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06/2004
 

Krisenprävention:
Regionale Auswege

Jan Jost Teunissen (Hg.):
A Regional Approach to Financial Crisis Prevention.
Lessons from Europe and Initiatives in Asia, Latin America and Africa.
Den Haag, Fondad 2002, 208 Seiten,
25,00 Euro, ISBN 90-74208-19-3

Der beim niederländischen „Forum on Debt and Development“ (Fondad) erschienene Sammelband präsentiert die Ergebnisse einer Tagung der Tschechischen Nationalbank. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle regionale Gruppen von Nationalstaaten bei der Vermeidung und Bewältigung von Währungs- und Finanzkrisen spielen können.

Vor dem Hintergrund der Finanzkrisen der vergangenen Jahre und dem offensichtlichen Unvermögen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Wiederholung solcher Krisen zu verhindern, fragen Autoren aus Industrie- und Entwicklungsländern, welche Möglichkeiten hier für regionale Kooperationen liegen. Den Anfang macht Charles Wyplosz, indem er den Erfahrungen der Europäer mit währungspolitischer Zusammenarbeit seit dem Zweiten Weltkrieg nachgeht. Kapitel zwei erörtert die Probleme der Transformationsökonomien in Osteuropa. Im dritten Abschnitt geht es um Initiativen in Ostasien und im Mercosur zur Stärkung der monetären Kooperation. Ein viertes Kapitel diskutiert das Verhältnis von regionalen und globalen Institutionen zur Krisenprävention und Krisenbewältigung.

Der Beitrag von Wyplosz zu den Erfahrungen der Westeuropäer ist eine vorzügliche Einführung in die Thematik. Er weist darauf hin, dass in Europa die Integration des Handels, Stabilisierung der Wechselkurse und Schaffung leistungsfähiger Institutionen Priorität genossen und der grenzüberschreitende Kapitalverkehr lange beschränkt war. Stabile Wechselkurse wurden als Voraussetzung für einen intensiveren Handel betrachtet. Wyplosz betont die Bedeutung gradueller Integration, die Relevanz von vertrauensbildenden Maßnahmen und leistungsfähigen Institutionen. Beschränkungen des Kapitalverkehrs wertet er als phasenweise nützlich.

Die weiteren Beiträge sind nicht alle auf ähnlich hohem Niveau, bieten aber eine Fülle von Anregungen für die Diskussion der Rolle von Regionen in der Währungs- und Finanzpolitik. Yung Chul Park liefert einen Beitrag zu den Perspektiven der Chiang-Mai-Initiative. Die Lehren aus der Asienkrise ziehend, hatten die Asean-Staaten, China, Japan und Südkorea im Mai 2000 vereinbart, sich gegenseitig im Krisenfall Liquiditätshilfen bereitzustellen. Park zeigt die politischen Hemmnisse dieser Kooperation. Daniel Heymann diskutiert die Erfahrungen des Mercosur. Zur Krise in Argentinien habe der gemeinsame Markt weder beigetragen, noch könne er wesentlich bei ihrer Überwindung helfen.

Regionale Zusammenarbeit vermag einen Beitrag zur Verhinderung von Finanzkrisen zu leisten, aber inmitten einer Krise und kurzfristig lässt sie sich nicht zu einer sinnvollen Option entwickeln, lautet die Kernaussage des Buches. Ein regionaler Ansatz zur Verhinderung von Finanzkrisen bedürfe eines langen Atems und erheblicher politischer Anstrengung seitens der beteiligten Staaten. Der Sammelband spricht zwar nur einen relativ kleinen Kreis von Fachleuten an. Für diese aber ist das Buch eine lohnende Lektüre.

Heribert Dieter