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Handelsliberalisierung wenig erfolgreich


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05/2006
 

[ Weltbank ]

Handelsliberalisierung wenig erfolgreich

Projekte und Programme der Weltbank zur Förderung des Handels haben in den vergangenen 20 Jahren in vielen Ländern die Marktöffnung beschleunigt. Sie haben jedoch nur wenig geholfen, die Weltmarktposition dieser Länder zu verbessern und die Armut in ihnen zu verringern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der unabhängigen Evaluierungsgruppe in der Weltbank (Independent Evaluation Group), die die handelsrelevanten Hilfsprogramme der Bank von 1987 bis 2004 untersucht hat. In diesem Zeitraum hat die Weltbank 117 Ländern Kredite für Handelsreformen in Höhe von insgesamt 38 Milliarden US-Dollar gewährt. Das entspricht gut acht Prozent der gesamten in dieser Zeit vergebenen Weltbankkredite.

Die Evaluierung unterteilt die Weltbankpolitik zur Handelsförderung seit 1987 grob in zwei Phasen. Bis Ende der 1990er Jahre standen länderspezifische Ansätze und die Liberalisierung von Märkten im Vordergrund. An der grundsätzlichen Richtung der Bankpolitik in dieser Phase haben die Evaluierer nichts auszusetzen. Sie monieren aber, dass die Weltbank sich zu wenig um makroökonomische Faktoren gekümmert habe, die nicht direkt mit Handel zu tun haben, aber dennoch große Bedeutung für die Entwicklung der Ex- und Importe eines Landes haben. Die Bank habe zu wenig auf die makroökonomische Stabilität, die Qualität des Investitionsklimas und die Lage der Arbeitsmärkte der Länder geachtet, in denen sie Handelsreformen gefördert habe. In Afrika habe das zum Beispiel dazu geführt, dass die Importe drastisch gestiegen seien, die Exporte aber stagnierten oder sogar zurückgingen. Folglich, so der Bericht, „waren die Gutachten der Bank zum kurzfristigen Nutzen von Handelsliberalisierung für das Wachstum zu optimistisch“.

In der zweiten Phase, die für die Evaluierer mit der gescheiterten Welthandelskonferenz 1999 in Seattle beginnt, habe sich die Bank stärker als Anwalt für ein faires globales Handelssystem engagiert und um grundsätzlichere handelspolitische Fragen gekümmert. Auch diesen Prioritätenwechsel beurteilt die Studie insgesamt als sinnvoll, sieht aber die Gefahr, dass die Weltbankpolitik im Bereich Handel zu abstrakt wird und sich von länderspezifischen Problemen und Erfordernissen entfernt. Eine der Empfehlungen der Evaluierer lautet deshalb, die für Handel zuständige Abteilung solle enger mit anderen Fach- und vor allem Länderabteilungen kooperieren und dort ihre Expertise einbringen.

Die andere wesentliche Empfehlung lautet, jedes handelsrelevante Projekt künftig unter anderem darauf zu prüfen, wie es sich auf die Armutssituation, die Entwicklung des Privatsektors, das Geschlechterverhältnis und die Landwirtschaft im betroffenen Land auswirkt. Zudem solle die Bank ein Programm auflegen, das Ländern helfen würde, mögliche Anpassungskosten von Handelsreformen zu tragen.

(ell)



Im Internet:
www.worldbank.org/ieg/trade