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Informationstechnologien:
Der wirkliche digitale Graben verläuft innerhalb der armen Länder


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07/2003
 

[ Interview mit Mike Jensen ]

Informationstechnologien:
Der wirkliche digitale Graben
verläuft innerhalb der armen Länder

Rund achtzig internationale Experten aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie Entwicklungszusammenarbeit trafen sich am 21. Mai auf dem Petersberg bei Bonn zum ersten „ICT Development Forum“, um darüber zu beraten, wie der digitale Graben zwischen Nord und Süd verkleinert werden kann und Computer, Handy und Internet für Entwicklung nutzbar gemacht werden können. Fragen dazu an Mike Jensen aus Südafrika, der seit zwanzig Jahren als entwicklungspolitischer Berater im Bereich IKT arbeitet.


Herr Jensen, hat sich der „digitale Graben“ zwischen Afrika und den Industrieländern in den letzten fünf Jahren verkleinert oder ist er sogar breiter geworden?
Absolut ist er möglicherweise größer geworden, weil die reichen Länder neue Technologien schneller übernehmen können. Ich denke aber, dass die Voraussetzungen in den Entwicklungsländern heute besser sind als vor fünf Jahren, das Potenzial von IKT zu nutzen. Das gilt vor allem für das Bewusstsein der Regierungen. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern und vor allem innerhalb der Länder, die aus dem Blick geraten, wenn man Afrika als Ganzes in den Blick nimmt: Der wirkliche digitale Graben verläuft zwischen den Hauptstädten und den ländlichen Regionen in den armen Ländern.


Besteht die Gefahr, dass IKT dazu beitragen könnten, den Rückstand ländlicher Regionen zu vegrößern?
Das glaube ich nicht. Auch wenn in ländlichen Gebieten Technologien nur in kleinem Umfang Anwendung finden, trägt das zur Verbesserung der Lage von vielen Menschen bei. Es gibt kleine Projekte wie Manobi in Senegal, das die Bewohner ländlicher Regionen mit Hilfe von Mobiltelefonen über die Preise von Waren und Dienstleistungen in Dakar informiert. Studien haben gezeigt, dass Farmer mit Zugang zu diesen Informationen ihr Einkommen um bis zu 30 Prozent steigern konnten.


Es gab die Hoffnung, IKT könnten den armen Ländern dabei helfen, Entwicklungsstufen vollständig zu überspringen. Waren das nicht überzogene Erwartungen?
Mit Sicherheit. Das ist Teil der Euphorie bei der Einführung neuer Technologien. Nehmen Sie das Beispiel des Bürgerradios (community radio): Wir nutzen ja noch nicht einmal das volle Potenzial dieser Technologie, warum also sollten weiter fortgeschrittene Technologien die Entwicklungsaussichten signifikant verbessern?


Bei der Armutsbekämpfung geht es vorrangig darum, Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wie können IKT zu diesem Ziel beitragen?
IKT können helfen, Informationen besser zu verbreiten, die relevant für die Armen sind. Studien der Welternährungsorganisation (FAO) zeigen, dass nicht der Mangel an Kapital oder Dünger die größte Hürde für eine Steigerung landwirtschaftlicher Erträge ist, sondern der Mangel an Informationen über den korrekten Anbau von Nutzpflanzen.

Ein zweiter Bereich ist die Telearbeit. Ich denke dabei nicht nur an die Programmierung von Software, sondern auch an Dienstleistungen wie die Dateneingabe, die Beschäftigungsmöglichkeiten auch für weniger Qualifizierte bieten. In Ghana gibt es zum Beispiel große Zentren, in denen für einige US-amerikanische Versicherungsunternehmen Anträge für Krankenversicherungen verarbeitet werden. Allerdings kann das Potenzial in diesem Bereich nur genutzt werden, wenn der Telekommunikationssektor für Wettbewerber offen ist. Denn das ist Voraussetzung dafür, dass die Infrastruktur ausgebaut wird und die Zugangskosten sinken. Und so lange es keine konkurrenzfähigen internationalen Verbindungen gibt, sind die Kosten für solche Dienstleistungen zu hoch.
Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.