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Bücher und Medien


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Die Macht der Medien in Zeiten des Krieges

Diversity in Development


05/2005
 

Medien: Aufforderung zur Skepsis

Bettina Gaus:
Frontberichte. Die Macht der Medien in Zeiten des Krieges.
Frankfurt/New York, Campus 2004,
193 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-593-37543-5

Bettina Gaus hat eine packende Kritik der Berichterstattung über Kriege und Krisengebiete vorgelegt. Auf Verschwörungstheorien verzichtend zeigt die frühere Ostafrika-Korrespondentin mit zahlreichen Anekdoten tiefere Ursachen dafür auf, warum viele Medien nur noch die Illusion erzeugen, wir würden informiert. Das macht ihr Buch so verstörend.

Journalisten können sich in Kriegsgebieten oft nur unter dem Schutz einer Kriegspartei, von Soldaten oder ausländischen Hilfswerken bewegen. Ihre „Einbettung“ ist keine Erfindung der US-Armee, betont Gaus. Die Arbeitsweise sei unumgänglich und nützlich, obwohl man dabei kaum Informationen der Gegenseite erhalte. Probleme begännen dort, wo es psychologisch schwierig werde, Distanz zu wahren: Das Bedürfnis sei groß, jene Menschen „für anständig zu halten“, die einem geholfen haben, schreibt Gaus. Sie hat erlebt, wie sie Missverständnissen in einer fremden Kultur erlag und erst nach und nach herausfand, von wem sie wozu benutzt wurde. Wer gleich nach der Ankunft in einem Krisengebiet Berichte absetzen müsse, habe dafür keine Zeit.

Gaus bescheinigt den meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen, seriös zu arbeiten – auch wenn sie Gegenbeispiele anführt. Das Hauptproblem sieht sie in Mechanismen des Medienbetriebs. Er erzeuge den Recherchen be- und verhindernden Zeitdruck. Dieser sorge dafür, dass dramatische Momente ins Zentrum rückten, aber nur selten berichtet werde, was gleich bleibt: das Leiden von Flüchtlingen, Kriegsversehrte et cetera. Denn dasPublikum finde Wiederholung langweilig. Zudem benötige das Leitmedium Fernsehen Bilder. Das führe einerseits zu blinden Flecken – wenn es keine Bilder gibt, wird nicht berichtet. Andererseits erzeugten Aufnahmen die Illusion, die Zuschauer seien dabei und könnten sehen, was vorgeht.

Gaus beklagt, dass Versuche der Manipulation zunähmen, während die Fähigkeit der Medien schwinde, derlei abzuwehren. Das Bedürfnis von Journalisten wie Publikum, sich mit der „eigenen“ Seite zu identifizieren, leiste dem Vorschub. Im Zeichen des „Kriegs gegen den Terror“ verenge sich die Wahrnehmung auf die Gegenüberstellung von Freunden und Feinden. Das Ergebnis sei eine mehr oder weniger subtile Parteilichkeit. Diese Diagnose verwundert zunächst angesichts der kritischen Haltung vieler deutscher Medien zum Krieg im Irak. Doch Gaus belegt, dass auch hier „westliche“ Opfer mehr zählen als andere und Unrecht der US-Regierung nur sehr zögernd beim Namen genannt wird.

Mit dem zweiten Leitmotiv des Buches nimmt Gaus die politische Öffentlichkeit aufs Korn: Sie kritisiert, dass Kriege verharmlosend als humanitäre Maßnahme dargestellt werden. Gauss lehnt Interventionen nicht prinzipiell ab. Aber sie betont, dass diese wie alle Kriege blutig sind und Unschuldige töten. Sie findet es seltsam, dass in der deutschen Öffentlichkeit die Gegner und nicht die Befürworter von Militärinterventionen unter Begründungszwang stehen. Medien, so kritisiert sie, seien fixiert auf Aktualität und prüften nur selten nach, ob frühere Interventionen den versprochenen Nutzen gebracht haben.

Das Buch ist fesselnd geschrieben und mit anschaulichen, teils anrührenden Geschichten gespickt. Es ist ein Appell, an den Standards journalistischer Professionalität festzuhalten.

Bernd Ludermann