstufung durch Rating-Agenturen würde die Kosten der betroffenen Länder, an Kapital zu kommen, deutlich erhöhen. Dieses Szenario ist vor allem deshalb bedenklich, weil die Zuflüsse aus Anleihen für die Schwellenländer zunehmend an Bedeutung gewinnen: Nach Angaben der Weltbank lagen sie im vergangenen Jahr erstmals über den Bruttozuflüssen aus Bankkrediten. Die Bank erinnert daran, dass in der Vergangenheit, zum Beispiel vor der Asienkrise, ähnliche Anzeichen für Unausgewogenheiten auf den Finanzmärkten übersehen und auf Krisensignale zu spät reagiert wurde.
Von Nutzen ist der Kursrückgang der US-Währung für jene Länder, die hohe in Dollar denominierte Auslandsschulden haben und deren Währungen nicht an den Dollar gekoppelt sind. In den rund 100 Entwicklungsländern, auf die das zutrifft, ist das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt beziehungsweise von Schuldendienst zu Exporten seit 2002 durchschnittlich um einen Prozentpunkt gefallen. Die Weltbank weist jedoch darauf hin, dass dieser Nutzen in vielen Ländern durch den gleichzeitigen Wertverlust der Devisenreserven wieder zunichte gemacht wird.
Für Länder mit niedrigem Einkommen sind die Risiken aus Störungen auf den Anleihemärkten weniger bedrohlich, da sie vor allem von Entwicklungshilfe abhängen. Für die offiziellen Zuflüsse konstatiert die Weltbank einen deutlichen Trend seit 2001 hin zu Zuschüssen, während der Stellenwert von Krediten abnehme. Vom Wachstum der Entwicklungshilfeleistungen seit 1998 habe vor allem Afrika südlich der Sahara profitiert, auf das 60 Prozent des Zuwachses entfallen sei. Allerdings sei ein Großteil davon zur Stabilisierung von Post-Konflikt-Situationen ausgegeben worden, so dass die Mittel für echte Entwicklungszusammenarbeit nur gering gewachsen seien.
Die gesamten öffentlichen und privaten Nettokapitalzuflüsse in die Entwicklungsländer beziffert die Weltbank für das Jahr 2004 mit 324 Milliarden Dollar ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Die Zuflüsse erreichten damit wieder den Wert, den sie im Jahr 1997 hatten, als die Asienkrise ihren Anfang nahm. Dennoch hatten die Entwicklungsländer auch in 2004 wieder eine positive Leistungsbilanz vor allem aufgrund der exorbitanten Devisenkäufe. Mit anderen Worten: Wie schon in den Jahren davor seit 2000 überwiesen die armen Länder im vergangenen Jahr mehr Geld in die Industrieländer als umgekehrt insgesamt gut 105 Milliarden Dollar. (ell)
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