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Wachstum für die Armen zur Reduzierung der Armut


06/2003
 

[ Konferenz im Weltwirtschafts-Archiv in Hamburg ]

Wachstum für die Armen zur Reduzierung der Armut

In den 70er und 80er Jahren ist in den Entwicklungsländern das Pro-Kopf-Einkommen der Armen genau so stark gewachsen wie das der übrigen Bevölkerung. Seit Beginn der 90er Jahre dagegen, seit die Globalisierung an Fahrt gewonnen hat, fallen die Armen zurück. Darauf machte John Page von der Weltbank auf einer Tagung mit dem Titel „Attacking Poverty: What makes growth pro-poor?“ vom 7. bis 9. Mai im HWWA in Hamburg aufmerksam. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie erreicht werden kann, dass Wirtschaftswachstum nicht nur den ohnehin Bessergestellten zugute kommt, sondern einen Beitrag zur Reduzierung der Armut leistet.

Bei der Diskussion über Maßnahmen mit diesem Ziel wurde zwischen zwei Kategorien unterschieden: Zum einen müsse versucht werden, Wachstum gezielt in solchen Sektoren und Regionen zu generieren, in denen die arme Bevölkerung einen hohen Anteil hat. Zum anderen müsse durch sozialpolitische Maßnahmen Wachstum umverteilt werden. Vorrang müsse jedoch haben, die Armen zu befähigen, ihre Einkommenszuwächse selbst zu erwirtschaften. Zu diesem Zweck, so Stephan Klasen (Universität München), sei eine (nationale) Entwicklungsstrategie nötig, die an jenen beiden Produktionsfaktoren ansetze, die Arme – wenn überhaupt – anzubieten haben: Arbeitskraft und Land. Mit anderen Worten: Pro-poor growth könne am ehesten in ländlichen Regionen und dort durch die Förderung arbeitsintensiver landwirtschaftlicher Produktion erzielt werden.

Uganda hat in den 90er Jahren auf diese Strategie gesetzt und eindrucksvolle Erfolge bei der Reduzierung der Armut erzielt, erläuterte Robert Kappel (Universität Leipzig). Das Land habe sich beim wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukt, dem Kaffee, gezielt auf die Herstellung von Nischenprodukten und Luxusartikeln konzentriert. Allerdings ist Uganda zugleich ein Beispiel für die Risiken dieser Strategie: Der Verfall der Kaffeepreise auf den Weltmärkten seit 1998 droht die Erfolge wieder zunichte zu machen. Übereinstimmung herrschte denn auch darüber, dass es für eine langfristig stabile Reduzierung der Armut unumgänglich sei, die Produktion in und außerhalb der Landwirtschaft zu diversifizieren und zu modernisieren.

Welchen Beitrag kann die Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung von pro-poor growth leisten? Carsten Hefeker (HWWA) sagte, die Armen müssten dabei unterstützt werden, ihre Interessen und Anliegen im politischen Prozess wirksam zu vertreten. BMZ-Abteilungsleiter Michael Hofman verwies auf Reformbedarf in den reichen Ländern und forderte mehr Kohärenz in der Politik gegenüber den Entwicklungsländern. Konsens bestand darüber, dass armutsorientierte Entwicklungspolitik an Konditionalitäten geknüpft sein muss. Aber an welche? Elliott Harris vom Internationalen Währungsfonds nannte die von den Ländern zu erstellenden Strategiepapiere zur Armutsbekämpfung (PRSPs) als Maßstab. Ob sie dazu taugen, ist allerdings fraglich: Auch in Hamburg wurden einige der bislang vorliegenden PRSPs dafür kritisiert, von viel zu optimistischen Wachstumsraten auszugehen und zudem kein Konzept dafür anzubieten, wie Wachstum zur Armutsbekämpfung genutzt werden könnte. (ell)