| |
Beiträge aus der Rubrik Fakten + Tendenzen
OECD erweitert Entwicklungshilfe-Kriterien
Entwicklungshilfe steigt
US-Senat prüft Weltbank-Korruption
KfW-Diskussion über den Kampf gegen die Armut
Die vielen Stimmen
der deutschen Bildungszusammenarbeit
Würdige Arbeit statt Ausbeutung für Kinder
Konzeptlosigkeit angesichts steigender Armut
Neuer Schwung für die WTO
 06/2004
|
|
[ Arabische Wissensgesellschaft ]
Die vielen Stimmen
der deutschen Bildungszusammenarbeit
Drei Ministerien, zehn Durchführungsorganisationen, eine Vielzahl individueller Akteure das Engagement Deutschlands für arabische Universitäten erweist sich als vielstimmiger Chor. Ähnlich sieht es in anderen Bereichen der Bildungszusammenarbeit aus. Gelegentliche Dissonanzen treten zwangsläufig auf. Damit sich die Vertreter der Durchführungsorganisationen abstimmen, wäre es sinnvoll, Länderteams einzurichten. Doch daran fehlt den einzelnen Ministerien das Interesse. Die Aktiven vor Ort mögen das bitte selbst in die Hand nehmen, lautete der Vorschlag auf einem Workshop über Ansatzpunkte für die deutsche Entwicklungspolitik im Bildungssektor vor dem Hintergrund des Arab Human Development Report 2003 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen.
So einig sich die Teilnehmer über deutsche Defizite waren, so unterschiedlich bewerteten sie das UN-Dokument. Kritische Stimmen aus den Durchführungsorganisationen wiesen darauf hin, dass Building a Knowledge Society in der arabischen Welt sehr schlecht angekommen sei. Viele Gesprächspartner betrachteten den Bericht als von den USA bezahltes Gefälligkeitsgutachten. Ministerien und nachgeordnete Institutionen sollten prüfen, ob es immer im Sinn der Sache sei, sich explizit darauf zu beziehen.
Politikdialog mit dem arabischen Raum sei immer und primär auch Kulturdialog, lautet die einhellige Einschätzung. Je besser die kulturellen Unterschiede verstanden und ausgehalten würden, um so gezielter könnten Entwicklungshelfer intervenieren. Beispielsweise hätten deutsche Akteure in der Vergangenheit versucht, der Region deutsche Berufsbilder überzustülpen, und übersehen, dass Handwerk im arabischen Raum über lange Tradition und hohes Niveau verfügt. Die Rückbesinnung auf das arabische Erbe sei auch deshalb wünschenswert, weil die Bundesrepublik sich in den kommenden Jahren in der Region stärker engagieren müsse.
Deutschland, so der Vorschlag, sollte sich bei der künftigen Zusammenarbeit im Bildungsbereich auf die Sektoren mit komparativen Vorteilen konzentrieren etwa Berufsakademien. Im Sinne des Aktionsprogramms 2015 und der Millennium Development Goals müssten die Aktivitäten gleichzeitig viel stärker als bisher auf benachteiligte Gruppen wie Frauen, Analphabeten, Arme oder Arbeitslose zielen. Ein großer Erfolg wäre es aus Sicht der Vertreter aus den Durchführungsorganisationen schon, wenn dabei Inkohärenzen reduziert würden. (orb)
|