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Die Weltlage

Tausend Jahre Weltwirtschaft

Regionale Integration in Afrika: Bislang vor allem eine gute Idee

Armutsbekämpfung – eine Querschnittsaufgabe


06/2003
 

[ Kluft zwischen Rhetorik und Realität ]

Regionale Integration in Afrika: Bislang vor allem eine gute Idee

Stefan Mair, Christian Peters-Berries: Regionale Integration und Kooperation in Afrika südlich der Sahara. EAC, ECOWAS und SADC im Vergleich. München, Weltforum Verlag 2001, 448 S., 23,60 Euro, ISBN 3-8039-0498-6 (Forschungsberichte des BMZ, Band 127)

Dirk Hansohm u. a. (Hg.): Monitoring Regional Integration in Southern Africa Yearbook, Volume 1, 2001. Windhoek, Gamsberg Macmillan Publishers 2002, 129 S., 39,50 Namibian Dollar, ISBN 99916-0-343-3



Seit Anfang der neunziger Jahre lässt sich beobachten, dass in Afrika südlich der Sahara regionale Kooperationen wiederbelebt oder neu begründet werden. Drei bedeutende Bündnisse sind die Economic Community of West African States (ECOWAS), die East African Co-operation (EAC) und die Southern African Development Community (SADC). Stefan Mair und Christian Peters-Berries haben für das BMZ diese drei Wirtschaftgemeinschaften miteinander verglichen. Sie fragen zunächst nach der Motivation für das Bemühen, regionale Kooperationen wieder in Gang zu bringen. Ihre Antwort: Die angestrebte wirtschaftliche Zusammenarbeit ist Afrikas Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung, ein Versuch, Afrikas marginale Stellung in der Weltwirtschaft zu stärken. Kooperation mit den Nachbarn sei der einzige Weg, der zunehmenden Abkopplung vom Norden entgegenzuwirken.

Das ist eine gute Idee, allein mit der Umsetzung tun die Afrikaner sich schwer. Ein wichtiger Grund dafür, so die Autoren, seien die vielen neopatrimonialen Herrschaftssysteme in Afrika. Wer supranationale Organisationen schaffen will, der muss nationale Souveränität opfern, und dazu ist kaum ein afrikanischer Staatslenker wirklich bereit. Denn mit der Übertragung von Ressourcen und Entscheidungsmacht auf eine supranationale Institution schmilzt die Verfügungsmasse, mit der ein Patron Loyalität entgelten kann. Daher das bekannte Muster: In Sonntagsreden wird regionale Integration beschworen und schnell mal eine Währungsunion als Ziel beschlossen. Doch in der Praxis geht es deutlich verhaltener zur Sache.

Diese Kluft zwischen politischer Rhetorik und empirischer Realität ermessen will das neue Jahrbuch „Monitoring Regional Integration in Southern Africa“, das von der Namibian Economic Policy Research Unit und der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegeben wird. In den nächsten Jahren wollen die in Deutschland und dem südlichen Afrika arbeitenden Wissenschaftler, die die Beiträge liefern, detailliert die Entwicklung der SADC unter die Lupe nehmen. Das Fazit des ersten Bands ist diplomatisch gehalten: Die Integration im südlichen Afrika komme nicht so schnell voran wie von vielen erhofft, aber bisher sei genau das erreicht worden, was man realistisch betrachtet habe erwarten können. Mit anderen Worten: Wenig Kooperation ist besser als gar keine.
Werner Eggert