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Der vermeintliche Segen ist ein Fluch


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07/2003
 

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Ölförderung in Afrika:
Der vermeintliche Segen ist ein Fluch

Bis zum Jahr 2010 wird nach Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur der OECD der Anteil Afrikas südlich der Sahara an der globalen Ölproduktion von jetzt fünf Prozent auf über sieben Prozent steigen. Während im Tschad und in São Tomé und Príncipe der Ölboom noch erwartet wird, Nigeria sowie Angola, Kongo-Brazzaville und Äquatorial-Guinea ihre Ausfuhren steigern werden, müssen sich Gabun und Kamerun langsam auf ein Ende der Förderung einstellen.

Das muss nicht unbedingt zu ihrem Nachteil sein, folgt man der Einschätzung, die Douglas Yates (American University of Paris) und Matthias Basedau (Institut für Afrika-Kunde, IAK) am 5. Juni auf einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des IAK über Entwicklungspotenziale und
-hemmnisse in den Ölstaaten am Golf von Guinea vortrugen. Denn der Ölreichtum, so die beiden Politologen, habe in dieser Region vor allem autoritäre Strukturen, Korruption, Bürgerkriege, Unterdrückung und Armut befördert. Der vermeintliche Segen sei vielen Ländern zum Fluch geworden. An der Förderung und Verarbeitung des schwarzen Goldes würden nur wenige einheimische Arbeitskräfte und Unternehmen beteiligt; die Umwelt nehme Schaden; die Landwirtschaft werde vernachlässigt; und der Erlös komme vor allem geldgierigen Eliten zugute. Öl, so Yates, sei in den meisten afrikanischen Ländern einem Krebsgeschwür vergleichbar. Die einzige Lösung für das Problem bestehe darin, die Ölförderung einzustellen.

Heinrich Lehne vom BMZ freilich wandte sich entschieden gegen die Empfehlung, den Ölhahn ab- beziehungsweise gar nicht erst aufzudrehen, und lenkte die Aufmerksamkeit auf das von der Bundesregierung verabschiedete Aktionsprogramm 2015 zur Armutsreduzierung. Warum nicht die Armut auch mit Geld aus dem Ölgeschäft bekämpfen? Zu diesem Zweck habe Deutschland beispielsweise das Arrangement beeinflusst, mit dem die Weltbank die Finanzierung der Pipeline von den Ölfeldern im südlichen Tschad zum Atlantikhafen Kribi in Kamerun absichert. Zwei Kontrollgremien, in denen auch Nichtregierungsorganisationen vertreten sind, sollen darauf achten, dass 80 Prozent der zwei Milliarden Dollar, die das vom US-Konzern Exxon geleitete amerikanisch-malaysische Konsortium in den nächsten 27 Jahren an den Tschad zahlen soll, im Kampf gegen die Armut eingesetzt werden.

Ob dieser Ansatz funktioniert, muss sich allerdings erst noch zeigen. Denn verschiedene Menschenrechtsgruppen beklagen, dass die Regierung von Tschad ihren Kampf gegen die Rebellen im Norden, unter dem auch die Zivilbevölkerung stark leidet, unter anderem aus einem Vorschuss in Höhe von fünf Millionen Dollar für die Öllizenzen finanziert; Exxon habe Waffen und Soldaten in eigenen Flugzeugen transportiert.

Johannes Wendt