| |
Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
Menschenrechte und Entwicklungsziele als Ausgangspunkt
Krisenprävention komplexe Aufgabe
mit hohen Anforderungen
Berufsschullehrer für Usbekistan
 07/2003
|
|
[ Unterstützung der Wirtschaftsreformen ]
Berufsschullehrer für Usbekistan
Von Ralf Grobelny
Die usbekische Regierung treibt im Rahmen ihrer Reformpolitik Berufsbildungsprogramme voran. InWEnt unterstützt sie dabei und bildet in einem dreijährigen Projekt usbekische Berufsschullehrer weiter. Die Lehrer erhalten zunächst in ihrer Heimat Deutschkurse, um den Kursen in Deutschland folgen zu können. Die Teilnehmer verpflichten sich, nach der Rückkehr nach Usbekistan an Lehrerausbildungsstätten ihr Wissen weiterzugeben.
InWEnt unterstützt seit 1993 die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen in Usbekistan durch Beiträge zur Reform der beruflichen Bildung und hat in den vergangenen zehn Jahren etwa 300 Fach- und Führungskräfte aus dem staatlichen und privaten Sektor fortgebildet. Usbekistan mit seiner Grenze zu Afghanistan ist ein wichtiges Partnerland für Deutschland, die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist in den vergangenen Jahren stetig intensiviert worden. Im Januar 2003 startete die InWEnt-Abteilung Technologiekooperation, Systementwicklung und Management in der beruflichen Bildung ein dreijähriges Projekt zur Unterstützung der Wirtschaftsreformprozesse in Usbekistan. Berufliche Bildung steht auch in Usbekistan auf der entwicklungspolitischen Agenda ganz oben, denn sie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung.
In der Entwicklungszusammenarbeit mit Usbekistan zur Unterstützung der Reformpolitik der usbekischen Regierung ist die Förderung der beruflichen Bildung einer der sektoralen Schwerpunkte. Staatspräsident Karimov misst der Reform des Wirtschaftssystems hohe Priorität bei und will seinem Land eine marktwirtschaftliche Orientierung geben. Als Kernpunkte der Reform nannte Karimov eine aktive Beschäftigungspolitik, die Schaffung eines Arbeitsmarktes und die Förderungung kleiner und mittlerer Unternehmen. Zu den ehrgeizigen Vorhaben des Präsidenten zählt außerdem die Einrichtung von landesweit 38 Instituten, an denen Berufsschullehrer qualifiziert werden.
An dieser Stelle setzt das InWEnt-Projekt an. Gemeinsam mit dem usbekischen Ministry of Higher and Secondary Special Education wurde ein Programm entworfen, dessen Kernstück eine sechsmonatige Fortbildung in Deutschland ist. Die Vorbereitung findet in der Hauptstadt Taschkent statt. Am dortigen Goethe-Institut absolvieren die Teilnehmer einen sechsmonatigen Deutschkurs, denn die fachliche Fortbildung wird in deutscher Sprache erfolgen. Dozenten von den Lehrerfortbildungsinstituten in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen, mit denen InWEnt kooperiert, besuchen die Sprachkursteilnehmer, um ihr Qualifikationsniveau kennenzulernen und die Kursinhalte anpassen zu können. Inhaltliche Schwerpunkte sind moderne Methoden der Berufspädagogik, die Entwicklung und der Einsatz von modernen Medien in der Erwachsenbildung sowie die Vermittlung von Managementkompetenzen im Bereich moderner Technologien (Wasser- und Abwassermanagement, Wartung und Instandhaltung, Informations- und Kommunikationsmanagement sowie Kfz-und Transportwesen). Umwelt- und Ressourcenschutz sind in allen Kursen Querschnittsthema.
Sechs bis neun Monate nach Beendigung der Fachfortbildungen in Deutschland finden Folgeseminare in Usbekistan statt, um das Erlernte aufzufrischen und zu vertiefen. Die usbekische Regierung unterstützt die Bemühungen um eine Qualifikation der Berufsschullehrer: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen sich verpflichten, nach ihrer Rückkehr für mindestens fünf Jahre als Dozenten an den Lehrerinstituten zu arbeiten und so ihr Wissen weiterzugeben. So ist die Nachhaltigkeit des Projekts gesichert. Während die Langzeit-Trainingskurse ausschließlich in Kooperation mit staatlichen Partnerinstitutionen realisiert werden, soll im Rahmen des Projekts zugleich die Entwicklung privatwirtschaftlicher Strukturen durch die Förderung privater Berufsbildungseinrichtungen unterstützt werden. Allerdings ist die Etablierung privatwirtschaftlicher Strukturen in Usbekistan trotz zahlreicher Bemühungen ein langwieriger Aufgabe. Insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung bleibt der Staat weiterhin die dominierende Instanz.
Ein Bedarfsfindungsseminar mit 33 Führungskräften aus dem Bereich der beruflichen Bildung im Frühjahr 2002 in Taschkent hat gezeigt, dass in wichtigen Bereichen für die Privatwirtschaft wie Existenzgründung, Marktanalyse, Qualitätssicherung und Personalentwicklung noch erhebliche Defizite bestehen. Zu diesen Themen werden in den kommenden drei Jahren Kurzeit-Seminare in Deutschland und in Usbekistan stattfinden, durch die insbesondere die Gründung und die Arbeit kleiner und mittelgroßer Betriebe unterstützt werden soll. InWEnt plant, bis 2006 knapp 200 usbekische Führungs- und Fachkräfte zu schulen, die ihr Wissen dann als Multiplikatoren weiter geben.
Ralf Grobelny ist Projektleiter in der InWEnt-Abteilung Technologiekooperation, Systementwicklung und Management in der beruflichen Bildung.
ralf.grobelny@inwent.org
|