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05/2006
 

[ Peacekeeping ]

UN-Missionen: Schaden und Nutzen für die
lokale Wirtschaft

In Kambodscha sind die internationalen Entwicklungsorganisationen und ihre einheimischen Partner neben der Textil- und der Tourismusindustrie die wichtigsten Arbeitgeber – mehr als zehn Jahre nach dem Ende der UN-Friedensmission in dem asiatischen Land. Für die Autoren einer neuen Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen von UN-Missionen belegt das, dass während des Einsatzes in Kambodscha zu wenig darauf geachtet wurde, wie sich die hohen Löhne für Angestellte und Zulieferer der Mission auf die kambodschanische ökonomie und den Arbeitsmarkt langfristig auswirken könnten. Das Gehalt einheimischer Angestellter von UN-Missionen beträgt zwar im Schnitt weniger als ein Zehntel der Bezahlung für externe Mitarbeiter. Damit verdienen sie aber immer noch bis zu zehnmal so viel wie ein mittlerer Regierungsangestellter. Die Folgen sind der Wechsel qualifizierter Fachkräfte weg von einheimischen und hin zu internationalen Institutionen, ihre Beschäftigung auf Positionen, für die sie überqualifiziert sind, ein für das Land unangemessener Lohnanstieg und, wie in Kambodscha, das Entstehen einer „Entwicklungsindustrie“.

Inflationärer Lohndruck ist für die Autoren der vom UN-Generalskretariat in Auftrag gegebenen Studie die gravierendste schädliche Auswirkung von UN-Missionen auf lokale Ökonomien. Insgesamt jedoch ist der wirtschaftliche Schaden durch Blauhelmeinsätze kleiner und der Nutzen, den sie bringen, größer als weithin angenommen. Laut der Studie, die auf der Analyse von acht laufenden Friedensmissionen beruht, verbleiben rund zehn Prozent der Ausgaben für die Missionen in den Einsatzländern. Die Hälfte davon entfällt auf alltägliche Ausgaben der UN-Mitarbeiter, zum Beispiel für Miete. Neben Löhnen für einheimische Angestellte sind Beschaffungsaufträge für Dienstleistungen wie Reinigung und Bewachung oder den Aufbau von Infrastruktur der dritte wesentliche Posten, den Peacekeeping-Einsätze zur Wirtschaft beisteuern.

Durch einige änderungen könnten der wirtschaftliche Schaden verkleinert und der Nutzen von UN-Missionen erhöht werden. So sollten nach Ansicht der Autoren mehr Aufgaben auf einheimische Firmen ausgelagert werden. Das würde sowohl den Wechsel von einheimischen Fachleuten reduzieren als auch den Lohndruck nach oben mildern. Die Verantwortlichen in den Missionen sollten genauer die lokalen Märkte studieren und Beschaffungsaufträge in lokalen Sprachen ausschreiben. Das könnte den Anteil einheimischer Zulieferer erhöhen. Investitionsentscheidungen seien aufgrund der zeitlich befristeten Mandate von UN-Missionen häufig zu kurzsichtig: Die bevorzugte Einrichtung einer Luftbrücke zwischen zwei Orten sei nur kurzfristig günstiger als die Instandsetzung einer Straße, die der lokalen Wirtschaft auch dann noch Nutzen bringe, wenn der UN-Einsatz beendet sei.

Zudem sollten die steuerlichen Vorteile, die UN-Missionen und ihre Mitarbeiter in den Einsatzländern genießen, überdacht werden. Die Regeln seien vor Jahrzehnten formuliert und den heutigen, teilweise sehr langwierigen und umfassenden Einsätzen nicht mehr angemessen. Teilweise behinderten sie eine effiziente Steuererhebung in den betroffenen Ländern.

(ell)



Im Internet:
www.globalpolicy.org/security/peacekpg/ general/2006/03impact.pdf