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Beiträge aus der Rubrik Analysen und Berichte
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 06/2003
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[ 16. Berliner Fachgespräch zur Globalisierung ]
Energiewende: Effizienz-Revolution und kostendeckende Tarife
Der Vertreter der Energiewirtschaft hatte seine Teilnahme abgesagt. So blieben beim 16. Fachgespräch zur Globalisierung am 6. Mai in der Berliner KfW-Niederlassung die Befürworter einer Energiewende unter sich. Auf dem Podium war allenfalls umstritten, ob und in welchem Zeitraum vor allem in den Entwicklungsländern die Wende hin zur verstärkten Nutzung regenerativer Energiequellen verwirklicht werden kann. Derzeit werden drei Viertel der Energienutzer weltweit aus fossilen Quellen versorgt, die irgendwann erschöpft sein werden; bis dahin werden die CO2-Emissionen immer weiter steigen. Darüber hinaus warten zusätzliche zwei Milliarden Menschen auf Zugang zu Energie; in den nächsten zwanzig Jahren wird sich der globale Verbrauch trotz aller Spar- und Effizienz-Maßnahmen vermutlich mehr als verdoppeln.
Angesichts dieser Prognosen und nach der energiepolitischen Pleite auf dem Johannesburg-Gipfel, wo die Forderung nach einer verbindlichen Quote in Höhe von 15 Prozent für die Nutzung erneuerbarer Energien von den Vereinigten Staaten und den ölexportierenden Ländern abgelehnt worden war, beklagte Helmut Graßl, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU), dass die Bundesregierung die Fördermittel für Energie-Forschung reduziert habe. Wenn es gelinge, so Graßl, ein Fünftausendstel der auf die Erde treffenden Sonnenergie zu nutzen, dann könne das Versorgungsproblem global gelöst und die Nutzung von Kohle, Öl und Gas schrittweise eingestellt werden.
Ernst Ulrich von Weizsäcker, der dem Bundestagsausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vorsitzt, ergänzte, kurzfristig sei es unmöglich, fossile durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Von Weizsäcker propagierte erneut den Faktor 4: In einer technologischen Revolution müsse die Energie-Produktivität vervierfacht werden. Wer E-mail statt Luftpost nutze, vertausendfache bereits die Effizienz. Den Entwicklungsländern riet er, den Energiebedarf der Endnutzer zu ermitteln, 10 Cent pro Kilowattstunde zu berechnen, flächendeckend funktionierende Stromzähler zu installieren und armen Familien das nötige Geld zu erstatten. Ziel müsse sein, die zur Verschwendung einladenden pauschalen und hoch subventionierten Stromgebühren in vielen armen Ländern durch kostendeckende Tarifsysteme zu ersetzen.
Johannes Wendt
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