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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Die Weltlage
Tausend Jahre Weltwirtschaft
Regionale Integration in Afrika: Bislang vor allem eine gute Idee
Armutsbekämpfung eine Querschnittsaufgabe
 06/2003
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[ Dürftige Analyse, reichhaltige Statistiken ]
Tausend Jahre Weltwirtschaft
Angus Maddison: The World Economy. A Millennial Perspective. Paris, OECD 2001, 383 S., 29,00 Euro, ISBN 92-64-18608-5
Der Band versteht sich als Fortsetzung der vom selben Autor verfassten Studie Monitoring the World Economy 1820-1992 aus dem Jahre 1996, auch wenn er den davor liegenden Zeitraum von 1000 bis 1820 behandelt. Im Mittelpunkt stehen das Wachstum von Bevölkerung und Volkseinkommen im Untersuchungszeitraum, wobei sowohl die Welt insgesamt betrachtet als auch einige Regionen und Länder herausgegriffen und miteinander verglichen werden. Neben der Dokumentation langfristiger Trends erhebt der Autor den Anspruch zu erklären, warum die heute wohlhabenden Länder so erfolgreich waren, welche Faktoren den Erfolg der übrigen Welt behindert haben und welche Wechselwirkungen zwischen beiden Phänomenen bestehen.
Verglichen mit anderen, ähnlich angelegten Studien wie etwa David S. Landes Wohlstand und Armut der Nationen (E+Z 2000:7/8, S. 226) ist der theoretische Ertrag eher dürftig. Maddison führt das Wachstum von Bevölkerung und Einkommen auf drei miteinander verwobene Prozesse zurück: erstens die Besiedlung neuer Regionen und die dadurch mögliche Nutzbarmachung neuer Ressourcen; zweitens den internationalen Handel und die damit einhergehenden Kapitalbewegungen; drittens technische und institutionelle Innovationen, die insbesondere Schiffsbau und Navigation bzw. den Finanzsektor betroffen haben. Hinzu kommt im 16. und 17. Jahrhundert die Etablierung der modernen Naturwissenschaften in Westeuropa.
Das implizite Argument hinter diesen Ausführungen lautet: Die Entwicklung Westeuropas ist auf die Siedlungskolonisation, die Etablierung einer internationalen Arbeitsteilung und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zurückzuführen. Wo diese Faktoren wirksam wurden, etwa in Nordamerika, konnte Entwicklung stattfinden, dort, wo das nicht geschah, wurde sie blockiert. Maddison konstatiert zwar, dass Westeuropa etwa ab 1500 den bis dahin bestehenden Entwicklungsvorsprung Asiens aufzuholen begann. Warum das der Fall war und warum Asien heute, zu Beginn des neuen Millenniums, umgekehrt in der Lage ist, den westlichen Vorsprung aufzuholen, erfährt der Leser jedoch nicht nicht zuletzt deshalb, weil Maddison weitere Faktoren wie etwa die Staatsverfassung oder die Gesellschaftsordnung kaum thematisiert.
Der eigentliche Wert des Bandes liegt denn auch nicht so sehr in seinem analytischen Teil als vielmehr in dem reichen statistischen Material. Hier werden wichtige Entwicklungsindikatoren in langen Zeitreihen für einzelne Länder wie für Großregionen präsentiert. Insofern ist der Band eher als eine kommentierte wirtschaftshistorische Statistik zu benutzen. So lässt sich zum Beispiel das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in Westeuropa und Asien im Zeitraum von 1500 bis 1820 entnehmen, allerdings mit dem verblüffenden Ergebnis, dass dieses laut Maddison in Asien deutlich höher als in Westeuropa gewesen sein soll. Auch wenn diese Daten seinem analytischem Befund widersprechen, nach dem Europa in diesem Zeitraum Asien wirtschaftlich überholt hat, schmälert dieser Umstand nicht die Nützlichkeit des Bandes als entwicklungshistorisches Nachschlagewerk.
Ulrich Menzel
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