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Fakten + Tendenzen


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06/2004
 

[ IWF und Weltbank ]

Konzeptlosigkeit angesichts steigender Armut

Die diesjährige Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank war ganz der Situationsanalyse gewidmet. Während die Institutionen zuvor noch betont hatten, Armutsbekämpfung werde das einzige wichtige Thema sein, stand die Analyse der globalen Armutsentwicklung denn doch höher auf der Tagesordnung.

Im frisch vorgelegten Global Monitoring Report dokumentieren IWF und Weltbank die Fortschritte einzelner Länder bei der Reduktion der Armut. Den Daten zufolge werden die meisten Länder die international vereinbarten Entwicklungsziele bei gleich bleibenden Trends bis 2015 nicht erreichen. Besonders alarmierend ist die Entwicklung südlich der Sahara. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Erde kann die Halbierung der Anzahl der hungernden Kinder im Zeitraum 1990 bis 2015 aller Voraussicht nach in Afrika nicht erreicht werden. Auch die Kindersterblichkeit bleibt dort höher als in jeder anderen Weltgegend.

Auf der Sitzung des Entscheidungsgremiums der Weltbank (Development Committee) wurden die Zahlen mit Besorgnis, aber ohne Erstaunen zur Kenntnis genommen. Der Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, verglich die hohen Militärausgaben der Industrieländer mit ihren niedrigen Entwicklungshilfeausgaben und schob so den einflussreichen Mitgliedsländern seiner Institution den schwarzen Peter zu.

Andere, wie Arundhati Roy, nutzten die Frühjahrstagung, um die Kausalität zwischen der Politik der Weltbank und der steigenden Armut aufzuzeigen: „In ihrer 60-jährigen Geschichte hat das Entwicklungskonzept der Weltbank zu der Zerstörung der Lebensgrundlagen, der Vernichtung des Zugangs zu Ressourcen und der Zwangsumsiedlung von Tausenden von Menschen in Entwicklungsländern geführt.“ Mit diesen Worten unterstützte die indische Schriftstellerin demonstrierende Globalisierungskritiker.
Die Entscheidungsträger in den Institutionen ließen sich jedoch von all dem nicht beeindrucken. Die Erreichung der Millenniumsziele wird auch nach dieser Tagung kein entscheidendes Kriterium für den Umfang von Entwicklungshilfezuschüssen, Schuldenreduktionen oder die Höhe fiskalischer Defizitgrenzen darstellen. Die Frühjahrstagung hielt nichts darüber fest, was IWF und Weltbank zur Erreichung der Entwicklungsziele beitragen könnten. Die philippinische Freedom From Debt Coalition resümiert: „Sechzig Jahre sind mehr als genug! Zeit für IWF und Weltbank, um in Rente zu gehen!“

Ann Kathrin Schneider