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 06/2006
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Schätze in Europa und Nordamerika
Afrika braucht einen Sinn für Geschichte. Museen sind Institutionen, die das Verständnis der Menschen für ihre Identität fördern. Die internationale Zusammenarbeit tut nicht genug zum Schutz des afrikanischen Kulturerbes.
[ Von Peter Musa ]
Braucht Afrika Museen? Diese Frage wird oft gestellt. Ich zweifle nicht daran, dass Museen für die Entwicklung Afrikas notwendig sind. Andernfalls verlieren wir unsere Vergangenheit und wer seine Vergangenheit verliert, der verliert auch das Verständnis seiner selbst.
Vor einigen hundert Jahren galt Afrika als unentdeckt und primitiv und wurde zum Sklavenjagdgebiet. Der Kolonialismus nahm seinen Lauf. Im 20. Jahrhundert kamen die Unabhängigkeitskämpfe, moderne afrikanischen Staaten entstanden, geprägt durch unzählige Herausforderungen, Erfolge und Misserfolge.
Museen in Afrika haben die Aufgabe, Erinnerungen zu bewahren. Sie helfen künftigen Generationen von Afrikanern (zuhause und in der Diaspora), ihre Wurzeln zu verstehen. Sie müssen die Lebensweisen unserer Vorfahren dokumentieren, einschließlich westlicher und islamischer Einflüsse sowie der sozialen und ökonomischen Entwicklung der jüngeren Geschichte. Das ist zentral für die Gestaltung einer besseren Zukunft.
In Südafrika wurde die Gefängnisinsel Robben Island, auf der Nelson Mandela und andere Anti-Apartheid-Aktivisten inhaftiert waren, in ein Museum umgewandelt. Es ist ein bedeutender Ort für jeden, der etwas über den Freiheitskampf, den Zusammenbruch der Apartheid und die Entstehung der neuen Regenbogennation Südafrikas wissen will. Auch das Nationalmuseum von Kenia (NMK) hat einen guten Ruf dank seiner Verdienste bei der Bewahrung des Kulturerbes. Seine Sammlung umfasst drei Millionen Objekte aus Natur, Kunst und Kultur.
Um seine Zielgruppe anzusprechen, braucht ein gutes Museum Experten, die eine Viezahl Themen abdecken wie Geschichte, Forschung, Lehre und Kommunikation. Kenias Nationalmuseum arbeitet mit Künstlern, Anthropologen, Museumswissenschaftlern, Archivaren, Dokumentaren, Wissenschaftlern, Konservatoren, Restauratoren, Lehrern und freiwilligen Helfern. Kamerun sollte diesem Beispiel folgen.
Fast überall in Afrika leiten Ministerien die Museen, etwa die Ministerien für Kultur, Bildung oder Transport oder gar für Verteidigung oder Forschung. Aber wenn ein Museum wirklich das gesamte Erbe einer Nation bewahren soll von der Natur über Geschichte und Kultur bis hin zu zeitgenössischer Kunst , dann müssen alle Interessenvertreter beteiligt werden. Das Nationalmuseum von Kamerun beispielsweise ist zu stark vom Kulturministerium abhängig. Eine Ausweitung würde den Kamerunern helfen, ihr Land besser kennenzulernen.
Auch private Museen tragen zur Erhaltung des afrikanischen Erbes bei. Kameruns ältestes Privatmuseum wurde 1902 am Palast des Sultans von Foumban gegründet. Unsere Musa Heritage Galerie (MusArt) in Kumbo, einer Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern, ist ein anderes Beispiel. Seit ihrer Eröffnung im Dezember 1996 setzt die Galerie den Schwerpunkt auf Kunst und Handwerkskunst der westlichen Graslandregionen. Wir gehen an die Schulen und wollen durch interaktive Projekte junge Leute für Kunst interessieren. Wenn Studenten sich künstlerisch betätigen, dann nutzen sie ihre freie Zeit sinnvoll, zum Beispiel in den Ferien. Die Zukunft der Kunst in unserer Region hängt von ihnen ab.
Kamerun ist kein beliebtes Reiseziel für Touristen aus reichen Ländern. Daher kämpfen unsere privaten Museen ums Überleben. Die meisten Afrikaner sind keine eifrigen Museumsgänger. Daher ist es noch schwieriger als in reichen Ländern, Projekte durch Eintrittsgelder zu finanzieren. Wenn sich Museen jedoch zu stark an Touristen und im Ausland lebenden Afrikanern als Zielgruppen orientieren, dann riskieren sie ihre eigentliche Aufgabe aus dem Blick zu verlieren, den lokalen Gemeinschaften zu dienen.
Museen können zu aktuellen Debatten und zu Entwicklung beitragen. HIV/Aids ist ein großes Problem in Kumbo. Daher arbeitet MusArt an einem Projekt, das das Bewusstsein von Jugendlichen für Aids fördern soll. Wir planen außerdem temporäre Ausstellungen zu weiteren Themen, beispielsweise zu den Millenniumszielen, zusammen mit Art4Development aus New York und der Stadt Kumbo. Unter dem Titel A CreativeChange Travelling Arts Exhibition ist die Ausstellung derzeit in den USA zu sehen und zeigt Werke von über 50 jungen Künstlern aus aller Welt.
Es wurde schon einiges unternommen, um Afrikas Museen zu verbessern. Aber es bleibt noch viel zu tun. Wir müssen zum Beispiel mit dem Problem des illegalen Handels mit Kulturgütern umgehen und uns mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auseinander setzen. Finanzmangel macht es schwierig, diese und andere Herausforderungen der Globalisierung zu bewältigen. Zum Glück erhalten afrikanische Museen internationale Unterstützung. Die Internationale Museumspartnerschaft der American Association of Museums fördert gemeinsame Projekte. Das Schwedisch-Afrikanische Museumsprogramm unterstützt die Zusammenarbeit durch Partnerschaften zwischen Museen in Schweden und Afrika. Das Netzwerk investiert außerdem in Kapazitätsaufbau, gemeinsame Projekte und Forschung.
Andere nützliche Initiativen sind das Partnerschaftsprogramm für Museumsförderung und zum Schutz gefährdeter Kulturgüter der UNESCO und des Internationalen Museumsrats (ICOM), das Centre for Heritage Development in Africa, das West African Museums Programme und der International Council of African Museums. Sie alle arbeiten daran, das Potenzial afrikanischer Museen und ihrer Mitarbeiter sowie den Informationsaustausch zu fördern und afrikanische Museen international bekannt zu machen.
Deutsche Spuren in Kamerun
Kamerun war deutsche Kolonie, bevor es französisches und britisches Treuhandgebiet wurde. Es gibt im Land immer noch viele Spuren des deutschen Erbes. Dazu gehören Denkmäler, Gebäude, Brücken, Brunnen sowie die Festungen Bamenda und Lomie in den Nordwest- und Ostprovinzen. Im vergangenen Jahr hatte ich während eines Praktikums beim Kenianischen Nationalmuseum die Gelegenheit, Fort Jesus in Mombasa zu besuchen. Das Museum und seine Helfer tun ihr Bestes, um diesen historischen Ort, der von den Portugiesen errichtet wurde, zu erhalten. Der Schutz solcher Kolonialgebäude hilft künftigen Generationen, historische Vermächtnisse zu verstehen. Deutschland sollte deshalb erwägen, zur Renovierung alter Festungen in Kamerun beizutragen.
Die deutsche Sprache ist ebenfalls Teil des kulturellen Erbes in Kamerun. Leider sind die meisten alten Leute, die dieser Sprache mächtig waren, mittlerweile gestorben. Aber einige leben wahrscheinlich noch. Warum gibt es kein deutsches Museum, das gemeinsam mit unserem Nationalmuseum dieses schwer zu fassende Kulturerbe dokumentiert? Alte Männer und Frauen sollten ihre Geschichten erzählen; das wäre eine gute Grundlage für eine Ausstellung.
1999 gab es in Berlin eine große Ausstellung afrikanischer Kunst, organisiert vom Museum für Völkerkunde, die von der deutschen Öffentlichkeit sehr gut aufgenommen wurde. Kameruner und andere Afrikaner hätten sie sicher ebenso geschätzt, hätte das Museum auch eine Wanderausstellung in afrikanischen Ländern organisiert, aus denen die Kunstwerke stammten. So jedoch hatte das Ereignis in Berlin keinerlei Auswirkung in Kamerun.
Es ist deprimierend, dass ein Großteil des wertvollsten Erbes Afrikas sich heute in europäischen und nordamerikanischen Museen befindet. Wahrscheinlich kehren diese Objekte nicht nach Afrika zurück. Dennoch ist offensichtlich, dass wir unsere eigenen Museen brauchen.
Peter Musa
ist freier Journalist und bildender Künstler. Seit 1996 leitet er die Kunstgalerie Musa Heritage Gallery (MusArt) in Kumbo, Kamerun.
http://www.musartgallery.info.ms ; musartgallery@yahoo.com
Links:
International Council of Museums:
http://www.icom.museum
International Council of African Museums:
http://www.africom.museum
Centre for Heritage Development in Africa:
http://www.heritageinafrica.org
African-Swedish Museum Network:
http://www.samp.org
International Partnership Among Museums/American
Association of Museums:
http://www.aam-us.org/getinvolved/ipam/
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