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Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
Mit einer Schusterwerkstatt zum Erfolg
Wasser Konfliktursache und Anlass zu Kooperation
Capacity Development Kapazitäten für nachhaltige Entwicklung
Ein neues Verhältnis zwischen Geber und Nehmer
 06/2003
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[ InWEnt-Symposium beim Dritten Weltwasserforum in Kyoto ]
Wasser Konfliktursache und Anlass zu Kooperation
Von Hinrich Mercker und Ismail Al Baz
Sechs Monate nach dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg nahmen mehr als 10 000 Delegierte von mehr als 150 Staaten am Dritten Weltwasserforum im März in Kyoto teil. Das alle drei Jahre vom World Water Council ausgerichtete Weltwasserforum war die wichtigste internationale Veranstaltung im UN-Jahr des Süßwassers. InWEnt veranstaltete im Rahmen des Forums ein Symposium über nachhaltiges Wassermanagement im Nahen Osten und in Nordafrika.
Die Konferenz in Kyoto war eine Mischung aus Bühne und Marktplatz. Auf der Bühne beriet eine Ministerkonferenz eine von Gastgeber Japan entworfene Ministererklärung. Hinter den Kulissen wurde heftig um die Inhalte gerungen. Heraus kam eine Erklärung, die den bekannten Handlungsbedarf unterstrich, aber hinter die Ergebnisse der Internationalen Süßwasserkonferenz 2001 in Bonn zurückfiel. Außerdem stand auf dem Spielplan in Kyoto das Stück Multistakeholder-Dialog: Stundenlang diskutierten Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und Wirtschaft mit Regierungsvertretern und Delegationsleitern an 30 Tischen die Frage Was haben Armut und Wasserkrise miteinander zu tun? Statement reihte sich an Statement.
Der Marktplatz des Forums erinnerte an den Markt der Möglichkeiten evangelischer Kirchentage. 350 Veranstaltungen stellten die Marktbesucher vor die Qual der Wahl. Zu den zentralen Themen des Marktes gehörten die Privatisierung im Wassersektor, der Konsum von virtuellem Wasser und der Zusammenhang zwischen Wasser und Ernährung sowie zwischen Wasser und Konflikten. Die Frage, ob Wasser als Ware oder als öffentliches Gut behandelt werden soll, zog sich wie ein roter Faden durch viele Veranstaltungen. Industrievertreter betonten unter Hinweis auf inkompetente öffentliche Wasserversorger und ministerien die Vorteile einer (Teil-)Privatisierung der Wasserversorgung gerade für die ärmsten Bevölkerungsteile in zahlreichen Entwicklungsländern. NRO-Vertreter dagegen kritisierten den Paradigmenwechsel im offiziellen Entwicklungsdiskurs hin zu einer Ökonomisierung des Wasserbereiches und forderten eine Stärkung staatlicher Strukturen.
Die Wasserkrise ist auch eine Ernährungskrise: Die Welternährungsorganisation (FAO) rechnet in den nächsten 30 Jahren wegen des anhaltenden Bevölkerungswachstums mit einem stetig steigendem Bedarf nach Wasser vor allem für die Landwirtschaft. Schon heute entfallen 70 Prozent des globalen Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft. Als Lösungsansätze wurden in Kyoto die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität (mit weniger Wasser), vermehrte Anstrengungen in der Agrarforschung und der Einsatz effizienzsteigernder Methoden und Technologien in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer diskutiert. Großes Gewicht hatte in Kyoto auch das Thema Virtuelles Wasser: Wer ein Kilo Getreide isst, der konsumiert laut Weltwasserbericht der UNESCO dabei fast 1000 Liter Wasser, die dieses Getreide zum Wachstum benötigt. In einem Kilo Rindfleisch stecken sogar 13 000 Liter virtuelles Wasser. In Europa liegt der virtuelle Pro-Kopf-Verbrauch pro Tag bei 4000 Litern, in Asien nur bei 1400 Litern.
Wasserkonflikte bekamen in Kyoto angesichts des während der Konferenz ausbrechenden Irak-Krieges eine hohe aktuelle Bedeutung. Frankreichs Präsident Jacques Chirac, der seine Teilnahme wegen des Krieges absagte, wird das Thema Wasser und Konflikte auf die Agenda des G8-Gipfels im Juni in Evian setzen. InWEnt veranstaltete in Kyoto dazu ein Symposium über nachhaltiges Wassermanagement im Nahen Osten und in Nordafrika. Anhand der Fallbeispiele Jordan (Konflikt zwischen Israel und Palästina wegen der einseitigen Nutzung des Grundwassers der Westbank durch Israel), Euphrat-Tigris (Verringerung der aus der Türkei nach Syrien und in den Irak abfließenden Wassermenge durch Großprojekte am Oberlauf) und Nil (Nil-Kommission) stellten Vertreter von InWEnt-Partnerorganisationen nicht nur Gefahrenpotenziale, sondern auch Möglichkeiten für Kooperationen dar. Beim Wiederaufbau des Irak wird dem Wassermanagement eine zentrale Rolle zukommen. Das UN-Umweltprogramm UNEP bezeichnet das dramatisch geschrumpfte Hawr Al-Hawizeh-Reservoir als Umweltkatastrophenzone. Zur Konfliktvermeidung regte UNEP an, nach Kriegsende Wasserrechtsverhandlungen zwischen Irak, Iran, Syrien und der Türkei aufzunehmen, wobei ein regionaler ganzheitlicher Ökosystemansatz im Vordergrund stehen sollte.
Die ökologischen Aspekte der Wasserkrise dürfen nicht weiter gegenüber der Versorgungsfrage vernachlässigt werden, denn was wird passieren, wenn bis zum Jahr 2015 Millionen Wasseranschlüsse gelegt und Toiletten installiert werden, aber dafür nicht genügend Wasser zur Verfügung steht?
Hinrich Mercker leitet die Abteilung Umweltpolitik und Umweltmanagement im InWEnt-Bereich 5 Umwelt, natürliche Ressourcen und Ernährung in Berlin. hinrich.mercker@inwent.org
Dr. Ismail Al Baz leitet den Bildungsschwerpunkt Wasser in derselben Abteilung. ismail.albaz@inwent.orgbr>
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