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Südafrika: Sexualisierte Gewalt
 06/2006
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Südafrika:
Sexualisierte Gewalt
Rita Schäfer:
Im Schatten der Apartheid. Frauen-Rechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika.
Münster, Lit-Verlag 2005, 496 Seiten,
29,90 Euro, ISBN 3-8258-8676-X
Südafrikas Verfassung von 1996 gilt als beispielhaft, weil sie umfassende Gleichheitsgrundsätze sowie den Schutz vor Gewalt festschreibt. Dennoch belegt das Land weltweit den Spitzenplatz bei Vergewaltigungen und häuslicher Gewalt. Jüngst belegte der fragwürdige Freispruch im Vergewaltigungsprozess gegen Jacob Zuma, den ehemaligen Vizepräsidenten, wie tief machistisches Verhalten in Südafrika verwurzelt ist.
Rita Schäfer untersucht in ihrer Studie Ausmaß und Gründe der Diskrepanz von Verfassungsanspruch und -wirklichkeit. Sie strukturiert ihre Arbeit sowohl vertikal (entlang einer Achse von der vorkolonialen Zeit bis heute) als auch horizontal (differenziert zwischen verschiedenen Lebenswelten). So entsteht ein detailliertes Bild der vielschichtigen und teilweise widersprüchlichen Frauenrechtsbewegung in Südafrika. Es gibt viele Organisationen mit recht unterschiedlichen Hintergründen, was nicht nur die ethnische und kulturelle Vielfalt des Landes widerspiegelt.
Dass sich das Apartheidsregime geschlechtsspezifischer Gewalt als Machtinstrument bediente, überrascht kaum. Das tut eher die Erkenntnis, dass auch die männlich-militante Identität der ANC-Kämpfer problematisch ist. Geschlechtsspezifische Gewalt wird bis heute durch patriarchalische Strukturen afrikanischer Volksgruppen, der Coloureds und der Buren legitimiert. Die Autorin nennt als Beispiel für Besorgnis erregende Tendenzen die Zunahme von sogenannten gang rapes, Vergewaltigungen durch organisierte Jugendbanden. Sie geht auch auf eine besonders perverse Form geschlechtsspezifischer Gewalt ein: die Vergewaltigung immer jüngerer Mädchen, weil Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen angeblich HIV/Aids heilt. Auch dieser Irrglaube geht auf die unheilige Allianz von patriarchalischer Gesellschaftsstruktur, tradierten kulturellen Mustern und die gewaltsame Herrschaftsausübung zurück.
Die Opfer sexualisierter Gewalt werden immer jünger. Ein Drittel sind unter 18. Vor allem vulnerables sind von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen: alleinstehende Frauen mit und ohne Kinder, die in Townships auf engem Raum leben und schutzlos prekärem Gelderwerb nachgehen. Angesichts der wenig einfühlsamen Behandlung durch die Polizei und der äußerst geringen Aufklärungsrate trauen sich nur wenige Vergewaltigungsopfer, ihre Peiniger anzuzeigen. Nur 20 bis 30 Prozent der Fälle werden gemeldet, allenfalls sieben Prozent der Täter verurteilt.
Andererseits gibt es eine erstaunlich große Zahl von Studien zum Thema. Auch wollen zahlreiche Organisationen und Initiativen gegen geschlechtsspezifische Gewalt vorgehen und den Überlebenden helfen, mit den Folgen fertig zu werden. Anlass zu Hoffnung geben zudem Bemühungen zur Novellierung des Vergewaltigungsgesetzes und zur Schulung und Sensibilisierung der Polizei. Auf Druck von Frauenorganisationen hin wurde der Domestic Violence Act verabschiedet, der 1999 in Kraft trat. Es ist das erste Gesetz in der Geschichte des Landes, das unterschiedliche Formen der Geschlechtergewalt erfasst und unter Strafe stellt.
Zwar ist das Bewusstsein, dass eine nachhaltige Verbesserung der Situation nur durch die Neudefinition von Maskulinität zu erreichen ist, noch nicht weit verbreitet. Aber es gibt bereits ein paar Männergruppen, die sich der Thematik stellen beispielsweise eine Gruppe jugendlicher Rettungsschwimmer von Durban, die als Alternative zu den Gangs entstand.
Eva-Maria Bruchhaus
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