Beiträge aus der Rubrik
Neues von InWent


Mit einer Schusterwerkstatt zum Erfolg

Wasser – Konfliktursache und Anlass zu Kooperation

Capacity Development – Kapazitäten für nachhaltige Entwicklung

„Ein neues Verhältnis zwischen Geber und Nehmer“


06/2003
 

[ Praxisorientiertes Trainingsprogramm für Kleinunternehmer in Namibia ]

Mit einer Schusterwerkstatt zum Erfolg

„Haben Sie auch von dem neuen Trainingsprogramm ,TOP Namibia‘ gehört?“ fragte Frau Kandombo, Eigentümerin eines kleinen Schuhladens, ihre Nachbarin Frau Pea, die Vorhänge für Privathaushalte in Oshakati produziert. „Noch einer dieser Workshops für Kleinunternehmer? Es gab so viele und trotzdem geht es uns nicht besser“, antwortete Frau Pea. So reagierten viele der lokalen Geschäftsleute, als sie von TOP Namibia hörten, einem von InWEnt entwickelten Trainingsprogramm für Kleinunternehmer. Es wird seit Ende 2000 von der deutsch-namibischen Consultingfirma Decosa gemeinsam mit dem DED und der namibischen Industrie- und Handelskammer sowie dem namibischen Erziehungsministerium im Norden Namibias durchgeführt. Glücklicherweise verstummten die skeptischen Stimmen schnell, als das Training begann.

„TOP Namibia“ steht für „Training, Opportunities und Practice“; das Programm setzt gezielt in den früher benachteiligten Regionen im bevölkerungsreichen Norden an. Der einjährige Kurs besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Workshops und Praxisphasen, die von einem Entwicklungshelfer des DED begleitet und in denen die neuen Kenntnisse angewendet werden. Die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den bisherigen zwei Workshop-Zyklen entwickelten bislang über 60 neue Produkte und Dienstleistungen, eroberten neue Märkte (sogar im Export), steigerten ihre Gewinne und leisteten einen Beitrag zur Verringerung der Armut. Sie schufen 154 neue Vollzeit- sowie 99 Teilzeitarbeitsplätze und indirekt rund 500 Stellen für Frauen auf dem Land.

Die dominierende Rolle von Frauen ist bemerkenswert. Sie stellten in den ersten beiden Pilotkursen nicht nur über 50 Prozent der Teilnehmer, sondern auch 60 Prozent der für ihre besonderen Leistungen ausgezeichneten „Top Achievers“. Frau Kandombo besitzt heute das einzige Geschäft für Schuhreparaturen in ganz Nordnamibia und Frau Pea hat ihre Produktion erfolgreich auf die Herstellung von Overalls umgestellt. „Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, sich dauernd über unsere Benachteiligung zu beschweren“, sagt sie, „wir müssen für wirtschaftliche Unabhängigkeit kämpfen. Ich habe mich bei Ausschreibungen der Regierung beteiligt.“ Heute beliefern sie und ihre 14 Arbeiter zahlreiche Ministerien, und ihre Produkte ersetzen südafrikanische Importwaren.

Wegen des großen Erfolgs in der Pilotphase wird seit März 2003 ein weiterer Programmdurchlauf in der Caprivi-Region durchgeführt. Damit die Regionen dauerhaft von den Erfahrungen profitieren, nehmen auch Vertreter lokaler Fördereinrichtungen teil.

Bernhard Adam( InWEnt, Abteilung „Zukunftsfähige Marktwirtschaft“)
Reinhard Trede (Decosa)