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Analysen und Berichte


Afghanistan: Halbherziger und wenig durchdachter Wiederaufbau

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07/2003
 

[ Internationales Symposium ]

Afghanistan: Halbherziger und wenig durchdachter Wiederaufbau

Welche Fortschritte bei der Herstellung von Sicherheit und beim Wiederaufbau politischer Strukturen sowie eines Steuer- und eines Rechtssystems hat das internationale Engagement in Afghanistan in den letzten anderthalb Jahren gebracht? Wie kann die Intervention in Afghanistan verbessert werden, welche allgemeinen Schlussfolgerungen lassen sich ziehen? Um diese Fragen ging es bei einem internationalen Symposium, das das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und die London School of Economics and Political Science (LSE) vom 30. Mai bis zum 1. Juni in Bonn veranstalteten.

Barbara Stapleton von der in Kabul ansässigen Nichtregierungsorganisation ACBAR veranschaulichte das Scheitern der internationalen Gemeinschaft bei dem Versuch, Sicherheit herzustellen. Ausdruck für dieses Scheitern sei die Weigerung, das Mandat der Schutztruppe (ISAF) in Afghanistan auszuweiten, und das eher halbherzige Bemühen, in den Provinzen einheimische Wiederaufbau-Teams aufzustellen. Deren Einrichtung wird ohnehin von einigen Beobachtern als bequeme Strategie der mit dem Wiederaufbau betrauten Geber gesehen, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Mit Blick auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau seien die Weichen schon im Petersberg-Abkommen vom Dezember 2001 falsch gestellt worden, da es kein Konzept enthalte, wie die Ökonomie der Gewalt in Afghanistan durchbrochen werden könnte.

Jonathan Goodhand von der School of Oriental and African Studies an der Universität London sprach sich für ein Überdenken der bisherigen Entwicklungshilfe für Afghanistan aus – sowohl in Bezug auf ihren Umfang als auch auf die Art der Verteilung. Die bislang zugesagte Hilfe sei zu gering, fließe zu langsam und konzentriere sich zu stark auf die leichter zugänglichen Regionen. Zudem locke der Hilfssektor wegen besserer Bezahlung und besserer Arbeitsbedingungen die am besten qualifizierten Afghanen an und absorbiere damit für den Wiederaufbau dringend benötigte Kapazitäten. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass möglichst schnell die Fähigkeit der Regierung in Kabul zur Steuererhebung aufgebaut werden muss, um ihre Abhängigkeit von den Gebern zu lindern.

Ali Wardak (University of Glamorgan) berichtete, dass mit der Vorlage eines Verfassungsentwurfs durch die Verfassungskommission ein erster Erfolg beim Wiederaufbau des Rechtssystems erzielt worden sei. Die Frage, welche Rolle der Islam in der künftigen afghanischen Verfassung spielen wird, ist unter anderem davon abhängig, wer darüber zu entscheiden hat, ob ein Gesetz dem Islam entspricht und was künftig als „islamisch“ gelten soll. Conrad Schetter (ZEF) warnte davor, im Rahmen des Wiederaufbauprozesses die Bedeutung von Ethnizität überzubewerten, da ansonsten die Gefahr bestehe, die ohnehin konfliktträchtige Situation in Afghanistan zusätzlich anzuheizen.

In seinem Schlusswort brachte James Putzel von der LSE seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Beiträge von Wissenschaft und Forschung dabei helfen könnten, künftig voreilige und wenig durchdachte Eingriffe in Afghanistan zu vermeiden.

Stefanie Elbern




Die auf dem Symposium gehaltenen Referate stehen im Internet:
www.afghanistan-rg.de/vu/arp www.afghanistan-rg.de/vu/arp